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10.07.2014

11:23 Uhr

Keine Kooperation

Metro-Chef erteilt Karstadt-Spekukationen Absage

Karstadt ist nach der Kündigung von Eva-Lotta Sjöstedt im freien Fall. Eine Allianz ist für den Metro-Konzern aber kein Thema. Media-Saturn will der Metro-Chef behalten.

Land unter: Die Aussichten für Karstadt bleiben düster. dpa

Land unter: Die Aussichten für Karstadt bleiben düster.

DüsseldorfIm Machtkampf mit Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals hält Metro an Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn weiter fest. „Ich bin der Meinung, dass Media-Saturn großes Steigerungspotenzial hat. Wir alle im Vorstand sind der Meinung, wir sollten uns nicht davon trennen“, sagte Konzernchef Olaf Koch auf einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. Ein etwaiges Angebot von Kellerhals müsse er jedoch aus rechtlichen Gründen prüfen. „Aber ich bin Vorstand und nicht Eigentümer der Metro. Das heißt, wenn es einen konkreten Vorschlag gäbe, dann müsste ich mir den gründlich anschauen. Das ist meine Pflicht.“ Auch Metro-Vorstand Pieter Haas hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, Metro müsse ein "gutes Angebot" Kellerhals' aus Gründen der Sorgfaltspflicht prüfen - bislang liege ein solches aber nicht vor.

Kellerhals hält zwar nur 22 Prozent an der Elektronikkette, verfügt aber über umfassende Veto-Rechte. Anfang Mai hatte der Milliardär erneut eine Übernahme der Metro-Anteile ins Spiel gebracht und von Investoren gesprochen, die er an der Hand habe. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im Juni von Branchenkennern erfahren, dass Metro und Kellerhals Möglichkeiten einer Trennung ausloten. Doch sei die Situation verfahren, es zeichne sich keine einfache Lösung ab.

In Branchenkreisen wird derzeit nicht damit gerechnet, dass der Media-Saturn-Gründer Kellerhals tatsächlich ein konkretes Kaufangebot auf den Tisch legt. Vielmehr könnte er auf einen Spin-Off setzen, sagten mehrere Insider. So könnte etwa der Metro-Anteil als Sachdividende ausgeschüttet werden. Koch sieht die Voraussetzungen für einen Spin-Off jedoch als schwierig an. „Man kann das Unternehmen nicht einfach abspalten und ohne die entsprechenden Voraussetzungen in andere Hände abgeben. Das wäre strategisch und auch aus Haftungs- und Verantwortungsgründen falsch.“ Metro sei weiter an einer Lösung mit Kellerhals interessiert. „Wir als Metro wollen die Situation befrieden und werden uns dafür mit allen sinnvollen Lösungsmöglichkeiten beschäftigen. Wir brauchen eine Lösung, die konstruktiv, tragfähig und vertretbar ist. Solange gibt es für uns nur eine Priorität, nämlich das Kerngeschäft voranzubringen“, sagte Koch.

Auch eine Personalie sorgt für Zündstoff: Kellerhals drängt auf eine Abberufung von Haas, den der Handelsriese im Mai als stellvertretenden Vorsitzenden in den Media-Saturn-Vorstand entsandt hatte. Zuvor hatte Media-Saturn-Chef Horst Norberg entnervt das Handtuch geworfen. Kellerhals versucht Haas nun mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Landgericht Ingolstadt aus dem Amt bei Media-Saturn zu drängen. Für den 22. Juli ist eine mündliche Anhörung angesetzt. Koch räumt Kellerhals kaum Chancen ein. „Wir sehen die Aussichten, Herrn Haas aus seinem Amt zu klagen, als gering an.“

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Auch einer Allianz der Metro-Warenhaustochter Kaufhof mit der angeschlagenen Karstadt-Kette erteilte Koch eine Absage: „Karstadt ist für uns überhaupt kein Thema, nach wie vor“, sagte er. Eine solche „Deutsche Warenhaus AG“ ist schon seit Jahren ein Planspiel in der Branche: Kaufhof könnte Karstadt schlucken oder ein dritter Investor die beiden Warenhausriesen übernehmen. Doch Koch sieht keinen Verkaufsdruck, da Kaufhof anders als Karstadt auch Gewinn schreibt. „Der Kaufhof gehört zur Metro. Der Kaufhof hat eine super Perspektive. Wir sehen Wachstum, wir sehen Modernisierungsbedarf, wir werden weiterhin investieren“, fasste Koch zusammen.

Von

rtr

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