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12.01.2010

08:30 Uhr

Klinikverkäufe

Private Betreiber hoffen auf Kaufmöglichkeiten

VonMaike Telgheder

Um Klinikverkäufe aus öffentlichem Besitz war es lange ruhig. Jetzt aber rollt die nächste Welle an. Die großen privaten Ketten halten sich bereit. Der deutsche Markt gilt trotz Schließungen und Fusionen nach wie vor als überbesetzt.

Helios Klinikum im sächsischen Aue: Der private Betreiber ist einer der potenziellen Käufer für die zu veräußernden Krankenhäuser. Quelle: dpa

Helios Klinikum im sächsischen Aue: Der private Betreiber ist einer der potenziellen Käufer für die zu veräußernden Krankenhäuser.

FRANKFURT. Borkum, Bad Säckingen, die HBH-Kliniken im Landkreis Konstanz - die Meldungen über ins Straucheln geratene Krankenhäuser häufen sich. Klinikbetreiber und Marktbeobachter wie die Experten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung erwarten 2010 und 2011 zahlreiche Verkäufe von Krankenhäusern.

Weil die öffentlichen Kassen krisenbedingt weniger Geld zur Verfügung haben, wird es für Kommunen und Kreise immer schwieriger, etwaige Defizite bei Kliniken auszugleichen. Mit mehr als 2 000 Krankenhäusern gilt der Markt in Deutschland nach wie vor als überbesetzt, obwohl seit Anfang der 90er-Jahre mehr als 320 Krankenhäuser geschlossen wurden oder fusioniert haben, wie der aktuelle Krankenhausreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt. Selbst freigemeinnützige Träger, die normalerweise am wenigsten unter dem Diktat der Gewinnmaximierung stehen, haben teilweise Schwierigkeiten, ihre Häuser fortzuführen. Aktuelles Beispiel: die Rummelsberger Anstalten der Diakonie im Nürnberger Land.

Private wollen expandieren

Als potenzielle Käufer dieser Häuser werden von Analysten und Branchenexperten vor allem die großen privaten Klinikbetreiber Rhön-Klinikum, Helios, Asklepios und Sana gehandelt - haben sie sich doch eine bundesweite Expansion auf die Fahnen geschrieben.

Das börsennotierte Rhön-Klinikum beispielsweise will mittelfristig seinen Marktanteil auf acht Prozent erhöhen. Aktuell halten Rhön und die beiden großen Wettbewerber Helios und Asklepios im 65 Mrd. Euro schweren Krankenhausmarkt jeweils etwa drei Prozent. Die zum Fresenius-Konzern gehörende Helios-Klinikkette hat sich Wachstumsziele gesetzt, die Klinikkäufen zwischen 150 und 160 Mio. Euro Umsatz pro Jahr entsprechen. Die von privaten Versicherungen gehaltene Sana AG will jährlich bis zu 200 Mio. Euro Umsatz erwerben.

Zu haben sind heute bereits die Kreiskrankenhäuser in Rottweil und das Krankenhaus in Helmstedt bei Hannover. Ein weiteres Verkaufsverfahren läuft im bayerischen Kreis Schwandorf in Ostbayern. Dort entscheidet Ende Januar der Kreistag, ob der von der CSU favorisierte private Klinikkonzern Asklepios zum Zuge kommt.

Doch nicht alle privaten Anbieter sind derzeit gleichermaßen gut gerüstet, zeigt eine dem Handelsblatt vorab vorliegende Untersuchung der auf den Gesundheitsmarkt spezialisierten Firma HPS Research. Inhaber Hartmut Schmidt hält fest: "Käufer müssen wirtschaftlich stark sein, um nach einer Übernahme die Patienten dauerhaft und hochwertig versorgen zu können."

Deshalb hat HPS Research die sieben größten privat finanzierten Krankenhausbetreiber anhand von Kriterien wie Ertrag, Finanzierungspotenzial und Höhe der Investitionen in den vergangenen Jahren analysiert. Dabei schneidet Rhön-Klinikum laut HPS-Research bei der Gesamtbetrachtung am besten ab, vor Sana, Asklepios und Helios. Die kleinen Betreiber Damp, Paracelsus und die SRH-Kliniken folgen auf den nächsten Plätzen.

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