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10.01.2008

21:17 Uhr

Konsolidierung

Delta Air Lines führt Fusionsgespräche

VonMatthias Eberle

Delta -Konzernchef David Anderson soll offiziell Verhandlungen mit Northwest und United Airlines aufnehmen. Im US-Luftverkehr könnte das einen Dominoeffekt mit weiteren Übernahmen auslösen. Die Delta -Aktie legte im Handelsverlauf zweistellig zu.

Delta erwägt den Zusammenschluss mit UAL oder Northwest. Foto: ap Quelle: ap

Delta erwägt den Zusammenschluss mit UAL oder Northwest. Foto: ap

NEW YORK. Zum wiederholten Mal führen läutende Hochzeitsglocken in der US-Luftfahrtindustrie zu heftigen Kursausschlägen an der New Yorker Börse. Die Aktien der Fluglinie Northwest Airlines schnellten um 28 Prozent in die Höhe, als bekannt wurde, dass der größere Wettbewerber Delta Air Lines offiziell Fusionsgespräche aufnehmen will. Das Aufsichtsgremium von Delta Air Lines solle Konzernchef David Anderson grünes Licht geben, um Verhandlungen sowohl mit Northwest als auch mit dem Lufthansa -Partner United Airlines zu führen, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreisen. An der Börse machte auch der Kurs der United-Konzernmutter UAL einen Satz nach oben um fast 20 Prozent auf 31 Dollar. Der Branchenindex Bloomberg U.S. Airlines Index kletterte gestern um fast acht Prozent, weil 15 von 16 enthaltenen Fluglinien Zuwächse verbuchten.

Eine Konsolidierungswelle im völlig überbesetzten US-Markt halten Branchenexperten seit Jahren für unausweichlich, weil die Fluggesellschaften chronisch unterkapitalisiert und allenfalls in guten Zeiten in der Lage sind, schwarze Zahlen abzuliefern. Mit Ausnahme von Marktführer American Airlines mussten in den vergangenen Jahren alle großen US-Airlines Ballast über Konkursverfahren (Chapter 11) abwerfen - darunter United, Delta, Northwest und US Airways. Nach Jahren hoher Wachstumsraten bei den Passagierzahlen spitzt sich die Lage jetzt angesichts rekordhoher Preise am Ölmarkt und der wachsenden Furcht vor einer Rezession in den USA schnell wieder zu. Mit Ausnahme des Billigfliegers Southwest Airlines ist im neuen Jahr keine US-Gesellschaft nennenswert zu niedrigeren Preisen gegen die hohen Kerosinkosten abgesichert.

Als sicher gilt in der Branche, dass es im Falle einer ersten Fusion zu einem Domino-Effekt mit weiteren Zusammenschlüssen kommen wird. Delta gilt inzwischen als Treiber dieser Entwicklung. Der neue Konzernchef hatte vor Wochen eigens eine Kommission eingerichtet, die eine Strategie für die sich abzeichnende Konsolidierung erarbeiten sollte. Die drittgrößte Fluglinie nach American und United konnte einen feindlichen Übernahmeversuch der kleineren US Airways vor einem Jahr nur mit viel Mühe abwehren und ist seitdem auf "Brautschau".

Weil Anderson zuvor bereits Chef von Northwest Airlines war, galt ein Zusammenschluss zwischen Delta und Northwest zunächst als wahrscheinlichste Lösung. Beide Fluggesellschaften kooperieren bereits im Rahmen der von Air France -KLM angeführten Allianz Skyteam. In den vergangenen Monaten kam jedoch auch United als Fusionspartner von Delta ins Spiel.

Gemeinsam würden United und Delta die mit Abstand größte Fluglinie der Welt bilden. Mitte November hatte der Hedge-Fonds Pardus Capital das Management von Delta Air Lines in einem Brief aufgefordert, mit United Airlines Kontakt aufzunehmen und eine Fusion anzubahnen. Pardus Capital hält sowohl Anteile an Delta als auch am United-Mutterkonzern UAL Corp. Der Investor sieht in einer Kombination United/Delta die beste Paarung und taxiert die jährlichen Synergien auf 585 Mill. Dollar. Die Streckennetze beider Fluggesellschaften ergänzen sich gut. Delta ist im Süden der USA, in New York sowie in Lateinamerika stark vertreten. United ist im Rest des Landes sowie auf den Transpazifik-Strecken gut positioniert.

Delta -Chef Anderson hatte im Spätsommer 2007 Gerald Grinstein (75) abgelöst, der die Airline während eines 19 Monate dauernden Insolvenzverfahrens über Massenentlassungen und andere Milliarden-Kostensenkungen sanieren konnte. Delta und Northwest hatten den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts im Frühjahr 2007 annähernd zeitgleich verlassen. Nachfolger Anderson arbeitete seit 2004 für den US-Krankenversicherer United Health Group und leitete die Bereiche Gesundheitstechnologie und Finanzservices. Der 52-Jährige ist langjähriges Mitglied des Delta -Verwaltungsrates und gilt als erfahrener Luftfahrtmanager. Er machte Karriere bei Continental Airlines und war zwischen 2001 und 2004 Konzernchef von Northwest.

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