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22.04.2014

12:25 Uhr

Kleine Brauereien wachsen

Bier boomt – abseits des Massengeschmacks

Da braut sich etwas zusammen: Deutschland gilt als Bierland Nummer eins, doch Konsum und Umsätze sinken seit Jahren. Mit frischen Ideen schaffen sich kleine Brauereien jetzt eine Nische.

Beliebt in der ganzen Welt: Deutsches Bier. dpa

Beliebt in der ganzen Welt: Deutsches Bier.

BerlinEin schwerer Geruch – würzig, süßlich, nussig – wabert einem entgegen, bevor man die Wendeltreppe hinter dem Holzverschlag heruntersteigt. Rauchfahnen steigen aus einem Kessel. In einem anderen türmt sich weißer Schaum mit braunen Flecken immer höher auf. Noch sieht die Flüssigkeit darunter aus wie naturtrüber Apfelsaft – doch es ist Bier. „Heute ein klassisches Pils, morgen testen wir eine Hopfensorte mit Melonenaroma“, sagt Philipp Brokamp. Hinter seiner Kneipe „Hops & Barley“ im Berliner Szeneviertel Friedrichshain betreibt er eine der kleinsten Brauereien Deutschlands.

Aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe mischt der Braumeister hier nicht nur Standard-Pils, sondern Ales mit Ingwer oder Frucht, bittere Biere mit starker Hopfennote. So wie er entdecken Brauer gerade überall in Deutschland ein altes Handwerk neu – in Zeiten sinkenden Bierkonsums und eines harten Preiskampfes für viele ein rettender Strohhalm.

Seit Jahren schrumpft der deutsche Biermarkt, weil die Einwohnerzahl zurückgeht und eine alternde Gesellschaft weniger trinkt. Trotzdem stieg die Zahl der Brauereien im vergangenen Jahr auf 1.349 – 2012 hatte es noch neun Brauereien weniger gegeben. Der Bierdurst der Deutschen ging dagegen das siebte Jahr in Folge zurück. Wie das Statistikamt bereits zu Jahresbeginn mitgeteilt hatte, setzten die Brauereien 2013 mit 94,6 Millionen Hektolitern so wenig Bier ab wie seit der Wiedervereinigung nicht. 79,7 Millionen Hektoliter wurden im Inland verkauft. Einen deutlichen Zuwachs gab es bei Ausfuhren in Länder außerhalb der EU, etwa in die USA oder nach China.

Immer weniger nationale Markenbiere gingen noch zum Normalpreis weg, sagt Tim Brzoska, Experte für Preisstrategien im Handel. Kleine Brauer müssten über Innovationen ins Geschäft kommen. „Das Bier muss einfach gut sein, anders schmecken und auch besonders daherkommen.“

Brokamp erzählt von einem Coffee-Ale, das er mit echtem Kaffee braut. Jede Woche bietet er ein anderes Spezialbier an. Normalerweise halte er sich dabei an die klassischen vier Zutaten, die das Reinheitsgebot vorgibt. „Die Spannbreite bei Malz und Hopfen ist noch lange nicht ausgereizt“, betont er.

In den USA, wo der Trend herkommt, geht es bunter zu: Hier wird zu Halloween Pumpkin Ale gebraut, ein Kürbisbier, das geschmacklich an verflüssigten Spekulatius erinnern kann. Craft Beer werden die Sorten abseits des Massengeschmacks genannt - Handwerks-Bier. Nach Angaben der Branchenvereinigung Brewers Association gab es im vergangenen Jahr 2.768 Craft Breweries. Vom Volumen her haben sie einen Marktanteil von knapp 8 Prozent. In Dollar sind es wegen der höheren Preise gut 14 Prozent.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.04.2014, 15:49 Uhr

Bäh.... sorry, aber: was sollen "fruchtige" Biere ????

Account gelöscht!

22.04.2014, 20:08 Uhr

Die Branche, insbesondere die großen Brauereien wundern sich über Umsatzrückgänge? Nun, vielleicht sind die Konsumenten auch einfach nur nachtragend! Ich verwehre jedes Bier von einer Brauerei, die im jüngsten Preiskartell aufgefallen ist. Da die Liste lang ist, habe ich eine Hardcopy in meiner Geldbörse, sei es beim Einkauf, im Restaurant oder wo auch immer. Das Bier von kleineren, regionalen Brauern schmeckt auch.

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