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02.09.2015

11:35 Uhr

Kommentar zu Lufthansa-Streiks

Strategie ohne die Crew

VonJens Koenen

Ein neuer Piloten-Streik droht: Carsten Spohr gelingt es offensichtlich nicht, das fliegende Personal für seine Strategie zu gewinnen. Doch ohne ihre Unterstützung wird es der Lufthansa-Chef schwer haben. Ein Kommentar.

Lufthansa auf Konfrontationskurs: Wie sinnvoll ist der Streik?

Video: Lufthansa auf Konfrontationskurs: Wie sinnvoll ist der Streik?

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Nicht schon wieder, werden viele Fluggäste sagen. Die Piloten von Lufthansa und Germanwings drohen erneut mit Streiks. Bereits zwölf Mal haben die Flugzeugführer ihre Arbeit seit dem Frühjahr vergangenen Jahres niedergelegt, von den Passagieren aufreibenden Geduldsproben verlangt. Nun droht Runde dreizehn.

Jens Koenen ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte Pablo Castagnola

Der Autor

Jens Koenen ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte

Wer den Verlauf des Tarifkonflikts verfolgt, der kann spätestens seit diesem Mittwoch einfach nur noch hilflos auf die Situation schauen. Alles wurde versucht, beginnend mit Tarifgesprächen über die Sondierung einer möglichen Schlichtung bis hin zu Gesprächen über alle Themen, die derzeit anstehen. Sämtliche Versuche sind gescheitert. Wie der Dauerkonflikt jemals gelöst werden kann? Keiner weiß es.

Ist diese Erkenntnis für die Kunden der Lufthansa höchst frustrierend, ist sie für den Lufthansa-Chef Carsten Spohr sogar gefährlich. Seit seinem Amtsantritt in Mai vergangenen Jahres ist es ihm offensichtlich nicht gelungen, wesentliche Teile seiner Belegschaft von seiner neuen Strategie mit den Säulen Premium- und Billig-Airline zu überzeugen.

Report über den Dauerkonflikt: Lufthansa zwischen Streiklust und Streikfrust

Report über den Dauerkonflikt

Premium Lufthansa zwischen Streiklust und Streikfrust

Viele Lufthanseaten stören sich an der Billig-Plattform Eurowings. Doch die Bereitschaft zu neuen Streiks sinkt. Der Druck auf die Gewerkschaften wächst, den Konflikt zu beenden. Ein Report aus dem Inneren des Konzerns.

Eine Strategie, der intern viele nicht folgen wollen, wird sich aber auch extern schwer tun.

Nun ist es sicherlich auffällig, dass sich vor allem das fliegende Personal so vehement gegen die Strategie wehrt. Hier geht es natürlich vor allem um Pfründe und Privilegien, die es zu verteidigen gilt. Die Verlagerung von Flügen weg von der Kernmarke Lufthansa hin zur Billig-Plattform Eurowings – intern Ausflaggung genannt – führt mittelfristig dazu, dass es künftig weniger Arbeitsplätze im komfortablen und gut dotierten Konzerntarifvertrag geben wird.

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

Doch was nützt diese Erklärung, wenn das Ergebnis eine Verweigerung der Gefolgschaft ist? Nichts! Fest steht: Spohr muss es endlich gelingen, auch das fliegende Personal von seinen Ideen zu überzeugen. Sonst wird er draußen am Markt keinen Erfolg haben. Schließlich sind die Piloten und die Kabinen-Crews diejenigen, die den direktesten Kontakt mit den Kunden haben und das Bild der Lufthansa prägen – auch der neuen.

Börse am Mittag

Neue Streiks drohen: Lufthansa-Aktie stürzt ab

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Kommentare (6)

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Herr Rudolf Ott

02.09.2015, 12:33 Uhr

Natürlich ist das Streikrecht ein hohes Gut. Da die Lufthansa-Piloten im Gegensatz zu den Ryanair-Piloten Spitzenverdiener sind, darf darüber nachgedacht werden, wofür sie streiken. Auch Privilegien müssen erwirtschaftet werden. Weiter streiken heißt auch, dass Lufthansa in nicht allzu ferner Zukunft vom Kurszettel verschwindet.
Es gibt sehr viele andere Gesellschaften, die Flugzeuge haben und Piloten, die sogar im Cockpit sind.

Herr Roland Magiera

02.09.2015, 12:57 Uhr

Die Piloten vergessen in ihrer Gier, dass die Lufthansa alles aber kein Monopolist ist!

Die Konkurrenz wartet nur darauf die Kunden zu übernehmen und freut sich sehr über solche Streiks.
Zumal die Lufthansapiloten ohnehin schon Toppverdiener im Fluglinienvergleich sind.

Also werte Lufthansa-Piloten, euer Unternehmen ist nicht die Staatsbahn, die man nach Belieben erpressen kann, weil es nur auf Nebenstrecken ein klein wenig Konkurrenz gibt!

Ich würde als Lufthansa alle die schon wieder streiken sofort rauswerfen und zu Einstiegsbedingungen wieder einstellen, wenn es denen nicht passt, dann können sie ja zu Ryanair gehen. Oder aber die Pilotengewerkschaft übernimmt ein Drittel der anfallenden Kosten durch den Streik. So sollte man das auch bei der Bahn handhaben, wenn die mehrmals im Jahr streiken wollen, dann müssen sie die Verluste zum Teil ausgleichen und fertig. Wird das Unternehmen kaputt gestreikt, dann muss die Gewerkschaft alle Kosten übernehmen. Das bringt die Brüder wieder ein wenig auf den Teppich zurück.

Der Streikrecht ist ein wichtiges und gutes Recht aber blind und inflationär gebraucht, wie bei der Bahn, Lufthansa und von Verdi, ist es rücksichtslos bis kriminell!

Herr Thomas Behrends

02.09.2015, 13:22 Uhr

So langsam aber sicher werden die Piloten der Lufthansa zum Ärgernis für die Lufthansa-Kunden, die jede Gehaltserhöhung mitbezahlen müssen. Somit kann die LH nicht mehr wettbewerbsähig im Markt bestehen. Die Mitbewerber freuen sich auf die Streiks und die neuen Kunden, die zu günstigen Flugpreisen fliegen können.

Offensichtlich begreift die Pilotenvereinigung Cockpit nicht, dass sie sich den Ast, auf dem sie noch sitzt, sukzessive absägt.

Das Gejammer der Piloten wird groß sein, wenn sie eines Tages rückblickend betrachten wie gut bezahlt ihr Job bei der LH gewesen ist. Das wird nämlich dann der Fall sein, wenn die Lufthansa entweder pleite ist oder weiterhin kleinere Verkehrsgesellschaften gründet, mit denen dann profitables Fliegen (ohne Cockpit) möglich ist.

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