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15.03.2016

17:55 Uhr

Kettler-Insolvenz endet

Kettcar-Hersteller scheint gerettet

Kinder brauchen auf das kultige Tretauto Kettcar auch künftig nicht zu verzichten. Hersteller Kettler will das Insolvenzverfahren in Eigenregie zum Monatsende erfolgreich abgeschlossen haben. Wie die Rettung gelang.

Mit dem Tretauto aus dem Sauerland sind Generationen von Kindern aufgewachsen. picture alliance/dpa

Das Kettcar rollt weiter

Mit dem Tretauto aus dem Sauerland sind Generationen von Kindern aufgewachsen.

Ense/DüsseldorfDer Kettcar-Hersteller Kettler ist offenbar gerettet: Der Sport- und Freizeitartikel-Produzent kündigte am Dienstag an, er werde das im Juni 2015 eingeleitete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zum 1. April beenden. Danach soll der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgesetzt werden. Der Insolvenzplan des Unternehmens sei bereits Ende vergangenen Monats einstimmig durch die Gläubigerversammlung angenommen worden.

Unternehmensnahe Kreise gehen davon aus, dass es eine Landesbürgschaft für Kettler vom Land Nordrhein-Westfalen geben wird. Das Finanzministerium NRW wollte sich auf Handelsblatt-Anfrage mit Verweis auf das Bürgschaftsgeheimnis jedoch nicht dazu äußern.

Großgläubiger Carlyle, dessen Forderungen sich auf rund zwölf Millionen Euro belaufen haben sollen, gehörte am Ende nicht zum Kreis der Gläubiger. Der US-Finanzinvestor soll mit Geld aus einer Kettler-Grundstücksgesellschaft komplett abgefunden worden sein, heißt es.

Die Firma Kettler aus dem Sauerland hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland einen steilen Aufstieg erlebt. Zu den größten Erfolgen zählte das vierrädrige Tretauto Kettcar. Firmengründer Heinz Kettler hatte das Unternehmen zu einem führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln gemacht. Mit dem weltweit ersten Aluminium-Bike revolutionierte Kettler Ende der 70er-Jahre die Fahrradwelt. Der Hometrainer „Golf“ war in den 80er-Jahren eines der beliebtesten Fitnessgerät Europas.

Nach dem Tod von Gründer Heinz Kettler führte Tochter Karin das Unternehmen weiter. Der Umsatz von Kettler betrug im Geschäftsjahr 2012/13 laut Bundesanzeiger rund 197 Millionen Euro – im Jahr 2008 waren es allerdings noch etwa 300 Millionen Euro gewesen.

Insolvenzen in Deutschland 2015

Die Summe aller Pleiten

Hierzulande meldeten 2015 insgesamt 126.000 Verbraucher und Unternehmen Insolvenz an. Damit sank die Zahl um 6,5 Prozent – 2014 waren es noch 135.020. Der aktuelle Wert markiert damit den niedrigsten Stand seit 2004.

Quelle: Creditreform

Verbraucher

Der größte Teil der Pleiten entfällt auf die privaten Insolvenzen. Insgesamt meldeten 79.030 Verbraucher Insolvenz an. Das waren 8,6 Prozent weniger als noch 2014. Der Anteil junger Erwachsener stieg jedoch leicht. 2015 war fast jeder sechste Privatpleitier jünger als 30 Jahre. Damit stieg deren Anteil um einen Prozentpunkt in zwei Jahren.

Unternehmen

2015 mussten 23.230 Unternehmen Insolvenz anmelden. Ein Jahr zuvor waren es noch 24.030. Das entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent – und markiert den niedrigsten Wert seit Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Schaden für Gläubiger

Mit der absoluten Zahl der Insolvenzen sanken auch die Forderungen der Gläubiger. 2015 belief sich die Summe auf 19,6 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 26,1 Milliarden Euro.

Arbeitsplätze

Die Zahl der durch Insolvenzen bedrohten Arbeitsplätze sank von 264.000 im Jahr 2014 auf 225.000 im Jahr 2015. Dabei gibt es Branchen, in denen Insolvenzen verhältnismäßig häufig auftreten. So kommen etwa in der Baubranche 97 Pleiten auf 10.000 Unternehmen, im Dienstleistungssektor 71. Im verarbeitenden Gewerbe sind es gerade einmal 44.

Im vergangenen Jahr geriet die Firma dann wie schon zur Finanzkrise in wirtschaftliche Turbulenzen. Im Zuge des Insolvenzverfahrens verkaufte Kettler seine Fahrradsparte, die im Saarland ansässig war, im November an ZEG. Außerdem wurde die Zahl der Beschäftigten um rund 200 verringert. Das Unternehmen Kettler betonte, die eingeleitete Restrukturierung und Neuausrichtung werde fortgesetzt. Die verbliebenen Geschäftsbereiche Sport, Freizeitmöbel sowie Spiel und Kind werden fortgeführt.

Torsten Kasubke, der für Kettler zuständige IG-Metall-Bevollmächtigte, zeigt sich zufrieden. Dem Handelsblatt sagte er: „Das Sanierungskonzept des Unternehmens sah einen Stellenabbau von 400 Mitarbeitern vor, wir haben den Personalabbau reduzieren können und konnten somit dauerhaft 750 Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen erhalten.“

Karin Kettler wird künftig nicht mehr Geschäftsführerin des Unternehmens sein, berichtet die „Westfälische Rundschau“. Der bisherige Co-Geschäftsführer Ludger Busche sowie Christian Krause werden demnach das Unternehmen in Zukunft führen. Das Altunternehmen solle nach Beendigung der Insolvenz in eine neue Gesellschaft überführt werden. Dabei werde der Vorname des Firmengründers, Heinz, gestrichen. Aus der Heinz Kettler GmbH & Co. KG werde dann die Kettler GmbH, um befreit von Altlasten neu starten zu können.

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