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17.02.2017

14:42 Uhr

Konsumgüter-Riesen

Kraft Heinz will Unilever übernehmen

VonChristoph Kapalschinski

Warren Buffett und der Finanzinvestor 3G wollen einen globalen Konsumgüterriesen aufbauen. Jetzt folgt der nächste Schritt: Ketchup-Hersteller Kraft Heinz soll Unilever übernehmen. Doch dieser wehrt sich noch.

Der Ketchup-Hersteller will Unilever übernehmen. AP

Kraft Heinz

Der Ketchup-Hersteller will Unilever übernehmen.

HamburgDer US-Nahrungsmittelriese Kraft Heinz setzt seinen aggressiven Expansionskurs fort. Man habe ein Gebot für den britisch-niederländischen Dove-Hersteller Unilever abgegeben, teilte Kraft am Freitag mit. Das Unilever-Management um Vorstandschef Paul Polman wies die auf 143 Milliarden Dollar bezifferte Angebot allerdings zurück. Unilever sieht sich durch die Offerte „fundamental unterbewertet“, gibt aber auch strategische Gründe an. Für weitere Gespräche sehe man keine Grundlage.

Kraft Heinz kündigte an, dennoch daran zu arbeiten, dass es noch zu einer Transaktion komme. Das vorgelegte Angebot entspricht einem Aufpreis von 18 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs der Unilever-Aktie vom Donnerstag.

Hinter dem US-Konzern steht als treibende Kraft der Finanzinvestor 3G, der bereits 2015 den auf die USA konzentrierten Lebensmittelkonzern Kraft mit dem Ketchup-Hersteller H.J. Heinz fusioniert hat. Ein weiterer großer Investoren ist der Milliardär Warren Buffett und dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Mit an Bord mit einem Minderheitsanteil ist zudem die deutsche Chemie-Erben-Dynastie Reimann. Zuletzt war spekuliert worden, Kraft Heinz könne Appetit auf das Snackgeschäft von Mondelez mit Marken wie Oreo und Milka haben. Mondelez und Kraft waren bis 2012 ein gemeinsamer Konzern.

Kraft Heinz teilte mit, das Unternehmen sei zuversichtlich, noch eine Übereinkunft mit Unilever erzielen zu können. Es sei jedoch unsicher, ob es tatsächlich ein neues Gebot geben werde. Kraft Heinz kam 2016 auf einen Umsatz von 26,5 Milliarden Dollar Umsatz. Mit 52,7 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr ist Unilever deutlich größer. Beide Unternehmen könnten sich weitgehend ergänzen: Unilever ist vor allem bei Reinigungsmitteln und Kosmetik stark, hat sein Lebensmittelgeschäft jedoch in den vergangenen Jahren reduziert. Aktuell gehört die Margarine-Sparte noch zum Konzern, wird aber bereits so geführt, dass sie jederzeit verkauft werden könnte. Marken wie Langnese-Eis und Knorr sind jedoch bislang fester Bestandteil.

Die Unilever-Aktien stiegen an der Londoner Börse um bis zu 14,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 3824 Pence. Das Unternehmen wäre an der Börse derzeit etwa 112 Milliarden Pfund (rund 131 Milliarden Euro) wert. Das Kraft-Heinz-Papier tendierte nach anfänglichen Verlusten im vorbörslichen US-Geschäft etwa vier Prozent fester.

Anleger wetteten auf eine Fusion, sagten Börsianer. Investoren setzten auf ein Gebot von 4000 Pence je Unilever-Aktie, fügte einer von ihnen hinzu. Gleichzeitig hofften sie auf weitere Zusammenschlüsse in der Branche. Die Papiere der Konkurrenten Beiersdorf, Danone, Henkel und Nestlé stiegen um bis zu 3,2 Prozent.

Bereits im vergangenen November hatte es unbestätigte Berichte gegeben, wonach 3G, hinter dem der Brasilianische Milliardär Jorge Paulo Lemann steht, zwischen acht und zehn Milliarden Dollar einsammle, um einen weiteren Konsumgüterkonzern zuzukaufen. Lemann, ein Harvard-Absolvent mit Schweizer Wurzeln, wurde durch Deals im brasilianischen Brausektor rund um die heutige Großbrauerei AB Inbev schwer reich.

Der 77-jährige Geschäftsmann hält gute Kontakte in die Investment-Szene: Auch US-Großinvestor Warren Buffett ist an dem Heinz-Kraft-Deal beteiligt. Das Unternehmen macht mehr als 22 Prozent des Werts seines gesamten Portfolios aus. Buffett hatte sich wiederholt positiv über 3G geäußert.

In Amerika haben in den vergangenen Jahren Investoren die Branche aggressiv umgepflügt. Nun könnten auch verstärkt europäische Konzerne ins Visier geraten. Der Investor Nelson Peltz etwa war maßgeblich an der Abspaltung der „Milka“-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hatte sich Peltz eingekauft – scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snackriesen aufzuspalten.

Veröffentlichung der US-Börsenaufsicht: Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

Veröffentlichung der US-Börsenaufsicht

Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

Auch in den vergangenen Monaten ging Warren Buffett auf Einkaufstour. Neu dabei: unter anderem Monsanto.

Kommentare (4)

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Herr Thomas Behrends

17.02.2017, 13:41 Uhr

"Der Ketchup-Hersteller Kraft Heinz will einen Zusammenschluss mit dem Lebensmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever. Dieser lehnt ab – doch Kraft Heinz setzt den Übernahmeversuch trotzdem fort."

DAS NENNT MAN DANN WOHL DEN VERSUCH EINER FEINDLICHEN ÜBERNAHME !!!

Wo sind die weißen Ritter geblieben, die unsere Arbeitsplätze bei Unilever schützen?

Meiner Ansicht nach werden weder die US-amerikanischen noch die europäischen Kartellbehörden diesen Mega-Zusammenschluß genehmigen.

Aber wer weiß, vor ein paar Tagen wurde ja auch CETA von unwissenden EU-Politikern durchgewunken ...

... bei dieser Mentalität gehen alle zugrunde: Mensch, Natur, die Märkte, Unternehmen und letztendlich die ganze Welt.

Herr Old Harold

17.02.2017, 14:44 Uhr

@ Herrn Thomas Behrends

Warum durch Handelsabkommen mit Ländern wie Kanada, oder Unternehmenszusammenschlüssen die ganze Welt zugrunde gehen soll, habe ich noch nicht begriffen.

Ich habe als Kleinaktionär innerhalb von wenigen Tagen mit dem Kauf und Verkauf von Unilever-Aktien 5 % Gewinn gemacht.

Meinen Gewinn investiere ich in MIkrodarlehen, die ich über kiva.org zinsfrei an Kleinunternehmer in der 3. Welt vergebe.

Der Großaktionär Warren Buffet gibt seine Milliarden-Gewinne in Stiftungen wie die von Melinda und Bill Gates, die damit Krankheiten wie Malaria bekämpfen.

Was soll daran denn schlecht sein?

Frau Annette Bollmohr

17.02.2017, 16:20 Uhr

@Herr Old Harold, 17.02.2017, 14:44 Uhr

"Ich habe als Kleinaktionär innerhalb von wenigen Tagen mit dem Kauf und Verkauf von Unilever-Aktien 5 % Gewinn gemacht.

Meinen Gewinn investiere ich in MIkrodarlehen, die ich über kiva.org zinsfrei an Kleinunternehmer in der 3. Welt vergebe.

Der Großaktionär Warren Buffet gibt seine Milliarden-Gewinne in Stiftungen wie die von Melinda und Bill Gates, die damit Krankheiten wie Malaria bekämpfen.

Was soll daran denn schlecht sein?"

Nichts. Nur ist leider offensichtlich gerade und insbesondere in der Finanzwelt eine wirklich philanthropische Einstellung doch eher ungewöhnlich. Mal ganz abgesehen davon, dass anständiges Verhalten nicht allein eine Frage des guten Willens sein sollte.

Denn: Geld ist Macht, und Macht ist süß. Beides muss sich ändern.

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