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10.01.2005

07:33 Uhr

Konkursrichter bremst Lufthansa-Partner United – Delta löst Preiskampf aus

US-Airlines trudeln ins neue Jahr

VonD. Petersen (T. Riecke; Handelsblatt)

Die großen US-Fluggesellschaften beginnen das neue Jahr erneut in Krisenstimmung. Insbesondere Lufthansa-Partner United Airlines steht wieder mit dem Rücken zur Wand, nachdem ein Konkursrichter das mühsam mit der Pilotengewerkschaft ausgehandelte Sparpaket abgelehnt hat.

NEW YORK. Die Konzessionen der Piloten sollten die Kosten des Unternehmens um jährlich 180 Mill. Dollar senken und waren Voraussetzung für eine Rückkehr aus dem Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts.

Zuvor hatte der von Delta Air Lines ausgelöste Preiskampf die Branche in Aufruhr versetzt. Delta hatte seine Flugpreise um bis zu 50 Prozent gekürzt, Preislimits eingeführt und auf Buchungseinschränkungen verzichtet. Auf diese Weise will die Airline zu den Billigfliegern aufschließen und wieder mehr Fluggäste in ihre Maschinen locken. Kurze Zeit später zogen Marktführer American Airlines und weitere Konkurrenten nach. Michael Lindenberg, Analyst bei Merrill Lynch, sagt voraus, dass die Gesellschaften durch den radikalen Preisschnitt 2005 zusammen bis zu drei Mrd. Dollar Verlust einfliegen könnten. In den vergangenen vier Jahren haben die zehn größten Fluggesellschaften in den USA bereits 20 Mrd. Dollar verloren.

Denn die Terroranschläge vom September 2001 lösten einen dramatischen Sturzflug aus und verdeckten seit langem bestehende Strukturprobleme. So leidet der US-Markt an Überkapazitäten und einem von Billigfliegern wie Southwest und Jet Blue beinhart geführten Preiswettbewerb. Der massive Ölpreisanstieg hat die Unternehmen noch zusätzlich unter Druck gebracht.

Mit US Airways und United fliegen bereits zwei Linien unter Gläubigerschutz. Delta und American sind nur haarscharf an der Zahlungsunfähigkeit vorbeigeschrammt, und Continental hat jetzt vor einer drohenden Liquiditätskrise gewarnt, sollten die Mitarbeiter nicht zu Kostensenkungen von 500 Mill. Dollar bereit sein.

Die großen Gesellschaften versuchen, ihr Geschäftsmodell radikal zu ändern, um so der Billigkonkurrenz Paroli bieten zu können. Delta positioniert sich mit seiner neuen Preisstruktur offen als Billigflieger. „Das Unternehmen wird dadurch die Restrukturierung (in der Branche) beschleunigen“, sagt Daniel McKenzie, Analyst bei Smith Barney. Die besten Überlebenschancen gibt er den Gesellschaften mit den größten Barreserven.

So einfach lässt sich der Wechsel ins Lager der Preisbrecher jedoch nicht bewerkstelligen. Sind die etablierten Gesellschaften doch an hohe Lohn-, Gesundheits- und Pensionszusagen aus der Vergangenheit gebunden. Alle großen Airlines drängen ihre Mitarbeiter deshalb, einen Teil ihrer Ansprüche aufzugeben. United und US Airways haben mit Hilfe des Konkursrichters jetzt drakonische Kürzungen durchsetzen können. Der jüngste Rückschlag für United zeigt jedoch, wie riskant diese Strategie ist.

Auch in Europa bringen die Discountflieger die Traditionsfluglinien immer stärker in Bedrängnis. Generell sind die großen Netzwerk- Carrier in Europa in der Umstrukturierung ihres traditionellen Geschäftsmodells schon sehr viel weiter vorangekommen als ihre amerikanischen Konkurrenten. Europas drei führende Flugkonzerne, Air France-KLM, British Airways und Deutsche Lufthansa, betreiben ein globales Netzwerk, dessen Ertragsstruktur nicht von den Billigfliegern angegriffen werden kann.

Lufthansa handelt fast aus einer Position der Stärke heraus: Die Kriegskasse ist prall gefüllt, die Bilanz glänzt solide. Mit Germanwings ist die Airline selbst im Discountmarkt aufgestellt. Air France sucht den Weg über das externe Unternehmenswachstum und hat die niederländische KLM aufgenommen. Schwieriger stellt sich die Lage für die mittelgroßen nationalen Flieger dar. Fluggesellschaften wie der skandinavischen SAS, der österreichischen AUA oder der Swiss International Airlines werden nur bedingte Überlebenschancen eingeräumt.

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