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07.01.2016

06:41 Uhr

Konkurrenz für Post und Hermes

Amazon plant eigenen Zustelldienst

Der Online-Riese Amazon baut sein eigenes Liefernetz aus, um sich unabhängiger von Paketdiensten zu machen. Ein Modellprojekt bei München gibt es bereits. Nun sollen auch in anderen Städten Verteilzentren entstehen.

„Amazon will Flexibilität gewinnen, neue Services wie Same-Day-Zustellung anzubieten.“ Reuters

DHL-Lkw vor einem Amazon-Logistik-Zentrum

„Amazon will Flexibilität gewinnen, neue Services wie Same-Day-Zustellung anzubieten.“

MünchenDer Online-Händler Amazon will sich unabhängiger von Paktdiensten wie DHL oder Hermes machen und einen eigenen Zustelldienst aufbauen. „Zunächst werden wir andere Metropolen angehen und in Stadtnähe Verteilzentren aufbauen“, sagte Amazon-Manager Bernd Schwenger der „DVZ - Deutsche Verkehrs-Zeitung“ (Freitag). Derzeit diene ein Verteilzentrum in Olching bei München als Modellprojekt, die Suche nach geeigneten weiteren Standorten laufe.

Amazons Goldesel Werner Vogels: Dieser Mann bringt Jeff Bezos die Milliarden

Amazons Goldesel Werner Vogels

Dieser Mann bringt Jeff Bezos die Milliarden

Werner Vogels ist Doktor der Informatik und ehemaliger Forscher. Als Technikchef des Onlinehändlers Amazon hat er Cloud Computing mit erfunden. Für Konzernchef Jeff Bezos ist er der wichtigste Profitbringer.

Über den Start des eigenen Zustelldienstes in München im Oktober hatte bereits die „Verkehrsrundschau“ berichtet, über die Pläne die „Wirtschaftswoche“ im vergangenen Frühjahr - damals hatte Amazon allerdings noch zu dem Vorhaben geschwiegen.

Mit dem eigenen Dienst solle auf mögliche Engpässe angesichts des anhaltenden Booms des Onlinehandels reagiert werden. Der Aufbau eines eigenen Zustellnetzes sei aber kein Ausdruck mangelnden Vertrauens in die Fähigkeiten der derzeitigen Dienstleiter Deutsche Post DHL, Hermes oder DPD, sagt Schwenger der „DVZ“. „Amazon will Flexibilität gewinnen, neue Services wie Same-Day-Zustellung anzubieten.“ Dabei geht es um die Lieferung der Waren noch am Bestelltag.

Das sind Amazons nächste Projekte

Einkaufsliste per Knopfdruck

Unter Amazon Dash versteht der Internetkonzern eine Art Einkaufsliste auf Knopfdruck. Die kleinen Aufkleber mit Taste können die Kunden einfach im Haus an das Waschmittel oder an das Hundefutter kleben - und wenn die Packung leer ist, per Knopfdruck schnell bei Amazon eine neue bestellen. Bisher ist der Service nur für Kunden des Premiumdienstes Amazon Prime in den USA erhältlich - für 4,99 US-Dollar je Button.

Marktplatz für Selbstgemachtes (1)

Mit "Amazon Handmade" macht der Online-Händler Anbietern wie Etsy oder DaWanda Konkurrenz. Auf dem Marktplatz will Amazon Künstler und Bastler versammeln, die individualisierbare Produkte verkaufen: Selbstgeschneiderte Kleider und Taschen, Schmuck, Armbänder, Möbel. Die Plattform befindet sich in den USA noch im Aufbau. Wer dort verkaufen will, kann sich jetzt schon bewerben.

Marktplatz für Selbstgemachtes (2)

Allerdings kostet ein professioneller Verkäufer-Account knapp 40 Dollar im Monat, und Amazon will bei jeder Bestellung zwölf Prozent Provision einstreichen. Bei anderen Plattformen sind diese Konditionen weitaus günstiger für die Verkäufer - allerdings erreichen sie dort wahrscheinlich nicht so viele Kunden. Ob und wann Amazon Handmade auch nach Deutschland kommen soll, ist nicht bekannt.

Plattform für Handwerker

Über seine Plattform "Amazon Home Service" vernetzt der Online-Händler in den USA Techniker, Handwerker und Trainer mit seinen Kunden in den Großstädten. Wer bei Amazon einen neuen Fernseher kauft, kann also gleich einen Techniker beauftragen, der den Fernseher anschließt und einrichtet. Auch Yoga-Stunden und Gitarren-Lehrer lassen sich über die Plattform buchen. Bis zum Jahresende will Amazons einen Service in 30 amerikanischen Großstädten anbieten.

Ein Lkw voller Schätze

In der Amazon-Heimatstadt Seattle fährt seit diesem Sommer der "Treasure Truck" - ein Lkw, vollgeladen mit Sonderangeboten. Kunden können die Waren auf dem Truck per App bestellen und direkt liefern lassen - zum Beispiel ein Surfboard für den Preis von 99 Dollar anstatt den üblichen 499 Dollar.

Musik-Streaming

Prime Music ist der Musik-Streamingdienst von Amazon, eine Konkurrenz zu Spotify oder Apple. Wer Mitglied beim Amazon Premiumdienst Prime ist, kann den Service in den USA und auch in Großbritannien ohne Zusatzkosten nutzen. Allerdings verfügt Amazon bisher nur über eine Bibliothek von etwa einer Millionen Songs.

Eigene Serien, Filme und Video-Spiele (1)

Amazon begnügt sich schon lange nicht mehr, Medien zu verkaufen - der Online-Händler produziert sie mittlerweile auch selbst. Über seinen Streamingdienst zum Beispiel veröffentlichte Amazon gerade die erste Folge der Serie "The Man in the High Castle".

Eigene Serien, Filme und Video-Spiele (2)

Darin geht es um die Frage: Wie würde die Welt aussehen, wenn die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Auch einen eigenen Kinofilm mit dem Titel "Elvis & Nixon" produziert Amazon gerade. Was danach kommt? Wahrscheinlich ein eigenes Videospiel. Laut Medienberichten hat Amazon Entwickler von bekannten Spielen wie World of Warcraft oder Halo verpflichtet.

Von

dpa

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