Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2005

07:30 Uhr

Knappe Ware steigert die Nachfrage

Wenn Beinkleider zum Luxusgut werden

VonStefanie Bilen (Handelsblatt)

Jeans verkaufen sich gut. Vorausgesetzt, sie sind teuer, selten und nur in erlesenen Boutiquen zu finden.

HAMBURG. Das Erfolgsrezept klingt immer gleich: Die Jeanshosen müssen verwaschen aussehen, Stickereien und ein paar Nieten auf den Taschen haben, einen knackigen Hintern und ein schlankes Bein machen und möglichst schwierig zu bekommen sein. Wenn sie dann noch einen außergewöhnlichen Namen tragen und mindestens 100 Euro kosten, ist der Absatz garantiert.

Die Situation könnte paradoxer nicht sein: Deutschlands Modegeschäfte klagen seit Jahren über zurückhaltende Kunden und übertrumpfen sich gegenseitig mit Rabattaktionen und Rotstiftpreisen. Für 2004 geht der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) erneut von einem Umsatzminus von ein bis zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreswert aus. Gleichzeitig hat sich das Geschäft mit Luxusjeans in einer Nische etabliert. Der BTE erwartet beim Jeansumsatz für die ersten drei Quartale 2004 ein Plus von zwei bis drei Prozent. Die hochpreisigen Modelle haben allerdings ungleich stärker zugelegt, berichten Einzelhändler und Hersteller.

Das bekannteste Beispiel für diese Entwicklung ist die Marke „7 for all mankind“ aus Los Angeles. Vor knapp fünf Jahren hat die Firma L-Koral Inc. das Trendlabel auf den Markt gebracht. Einige Showstars haben Gefallen an der Hose gefunden, die einen besonders knackigen Hintern und lange Beine machen soll, und wurden darin in Magazinen wie Vogue, Elle oder Harper’s Bazaar abgebildet. Die Lawine kam ins Rollen: Wegen ihrer guten Passform geben mittlerweile auch deutsche Kunden rund 200 Euro für die Jeans aus. „Die Leute fragen gezielt nach der Marke, sie kennen sie aus der Presse“, sagt Andreas Feldenkirchen, Inhaber der gleichnamigen In-Boutique in Hamburg. Feldenkirchen hat die Marke im Frühjahr 2001 als einer der Ersten nach Deutschland importiert. Ein Ende des Erfolges sieht er nicht. Ganz im Gegenteil: Zu Weihnachten hat „Seven“ ein aufwendigeres Modell mit Strasssteinen der Firma Swarovski für 300 Euro auf den Markt gebracht. „Bei uns ist das Modell bereits ausverkauft“, sagt Feldenkirchen.

Dahinter steckt eine bewusste Strategie: Knappe Ware steigert die Nachfrage. Deutschlandweit waren nur etwa 1 000 Strass-Hosen im Verkauf. Nach diesem Prinzip agieren viele der kleinen, aber feinen Luxusjeans-Marken. Die Firma Paper Denim & Cloth nummeriert ihre Hosen sogar und versieht den Hosenbund mit einer Zahl. Alle 50 000 Modelle wird das Label neu designed. Bei „Seven“ bekommt jedes neue Modell eine andere Stickerei auf die Gesäßtaschen. So können Insider den Trendfaktor der Beinkleider beurteilen.

Häufig sind es kleine Hersteller von der US-Westküste mit Namen wie Citizens of Humanity, Earnest Sewn, Paper Denim & Cloth, Rock & Republic oder True Religion, die erst seit kurzem auf dem Markt sind und auf Anhieb hohe Preise erzielen. „Jeder junge Designer hat in Kalifornien Chancen, erfolgreich zu sein“, sagt Feldenkirchen. Dort sitzen viele der Wäschereien, die jeder Jeans – wenn gewünscht– einen individuellen Look verpassen können. Wenn ein Hersteller es dann noch schafft, sein Produkt an einen Filmstar zu verkaufen, ist das Geschäft gemacht. Im Extremfall erzielen die Hosen sogar Preise von 500 Euro.

Die meisten Firmen geben sich geheimnisvoll und veröffentlichen keine Umsatzzahlen. Doch Branchenkenner sind sich einig, dass es sich um ein kleines, sehr lukratives Geschäft handelt. Die Börsen notierte Firma True Religion Apparel Inc. hat ihren Umsatz in den ersten drei Quartalen 2004 beispielsweise von 1 Mill. auf 14,1 Mill. Dollar katapultiert. Der Gewinn stieg alleine im dritten Quartal um 103 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×