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12.08.2014

07:48 Uhr

Kleidung

Verbraucher wollen fair und billig zugleich

Händler von Billigkleidung stehen wegen schlechter Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken oft in der Kritik. Auch Verbrauchern ist wichtig, dass Kleidung fair produziert wird – doch gleichzeitig schauen sie auf den Preis.

Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch: Verbraucher wollen fair produzierte und billige Kleidung. dpa

Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch: Verbraucher wollen fair produzierte und billige Kleidung.

DüsseldorfVerbraucher in Deutschland sind zwar einer Umfrage zufolge für faire Produktionsbedingungen in der Textilbranche, fast genauso wichtig ist ihnen jedoch der Preis. Bei einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der dpa sagten 40 Prozent der Befragten, für sie seien faire Produktionsbedingungen in der Textilbranche „sehr wichtig“. 46 Prozent stuften sie als „eher wichtig“ ein. Nur 14 Prozent gaben an, ihnen sei das Thema mehr oder weniger egal. Der Preis spielt für die Befragten allerdings eine fast ebenso große Rolle.

29 Prozent gaben an, der Preis für Kleidung sei ihnen „sehr wichtig“, für 57 Prozent ist der Preis immerhin noch „eher wichtig“. Für 14 Prozent spiele der Preis eine untergeordnete Rolle.

Im vergangenen Jahr waren beim bislang schwersten Unglück in der Textilindustrie in einer Fabrik in Bangladesch mehr als 1130 Menschen gestorben, über 2500 waren teils schwer verletzt worden. Zuletzt hatten Berichte über die Produktionsbedingungen in asiatischen Kleidungsfabriken für Aufsehen gesorgt. Viele Hersteller und Händler mussten sich unter anderem Kritik wegen mangelnder Arbeitssicherheit und geringer Löhne gefallen lassen.

Der Umfrage zufolge spielen die Arbeitsbedingungen auch für die Kaufentscheidung knapp eines Drittels der Befragten eine Rolle: Rund 31 Prozent sagten, sie würden auf keinen Fall ein Textilprodukt kaufen, von dem bekannt sei, dass es unter unmenschlichen Produktionsbedingungen hergestellt worden sei. Die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gab an, es „eher nicht“ kaufen zu wollen. Jeder Fünfte hatte keine Bedenken.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Dabei haben die deutschen Verbraucher recht klare Vorstellungen, was ein T-Shirt mindestens kosten sollte. Gut die Hälfte (51 Prozent) findet zehn Euro angemessen. Weitere 29 Prozent meinen mindestens fünf Euro. Nicht einmal jeder Zehnte findet Preise von einem oder zwei Euro richtig. Mehr als jeder zehnte findet sogar 20 Euro als Mindestpreis ok.

Die Umfrage zeigt aber auch: Junge Leute messen dem Thema Produktionsbedingungen deutlich weniger Bedeutung zu als Ältere. Rund ein Viertel der 18 bis 24-jährigen lässt die Frage der Produktionsbedingungen eher kalt. Unter den über 55-Jährigen findet dagegen nur noch jeder Zehnte das Thema „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“. Generell ist das Thema für Frauen wichtiger als für Männer. Für die Erhebung hat YouGov Anfang Juli 1053 Menschen befragt.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr J.-Fr. Pella

12.08.2014, 09:45 Uhr

Wenn der Direktimporteur und der Zwischenhandel nicht so unverschämt hohe Gewinne für fast "Nichtstun" einstreichen würden, die Markenartikler eingeschlossen, könnte jeder Endverbraucher zu fairen Preisen kaufen und die Herstellungsfirmen obendrein einen guten Verkaufspreis erzielen.
Man muß es nur wollen!!
Die angebotenen "Fairprodukte" hinterlassen bei mir auch ein komisches Gefühl; zuviel wohlwollende Organisationen die auch verdienen wollen, oder?

Frau Dagmar Kohlrausch

12.08.2014, 10:15 Uhr

Solange selbst Markenfirmen dort produzieren lassen, kann der Preis niemals ein Hinweis auf faire Produktionsbedingungen sein. Oder bekommt die Näherin, die für eine Markenfirma näht, einen Zuschlag auf ihren kargen Lohn?

Und solange hier die Löhne im unteren Bereich massiv steigen, werden viele Menschen weiterhin das 2 Euro T-Shirt kaufen müssen.

Herr D. Dino54

12.08.2014, 10:50 Uhr

"Verbraucher wollen ......"

Wird die Verantwortung dieser armen Lohnsklaven wieder auf den Verbraucher abgeschoben ?

Wer hat die Textilbranche in Deutschland mutwillig und mit "Weitsicht" zerstört ?

Welcher Verbraucher hat die Möglichkeit der Rückverfolgung und Überprüfung bis zur Produktionsstätte?

Wer schützt diese fragwürdigen "Händler", die diese Arbeitsbedingungen/Menschenrechte zulassen ?

Wer profitiert von der Unterlassung und nicht Einhaltung von Menschenrechte ?

Man kann seitens der Politik eine Menge tun, nur man will und macht es nicht, warum ?

Politik für wenige, kranker Lobbyismus !

Der Verbraucherschutz hat sich im unseren Land gewollt zum negativen entwickelt, die EU ist dabei eine gute Ausrede für unsere "Volksvertreter" !



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