Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2012

10:45 Uhr

Konflikt mit Lufthansa

Ufo droht vor Schlichtung mit neuen Streiks

Falls die Schlichtung mit der Fluggesellschaft ohne Ergebnis bleibt, will die Gewerkschaft wieder streiken. Zunächst müssen Fluggäste aber keine weiteren Ausstände befürchten: Seit Samstag herrscht Friedenspflicht.

Der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies (Mitte) bei einer Demonstration am Freitag. dapd

Der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies (Mitte) bei einer Demonstration am Freitag.

Berlin/FrankfurtIm Tarifstreit mit der Lufthansa machen die Flugbegleiter Druck vor der geplanten Schlichtung. Die Gewerkschaft Ufo droht mit einer „sehr langen“ Streikperiode, sollten die neuen Gespräche und die Schlichtung ergebnislos bleiben. Ufo-Chef Nicoley Baublies sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“ laut Vorabbericht, wenn Lufthansa stur bleibe, „streiken wir alle vier oder alle 14 Tage oder alle drei Wochen mal“. Baublies machte deutlich, dass die Flugbegleiter-Gewerkschaft dazu ausreichend Reserven habe. „Wir haben 20 Jahre Mitgliedsbeiträge angespart“, sagte er. Baublies rief zugleich das Management dazu auf, die Einspar-Empfehlungen von Ufo zu prüfen. „Wir haben einen Vorschlag gemacht, wie die Lufthansa acht Prozent oder 72 Millionen Euro Personalkosten jährlich einsparen kann“, erläuterte er.

Vorerst müssen Lufthansa-Passagiere keine Flugausfälle durch Streiks mehr befürchten, denn am Samstag begann die Friedenspflicht. Sie gilt, bis ein Schlichterspruch angenommen oder abgelehnt wird. Zuvor hatte die Lufthansa eine Kernforderung der Gewerkschaft erfüllt: Das Unternehmen will keine geringer entlohnten Leiharbeiter mehr auf seinen Berlin-Flügen einsetzen und will diesen Beschäftigten Übernahmeangebote unterbreiten. Nach Angaben der Lufthansa wollen die Tarifparteien bis Mittwoch ein vollständiges Schlichtungsabkommen unterzeichnen und sich bis Ende der Woche auf einen Schlichter verständigen.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Beim dritten und bisher umfassendsten Streiktag der Lufthansa-Flugbegleiter musste das Unternehmen am Freitag etwa die Hälfte der planmäßig 1800 Flüge streichen. Über 100.000 Passagiere waren von dem ganztägigen und bundesweiten Ausstand betroffen. „Es ist Routine für einen Samstag“, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Samstag in Frankfurt. Bereits am Donnerstag seien etwa in Frankfurt vorsorglich 20 Flüge für den Samstag gestrichen worden, was zusätzlich Luft geschaffen habe. Die Airline rechnet auch an ihrem zweiten wichtigen Drehkreuz in München nicht mehr mit Problemen.

In Frankfurt hätten in der Nacht auf Samstag keine Passagiere in den Terminals übernachten müssen, sagte der Sprecher. In Hotels seien einige hundert Hotelbetten organisiert worden. Dort seien Passagiere untergebracht worden, deren Flüge sich auf Samstagvormittag verspätet hätten. Dabei habe es sich vor allem um interkontinentale Flüge gehandelt. „Diese Passagiere sind mittlerweile alle wieder weg“, sagte der Sprecher.

Der eintägige Ausstand der Flugbegleiter war in der Nacht auf Samstag um Mitternacht beendet worden. Zuvor hatte die Lufthansa weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen müssen, mehr als 100.000 Reisende waren von dem Ausstand betroffen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bananarepublican

08.09.2012, 10:29 Uhr

An UFO: hart bleiben... schagt für alle eine Presche in die zutiefts assoziale Leiharbeit, die ja von den meisten Arbeitgebern elend missbraucht wird um Lohndumping zu betreiben (und das mit Willen und Zustimmung unserer CDU/FDP-Regierung - die sagen das blos nicht so). Ihr seid in einer super Position dazu, es trifft bei den Lufthansapassagieren auch meist diejenigen dei für Arbeitgeber fliegen oder selbst direkt oder indirekt für Leiharbeit verantwotliche - also die Richtigen ... Ihr könnt Euch der Solidarität vieler Arbeitnehmer sicher sein. Also : mit Mut voran - lasst Euch nicht kaufen oder einlullen.

Aus den 72 Mio Einsparungen kann der LH Aufsichtrat locker 75 Mio machen einfach die Bezüge des Vorstands entsprechend kürzen und zwar als "Pönale" für Oberversagen und Immageschäden - wer es 13! Monate nicht fertig bringt eine einvernehmliche Lösung zustande zu bekommnen (also lediglich den den dicken Maxe macht ... oder powerplay spielt ... hat in diesem Fall dann wohl vergeigelt). Wer solche eklatanten Fehleinschätzungen in sei´nen Vorgehensweisen sich leistet und damit dann Schäden für die LH verursacht ist ja völlig überfordert und nicht führungsfähig und dann im Fall eines Falles mal mit einer außergewöhnlichen Situation fertig zu werden ... Siehe die Berichte über das Lufthansa-informations-Chaos für seine Kunden ... da sind ja doch die Falschen an der Täte ... ist halt schwieriger als nur fette Boni für Nullnummern in die Taschen zu schieben...

MoS

08.09.2012, 12:10 Uhr

Nicht schlecht was austauschbare Arbeitnehmer da leisten.
Trotz allem sollte man sich nicht überschätzen; Leiharbeit in der Kabine ist langfristig sinnvoll.
Nach acht Wochen Schulung in schöne Hotels absteigen und dafür die Klappe so weit aufreißen - unverhältnismäßig.

Account gelöscht!

08.09.2012, 13:06 Uhr

@ bananarepublican:
Ursachenvorschung kann manchmal helfen.

Die LH kann nur über 2 Szenarien überleben.

Entweder sie fordert hohe Flugpreise oder sie spart Kosten ein.

Bei der "Geiz ist geil" Mentalität der Deutschen wird der Weg über höhere Ticketpreise schwierig, zumal bereits heute, selbst von den Geschäftsleuten, innerdeutsch kaum noch jemand Business Class fliegt, sondern geschätzt mehr als 90% auf die preiswertere Economy zurückgreifen, zumal außer dem etwas besseren Sitzplatzangebotes (der Mittelplatz bleibt frei) eigentlich keine Vorteile erkennbar sind.

Also bleibt nur der Weg über Kosteneinsparungen. Soll dies nicht zu Lasten der Sicherheit gehen, kann man vmtl. nur an den Personalkosten sparen.

Einen dritten Weg, nämlich den Rückzug der Lufthansa aus dem Markt, wird sich wohl kaum einer wünschen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×