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26.04.2017

09:30 Uhr

Keine Nachfolger

Apotheker kämpfen um Nachwuchs

Eine Apotheke gehört zu einem Ort wie Bäckerei und Friseur. Doch die Frage ist: Wie lange noch? Denn immer mehr Apotheken in Deutschland schließen. Das macht sich besonders in ländlichen Regionen bemerkbar.

Zu Jahresbeginn gab es laut dem Deutschen Apothekerverband (DAV) bundesweit 20.023 Apotheken, so wenige wie nie seit der Wiedervereinigung. dpa

Immer mehr Apotheken schließen

Zu Jahresbeginn gab es laut dem Deutschen Apothekerverband (DAV) bundesweit 20.023 Apotheken, so wenige wie nie seit der Wiedervereinigung.

NeuzelleEigentlich könnte Annerose Zerbe-Kunst jetzt ihre Rente genießen. Doch die 66-Jährige leitet weiter Tag für Tag ihre Apotheke im brandenburgischen Neuzelle im Grenzgebiet zu Polen. „Ich würde gerne aufhören“, sagt sie. Schon vor Jahren begann die Apothekerin die Suche nach einem Nachfolger – mit Anzeigen in Zeitungen und Internet und mithilfe ihres Kontaktnetzes in der Pharmaziebranche. Vergeblich, niemand wollte nach Neuzelle.

Und das ist kein Einzelfall. In Deutschland sinkt die Zahl der Apotheken stetig: Zu Jahresbeginn gab es laut dem Deutschen Apothekerverband (DAV) bundesweit 20.023 Apotheken, so wenige wie nie seit der Wiedervereinigung. In den vergangenen Jahren seien je etwa 200 Apotheken weggefallen – zum Jahresende könnte die Zahl deutlich unter 20.000 liegen.

„Rückgänge gab es in allen Bundesländern“, sagt DAV-Vorsitzender Fritz Becker. „Aber sie haben für die Patienten in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Auswirkungen: Gerade in strukturschwachen Regionen, in ländlichen Gemeinden, aber auch in Außenbezirken und Wohngebieten von Großstädten müssen wir wachsam bleiben.“ Versorgungslücken gebe es noch nicht, aber es dürften eben auch keine entstehen.

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Der Erholungsort Neuzelle ist mit seiner barocken Klosteranlage ein Touristenmagnet in der Region. Mittendrin liegt Zerbe-Kunsts Apotheke, es ist die einzige im Ort. Im Sommer kämen viele Radtouristen, die Mittel gegen Sitzbeschwerden kauften, sagt die Apothekerin. Aber vor allem lebe sie von der Stammkundschaft. Sie versorge auch mit Liefertouren gerade ältere Menschen in umliegenden Dörfern, wenn sie die Medikamente nicht selbst abholen können.

Apotheken in ländlichen Regionen, die abgelegene Ortschaften ohne eigene Apotheke mitbetreuen, behelfen sich mit Rezeptsammelstellen. Das Prinzip funktioniert so ähnlich wie ein Briefkasten: Täglich werden die verschlossenen Behälter an einer öffentlich zugänglichen Stelle geleert, Patienten werfen ihre Rezepte dort hinein. Danach werden die Medikamente von der Apotheke besorgt und ausgeliefert.

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In Sachsen etwa gab es 2016 laut der Landesapothekerkammer 86 Rezeptsammelstellen. Die Zahl sei seit Jahren konstant. Bei Apotheken seien die Sammelstellen beliebt, es gebe viele Bewerber auf die Standorte. Das System und der Betrieb von Rezeptsammelstellen sind in der Apothekenbetriebsordnung gesetzlich geregelt. In Brandenburg erwartet die Landesapothekerkammer, dass die Zahl der Rezeptsammelstellen in den nächsten Jahren steigt – bisher gibt es 70 Stück.

Warum ist es so schwierig, in Neuzelle einen Nachfolger zu finden? „Die Grenzregion und das Land sind große Hürden“, sagt Apothekerin Zerbe-Kunst. Großstädte seien für viele Kollegen attraktiver. Zerbe-Kunst beschäftigt vier Mitarbeiter, aber kein Apotheker ist darunter. Und nur mit dieser Berufsausbildung und Zulassung darf man laut Gesetz eine Apotheke betreiben. „Ich mache erstmal weiter, so lange ich kann“, sagt Zerbe-Kunst. Wenn sie aufhört, müsste im schlimmsten Fall die Apotheke geschlossen werden.

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