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26.01.2016

18:50 Uhr

Kohl-König Kühne

Im Land der „Krauts“ wird das Kraut knapp

VonChristoph Kapalschinski

In den USA heißen die Deutschen „Krauts“. Doch ausgerechnet das namengebende Sauerkraut droht Mitte des Jahres auszugehen – ebenso wie der Rotkohl. Zeit für ein Krisengespräch mit dem Kühne-Chef.

Rotkohlfeld bei Oberpleichfeld in Bayern: Die Ernte fiel grottenschlecht aus. dpa

Blaukrautfeld

Rotkohlfeld bei Oberpleichfeld in Bayern: Die Ernte fiel grottenschlecht aus.

HamburgMeldungen des Bundesverbands der Obst-, Gemüse- und Kartoffelverarbeitenden Industrie sind meistens wenig spektakulär. Doch in der vergangenen Woche war es anders: Ab Mai werde Rotkohl knapp, ab Juli Sauerkraut. Was ist da los? Antworten kennt Stefan Leitz, Chef des Traditionsherstellers Kühne. Ein Krisengespräch im Konferenzraum in der altehrwürdigen Firmenzentrale in Hamburg.

Herr Leitz, können Rot- und Weißkohl tatsächlich knapp werden?
Ja, wir sind selbst extrem davon überrascht worden. Selbst Kollegen, die 30 Jahre im Geschäft sind, können sich an so eine Situation nicht erinnern. Es war 2015 im Süden extrem trocken, gerade in der Wachstumsphase. Daher fehlt etwa die Hälfte der Menge, die wir mit unseren Vertragsanbauern vereinbart haben – ganz einfach, weil der einzelne Kohlkopf deutlich kleiner ist als sonst.

Wir sprechen so viel über industrielle Landwirtschaft. Wie kann es sein, dass das Wetter immer noch so einen großen Einfluss hat?
Rot- und Weißkohlfelder werden nicht beregnet. Solche Anlagen wären einfach zu teuer. Anders ist das bei Gurken. Dort arbeiten wir mit Tröpfchenbewässerung. Trotzdem gibt es nass-warme Nächte, in denen die Gurken als Nachtschattengewächse förmlich explodieren. Dann haben wir zu wenig kleine Gurken, aber insgesamt eine Gurkenschwemme.

Der Manager ist seit 2013 Chef des Traditionsunternehmens Carl Kühne KG. PR

Stefan Leitz

Der Manager ist seit 2013 Chef des Traditionsunternehmens Carl Kühne KG.

Hat die Lage beim Rotkohl mit dem Klimawandel zu tun?
Ich denke nicht. Es gab ja eine Zweiteilung des Wetters in Deutschland. Wir haben zwei Produktionsstandorte: In Straelen an der niederländischen Grenze und in Schweinfurt. In Straelen lag die Schwankung im Bereich des Normalen, dramatisch war es nur in Süddeutschland. In beiden Regionen arbeiten wir fest mit Landwirten zusammen, die für uns anbauen.

Gibt es nächste Weihnachten eine Rotkohl-Knappheit?
Um das zu verhindern, müssen wir reagieren - ohne bei der Qualität große Kompromisse zu machen. Was wir kriegen konnten, haben wir auf dem freien Markt zugekauft. Doch der ist begrenzt. Die Preise sind also explodiert – auf das Vier- bis Fünffache des Normalpreises. Wir haben fast einen siebenstelligen Betrag zusätzlich in die Rohwaren investieren müssen. Trotzdem haben wir weniger Menge bekommen, als wir wollten. Da wir noch ein bisschen Bestand aus dem Vorjahr hatten, sind wir vorerst voll lieferfähig. Im laufenden Jahr werden wir wohl mehr Frühkohl einsetzen müssen. Der wird eher geerntet und ist entsprechend kleiner – und damit teurer.

Wird der Preis im Supermarkt entsprechend steigen?
In dieser Saison werden die Verbraucher noch nicht viel bemerken. Danach ist eine Preiserhöhung denkbar, denn wir können die Kostensteigerung nicht allein durch mehr Effizienz ausgleichen.

Das Vier- bis Fünffache wie teilweise bei Ihrem Einkaufspreis wird es aber wohl nicht, oder?
Nein. Jetzt kostet Rotkohl in der Aktion häufig 88 oder 89 Cent, im Regal zwischen 1,09 bis 1,19 Euro. Vier Euro wird er sicherlich nicht kosten. Außerdem haben wir am freien Markt ja nur etwa 40 Prozent der Menge kaufen müssen – der Rest kam zum vereinbarten Preis von unseren Vertragslandwirten. Auf die Gesamtmenge gerechnet haben wir also doppelt so viel ausgegeben. Aber auch eine Verdopplung der Rotkohlpreise wird es im Supermarkt sicherlich nicht geben.

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