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24.07.2012

09:18 Uhr

Kiosksterben

Der langsame Tod der Trinkhalle

Cola, Kippen, Kreuzworträtsel: Für den schnellen Einkauf bieten Kioske fast alles. Vor über 150 Jahren entstanden viele zum Verkauf von Mineralwasser. Doch die kleinen Buden sterben langsam aus.

Alp Aslan in seinem Kiosk in Dortmund-Eving. An manchen Tagen nimmt er weniger als 100 Euro ein. dpa

Alp Aslan in seinem Kiosk in Dortmund-Eving. An manchen Tagen nimmt er weniger als 100 Euro ein.

DortmundIbrahim Turkut ist heute nicht gut drauf. Er murmelt etwas in seinen Dreitagebart und prüft das Sortiment seines Kiosks. Auf einen Zettel malt er kleine Striche, während er Zigarettenstangen, Saftflaschen und Chipstüten abzählt. „Früher war besser“, sagt Turkut in gebrochenem Deutsch. Seit 14 Jahren betreibt er die Trinkhalle im Dortmunder Norden, und wie viele andere leidet seine Bude unter dem Sog großer Supermärkte. „Überall ist bis 24 Uhr auf“, klagt Turkut - nur wenige Blocks weiter bitten Edeka und Aldi zum Großeinkauf. Wer ihn fragt, welche Überlebenschancen ein kleiner Kiosk heute noch hat, winkt er ab: „Wir haben keine Antworten hier.“

Trinkhalle, Kiosk, Büdchen, Spätkauf - wie auch immer man die kleinen Händler für den schnellen Einkauf nennt, es werden weniger. 200 Stück verschwinden im Schnitt jedes Jahr von der Landkarte, im Juni dieses Jahres zählten die Marktforscher der Nielsen Company noch 24 730 Buden. „Die kleinen Kioske haben es zunehmend schwer“, sagt Olaf Roik, Handelsexperte beim Handelsverband HDE. Weil die Bundesländer ihre Ladenschlusszeiten seit 2006 selbst festlegen und in den meisten Ländern bis Mitternacht eingekauft werden darf, geraten Kioskbetreiber unter Druck.

„Das ganze Sortiment hat sich verlagert“, sagt Roik. Spätestens seit sich Bahnhöfe und Tankstellen in kleine Supermärkte verwandelt haben, bieten Kioske Flüssigseife, 9-Volt-Batterien und Tiefkühlpizza an. Stamatia Popis, die eine der erfolgreichsten Trinkhallen in Dortmund betreibt, verkauft inzwischen auch heiße Würstchen und Hähnchenschnitzel. Auch sie klagt über schlechteren Umsatz wegen der langen Öffnungszeiten. „Da muss sich ein Kioskbetreiber überlegen, wo er seine Nische noch findet“, sagt Roik.

Nicht um Umsätze, sondern um ein gesellschaftliches Gut sorgt sich der Dortmunder Kioskclub. „Die soziale Funktion ist ganz anders als bei einer Tankstelle“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Jörg Wagner. Am Kiosk plaudert man über dies und jenes, der Betreiber wird wie ein Wirt oder Barkeeper zum Bindeglied im Kiez.

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