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21.05.2015

09:33 Uhr

Kommentar zum Ende des GDL-Streiks

Noch ist der Knoten nicht durchschlagen

VonDieter Fockenbrock

Das Streik-Ende verschafft Bahnfahrern eine Atempause. Dass der seit elf Monaten schwelende Konflikt zwischen GDL und Bahn nun auch endgültig gelöst wird, ist jedoch alles andere als sicher.

Für Bahnfahrer herrscht bis mindestens zum 17. Juni wieder Normalität am Gleis. dpa

Streik der Lokführer wird beendet

Für Bahnfahrer herrscht bis mindestens zum 17. Juni wieder Normalität am Gleis.

DüsseldorfStreik beendet! Gefahr gebannt? Leider nicht. Selbst nach der erlösenden Nachricht aus den Vermittlungsgesprächen zwischen Deutscher Bahn und GDL dürfte es keineswegs als sicher gelten, dass der nun schon seit fast elf Monaten andauernde Konflikt mit den Lokführern gelöst ist.

Denn es geht ja nicht um die Lohnforderungen der Gewerkschaft GDL, um die Verkürzung der Arbeitszeit, um den Abbau tausender Überstunden. Diese Punkte wären vermutlich längst abgehakt. Es geht um die Grundsatzfrage, ob es zwei unterschiedliche Tarifverträge im Bahnkonzern geben darf. Die Bahn wollte bislang unbedingt verhindern, dass die GDL und die konkurrierende Eisenbahnergewerkschaft EVG jeder für sich einen Tarifvertrag für Lokführer oder Zugbegleiter abschließen.

Die Bahn fürchtet eine Spaltung der Belegschaft, wenn der eine Mitarbeiter weniger Stunden arbeitet und womöglich dafür auch noch mehr Geld bekommt. Die GDL dagegen will sich unbedingt genau diese Option offen halten und pocht auf das grundgesetzliche Recht einer noch so kleinen Gewerkschaft, Tarifverträge für ihre Mitglieder auszuhandeln.

Der Streik hat begonnen

Fahrgäste empört über GDL-Streik

Der Streik hat begonnen: Fahrgäste empört über GDL-Streik

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Wenn es jetzt heißt, dass „die Tarifverträge anderer Gewerkschaften … keine Rolle spielen“, so ist das – bislang – nur die Sichtweise des GDL-Chefs Claus Weselsky. Ob das auch die Interpretation der Bahn ist? Zu oft haben wir in der Vergangenheit erlebt, wie die Streitenden aus einer Verhandlung völlig unterschiedliche Ergebnisse mitbrachten. Die Folgen sind bekannt. Ein Streik jagte den nächsten.

Zum Glück haben sich Bahn-Personalchef Ulrich Weber und Weselsky aber auf zwei Schlichter verständigt. Das gibt Hoffnung. Matthias Platzeck, Ex-Ministerpräsident von Brandenburg, und Thüringens Landeschef Bodo Ramelow werden vor allem Eines garantieren: Nach den Verhandlungen ist nicht mehr vor den Verhandlungen.

Künftig wird es Ergebnisse geben, und zwar nur eines. Selbst wenn das hieße, die Grundsatzfrage ist immer noch nicht gelöst. Das ist besser als das Chaos der zurückliegenden Monate. Aber die Schlichter werden allen Ehrgeiz daran setzen, die Tarifverhandlungen zu Ende zu bringen. Die Kunden der Bahn haben längst keine Lust mehr auf Streik.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

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