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09.10.2012

18:20 Uhr

Knapp über Ramsch

Moody's senkt Metros Kreditwürdigkeit

Die Ratingagentur Moody's senkt den Daumen über dem Handelskonzern Metro. Der schwache Gewinnausblick des kürzlich aus dem Dax gestrichenen Unternehmens rechtfertige nur noch eine schlechtere Bonitätsnote.

Metro ist Großhändler und Einzelhändler. Zum Konzern gehören etwa die Kaufhof-Häuser und real-Supermärkte. ap

Metro ist Großhändler und Einzelhändler. Zum Konzern gehören etwa die Kaufhof-Häuser und real-Supermärkte.

DüsseldorfNur noch eine Stufe trennt die Anleihen des Handelskonzerns Metro vom sogenannten Ramschniveau. Die Ratingagentur Moody's senkte am Dienstag die Kreditwürdigkeit des Unternehmens um eine Stufe auf „Baa3“.

Moody's begründet den Schritt damit, dass Metro zuletzt den Gewinnausblick deutlich gesenkt hatte. Demnach erwartet der Düsseldorfer Konzern einen Überschuss vor Steuern und Zinsen in Höhe von zwei Milliarden Euro statt einem Ergebnis in Höhe des Vorjahresniveaus von 2,37 Milliarden Euro.

Im Handel brechen massenhaft Jobs weg

Kahlschlag

Zehntausende Arbeitsplätze stehen im Handel auf der Kippe. Schlecker-Pleite, Stellenabbau bei Karstadt und Metro und auch bei Neckermann.de geht es um viele Jobs. Hier eine Übersicht…

Wie ist die Lage bei Karstadt?

Der Warenhaus-Konzern will 2000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten für das Unternehmen. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Wie viele Stellen kostet die Schlecker-Pleite?

Mit dem Ende der Drogeriemarktkette Schlecker brachen bislang etwa 25 000 Arbeitsplätze weg. Offen ist derzeit noch die Zukunft der gut 4000 Mitarbeiter zählenden Tochter Ihr Platz. Der Insolvenzverwalter ringt gegenwärtig noch um den Einstieg eines Investors bei Ihr Platz.

Wie viele Stellen stehen bei Neckermann auf der Kippe?

Beim Versandhändler Neckermann.de stehen 1380 Jobs auf der Streichliste des Managements. Der vom US-Finanzinvestor Sun Capital beherrschte Versandhändler hat insgesamt 2400 Arbeitsplätze. Neckermann.de will den Eigenhandel mit Textilien und das Frankfurter Zentrallager aufgeben. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden.

Wie umfangreich ist der Stellenabbau bei Metro?

Der größte deutsche Handelskonzern will mittelfristig 900 Stellen abbauen. Betroffen davon ist vor allem die Verwaltung. Auf der Verkaufsfläche soll das Personal nicht reduziert werden. Konzernchef Olaf Koch hatte vor wenigem Monaten angekündigt, etwa 100 Millionen Euro einsparen zu wollen.

Strikter Sparkurs nötig

Die Metro AG, zu der neben den Metro- Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real sowie die Kaufhof-Warenhäuser gehören, ist aber schon seit etlichen Jahren auf einem strikten Sparkurs mit Stellenstreichungen.

Cordes machte den Anfang

Unter Kochs Vorgänger Eckhard Cordes wurde die Metro AG 2009 einem milliardenschweren Sparprogramm („Shape“) unterzogen, mit dem weltweit etwa 19 000 Arbeitsplätze gestrichen wurden. An anderer Stelle entstanden durch neue Märkte und Dienstleistungen ähnlich viele Jobs. Ende 2011 hatte Metro weltweit 281 000 Mitarbeiter.

Welche Hintergründe haben die Stellenstreichungen?

Die Handelskonzerne bieten unterschiedliche Sortimente und sind zumeist auch in unterschiedlichen Ländern aktiv. Hinzu kommen auch hausgemachte Probleme. Erklärtes Ziel des Managements ist in der Regel, die Kosten zu senken und die Strukturen im Unternehmen zu verbessern. Konzepte müssen häufig den veränderten Konsumgewohnheiten angepasst. Die Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas dämpfen aktuell die Konsumlust der Kunden.

Das „böse“ Internet

Ein großer, übergreifender Faktor im Handel ist das boomende Internetgeschäft. Immer mehr Menschen kaufen online ein. Damit nimmt der Preisdruck für die Läden zu. Nur wenige Bereiche wie der Lebensmittelhandel sind bisher kaum von diesem Trend betroffen.

Zeitenwende

Nach Einschätzung von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub (Obi, Kik, Kaiser's Tengelmann) sind die Zeiten, in denen Läden wie Pilze aus dem Boden schossen, vorbei. Das verdeutlichten viele leerstehende Läden nach der Schlecker-Pleite. Neue Verkaufsflächen entstünden inzwischen vor allem im Internet mit den zahlreichen Online-Shops.

Eine schwächere Bonitätsnote bedeutet in der Regel, dass ein Konzern höhere Zinsen für die Ausgabe von Anleihen beziehungsweise die Kreditaufnahme zu zahlen hat. Mittelfristig sei keine Verbesserung der für die Ratingentscheidung relevanten Kennzahlen zu erwarten. Bislang habe es etwa keinen erwähnenswerten Abbau von Verbindlichkeiten gegeben.

Der Konzern erklärte, die Entscheidung von Moody's werde wohl keine gravierenden Auswirkungen auf die Refinanzierungssituation haben. Die Aktie gehörte dennoch mit einem Minus von 2,2 Prozent zu den größten Verlierern im MDax.

Metro-Chef Olaf Koch hatte Ende vergangener Woche das Gewinnziel für 2012 gekippt, womit einige Branchenexperten schon seit Monaten gerechnet hatten. Der Konzern spüre die Auswirkungen der Euro-Staatsschuldenkrise. Insbesondere in Süd- und Teilen Osteuropas hielten sich die Kunden zurück. Zudem sitze das Geld für Unterhaltungselektronik nicht mehr so locker, erläuterte der Mutterkonzern der größten europäischen Elektronikhandelskette Media-Saturn.

Die größten Einzelhändler der Welt

Platz 10

Best Buy (USA)

Das US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 50,27 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2010 über einen Umsatz von 67,42 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 68 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 77,95 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2010 gigantisch aus.

Platz 6

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2010 setzte der Lebensmittelhändler 82,19 Milliarden Dollar um.

Platz 5

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 89,08 Dollar im Jahr 2010 ebenfalls einen Spitzenplatz.

Platz 4

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit betreiben die Briten 5390 Supermärkte Großbritannien 94,185 4,104 384.389 Einzelhandel Philip Clarke

Platz 3

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Die Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2010 rund 96,4 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit 471.755 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2010 einen Umsatz von 120,3 Milliarden Dollar. Nur ein Einzelhändler setzte mehr um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 421,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2010 um - bei einem Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern 2,1 Millionen Angestellte.

Die Agentur schreckt allerdings davor zurück, Metro eine weitere Herabstufung in Aussicht zu stellen. Damit würde der Konzern auf das sogenannte Ramschniveau fallen. Ab dieser Stufe gelten Anleihen als sehr spekulativ und dürfen von vielen Investoren aufgrund interner Richtlinien oder Investment-Vorgaben nicht gehalten werden. Gegen eine erneute Herabstufung spreche, dass sich die Gewinnsituation im kommenden Jahr zumindest stabilisieren dürfte, so Moody's.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.10.2012, 16:54 Uhr

Das ging aber schnell.

Eine Frage:

Sind diese US-Imperialisten mit der Herabstufung amerikanischer Konzerne ebenso geschwind?

reali

09.10.2012, 17:06 Uhr

bin mal gespannt, wie Metro auf 2 miliarde EUR EBIT kommen wird, wenn sie im ersten Halbjahr hohe Verluste eingefahren hat
Metro ist doch keine Wintermarke
Hoffentlich werden, endlich, die Metro Manager aus diesen Herabstufungen mal was lernen
denn, sorry, bei der Metro ist NICHT die Wirtschafts- und Finanzkrise schuld an die Misere

Murkelo

09.10.2012, 23:00 Uhr

Da fehlt die Kundenorientierung, das ''Haendchen'' fuer den Kunden, da fehlen Kaufanreize und ayraktieve Zahlungsziele..da fehlt es sogar an der Freundlichkeit des Personals. Von Freundlichkeit des Managements (Marktleitung) ist nichts zu merken, nur Arroganz und Ueberheblichkeit. Dies sagt ein Kunde der 160 k Euro Umsatz macht.

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