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20.01.2005

08:58 Uhr

Kommunalversorger wollen von den großen Erzeugern unabhängiger werden

Stadtwerke bauen eigene Kraftwerke

VonJürgen Flauger

Das Vorhaben ist gewaltig: Im westfälischen Hamm soll bis 2007 ein Großkraftwerk entstehen – 450 Mill. Euro teuer und 800 Megawatt stark. Damit ist die Gas- und Dampfturbinenanlage eines der größten Kraftwerksprojekte in Deutschland.

BERLIN. Getragen wird es aber nicht von den Branchenriesen Eon oder RWE, sondern vom Aachener Energiehändler Trianel – hinter dem wiederum 21 Stadtwerke und kommunale Unternehmen stehen. „Die Stadtwerke wollen ein Gegengewicht zu den großen Erzeugern bilden“, sagte Trianel-Chef Reinhard Goethe gestern am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2005 in Berlin.

Das Trianel-Projekt ist kein Einzelfall. Deutschlandweit haben Stadtwerke viele Kraftwerksprojekte in Planung oder Bau: In Duisburg, München, Münster, Nürnberg und Würzburg werden alte Anlagen ersetzt und erweitert oder neue Kraftwerke gebaut – und das sind nur die großen Beispiele.

„Die Stadtwerke steigen wieder stärker in die Eigenerzeugung ein, sie sind der Treiber im Kraftwerksbau“, bestätigte Florian Haslauer, Energieexperte der Unternehmensberatung A.T.Kearney, die gestern eine entsprechende Studie präsentierte. Dabei habe sich im Zuge der Liberalisierung der Anteil der eigenen Stromerzeugung zunächst verringert – von 28,8 Prozent 1997 auf 16,7 Prozent im Jahr 2003, erläutert Haslauer. In der ersten Phase der Liberalisierung seien wegen Überkapazitäten die Großhandelspreise so stark gefallen, dass es günstiger für die Stadtwerke gewesen sei, sich am Markt einzudecken als selbst zu produzieren, sagte Haslauer. Inzwischen habe sich die Situation aber geändert: „Die Stadtwerke müssen reagieren“, sagt der Berater. Getrieben von den steigenden Rohstoffpreisen für Kohle und Gas sind in den vergangenen zwei Jahren im Stromgroßhandel die Preise sprunghaft gestiegen. Die Alternative – Investition in eigene Kraftwerke – wird wieder attraktiver.

Zudem sind viele Einkäufer mit den Marktverhältnissen unzufrieden. 80 Prozent der Erzeugungskapazitäten gehören den vier großen der Branche Eon, RWE, Energie Baden-Württemberg und Vattenfall Europe. Nur acht Prozent werden von den Stadtwerken betrieben.

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