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11.09.2014

22:38 Uhr

Konsequenz aus Unglück

Kontrolleure schließen Textilfabriken in Bangladesch

Zehntausende Arbeitsplätze hat die Schließung von über 218 Fabriken in Bangladesch gekostet. Teilweise veranlassten westlichen Kontrolleuren die Schließungen - doch hinter den Ursachen stecken auch deutsche Auftraggeber.

Eine Branche im Umbruch: In Bangladesch sind über 200 Textilfabriken aufgrund von Sicherheitsbedenken geschlossen worden – und deshalb nun mehrere Zehntausend Menschen arbeitslos. dpa

Eine Branche im Umbruch: In Bangladesch sind über 200 Textilfabriken aufgrund von Sicherheitsbedenken geschlossen worden – und deshalb nun mehrere Zehntausend Menschen arbeitslos.

DhakaSeit dem Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes im April 2013 sind in Bangladesch sind nach Branchenangaben mehr als 200 Textilfirmen geschlossen worden. Zehntausende Beschäftigte hätten dadurch ihre Arbeit verloren, teilte der Verband der Textilbranche des Landes am Donnerstag in Dhaka mit. Bei den meisten Fabriken habe es sich um kleine und mittlere Unternehmen mit 300 bis 800 Mitarbeitern gehandelt.

21 der insgesamt 218 Fabriken seien auf Veranlassung der von westlichen Handelsfirmen geschickten Sicherheitskontrolleure geschlossen worden. Die übrigen Fabriken hätten die Betreiber von sich aus geschlossen, da eine Modernisierung ihrer Ansicht nach die Probleme nicht gelöst hätte.

Die Branche erlebe derzeit einen schwierigen Wandel, erklärte der Verband der Textilhersteller und -exporteure, der die Interessen von 4500 Fabriken vertritt.

Khandaker Moazzem Hossain von der Denkfabrik Centre for Policy Dialoge stellte die vom Verband veröffentlichten Zahlen infrage. So seien viele der aufgelisteten Fabriken schon vor dem Einsturz des Rana Plaza am 24. April 2013 geschlossen worden. Für den Produktionsrückgang könne vielmehr die eingebrochene Nachfrage wichtiger Auslandsmärkte verantwortlich sein. Als Beispiel nannte er Deutschland und die USA.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Bei der Rana-Plaza-Tragödie kamen 1138 Textilarbeiter ums Leben, mehr als 2000 weitere Menschen wurden verletzt. Zahlreiche westliche Firmen hatten in dem Gebäude Kleider nähen lassen. Ermittlungen zufolge stürzte es unter dem Gewicht illegal errichteter Stockwerke und schwerer Maschinen ein.

Von

afp

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