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15.09.2012

18:26 Uhr

Konsumgüter

Wenn die Margen langsam bröckeln

VonChristoph Kapalschinski

Die Konsumgüter-Branche spart gegen steigende Rohstoffkosten an. Doch die zunehmende lokale Konkurrenz in den Wachstumsmärkten erfordert mehr Mut und neue Ideen. Chancen sehen die Unternehmen in Afrika.

Sparkurs bei Henkel: Im Marketing um die Marke Persil hat der Konzern eine ganze Führungsebene gestrichen. dpa

Sparkurs bei Henkel: Im Marketing um die Marke Persil hat der Konzern eine ganze Führungsebene gestrichen.

DüsseldorfNestlé baut eine neue Fabrik in Zentralafrika, Carlsberg profitiert als Sponsor der Fußball-Europameisterschaft, L'Oréal bringt verbesserte Cremes: Die Weltkonzerne der Konsumgüterbranche sorgen auch in schwierigen Zeiten für positive Nachrichten. Daher gelten sie als robuste Anlage in der Krise. Tatsächlich wächst die Branche konstant. Doch im langjährigen Vergleich wird klar: Die Margen geraten unter Druck - und die Konkurrenz in den Zukunftsmärkten wächst.

Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung OC & C, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Demnach hat die durchschnittliche Umsatzrendite der jeweils 50 größten Konsumgüterkonzerne weltweit im Jahr 2007 mit 17,6 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem nimmt sie langsam, aber beständig ab - auf 15,8 Prozent im vergangenen Jahr.

Hauptursache sind steigende Rohstoffpreise. Hinzu kommt aber auch der Wettbewerb um die Kunden in den Schwellenländern, den immer öfter lokale Anbieter für sich entscheiden. Der Effekt der höheren Preise zeigt sich am eindrucksvollsten bei der Umsatzentwicklung: Organisch - also ohne Zukäufe - verdoppelte sich das Umsatzwachstum 2011 auf sechs Prozent. Die Mengen blieben jedoch fast gleich: Die Konzerne versuchten also, über höhere Verkaufspreise die Preissteigerungen bei den Rohstoffen auszugleichen.

Diese stiegen im vergangenen Jahr um 23 Prozent, nachdem es im Vorjahr schon 18 Prozent plus waren. Das drückte die Gewinne der Konsumgüterkonzerne: Um 1,4 Prozentpunkte sank die Bruttomarge branchenweit im Jahr 2011. Einen Prozentpunkt machten die Konzerne jedoch durch Einsparungen in der Verwaltung wett, weitere 0,2 Prozentpunkte bei sonstigen Sparpotenzialen. Daher sank die Umsatzrendite unter dem Strich nur um 0,2 Prozent auf 15,8 Prozent insgesamt.

Die größten Bierbrauer weltweit

Platz 10

BGI / Groupe Castel (Frankreich)

Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.

Ausstoß (Mio. hl): 29,8

*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2015

Platz 9

Kirin (Japan)

Die Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.

Ausstoß (Mio. hl): 43,1

Platz 8

Beijing Yanjing Beer Company (China)

Yanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.

Ausstoß (Mio. hl): 48,3

Platz 7

Molson-Coors (USA/Kanada)

Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.

Ausstoß (Mio. hl): 58,1

Platz 6

Tsingtao Brewery (China)

Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.

Ausstoß (Mio. hl): 70,5

Platz 5

China Resource Brewery (China)

Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.

Ausstoß (Mio. hl): 117,4

Platz 4

Carlsberg (Dänemark)

Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.

Ausstoß (Mio. hl): 120,3

Platz 3

Heineken (Niederlande)

Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.

Ausstoß (Mio. hl): 188,3

Platz 2

SAB Miller (Vereinigtes Königreich)

Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt.

Ausstoß (Mio. hl): 191,3

Platz 1

Anheuser-Busch Inbev NV/ SA (Belgien)

Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil sogar weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's.

Ausstoß (Mio. Hektoliter): 409,9

Wie solche Sparprogramme aussehen, hat in Deutschland Henkel gezeigt. Der Dax-Konzern ist der einzig verbliebene deutsche Vertreter unter den Top-50, nachdem der stagnierende Nivea-Produzent Beiersdorf erstmals von anderen Branchenriesen aus dem Ranking verdrängt worden ist. Henkel hat im Marketing des Waschmittelbereichs um die Marke Persil eine ganze Führungsebene gestrichen und dazu zentrale Funktionen in Service in Billiglohnländer verlagert.

Kommentare (1)

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16.09.2012, 22:44 Uhr

Henkel hat eine Führungsebene im Bereich Persil gestrichen und zentrale Funktionen in Billiglohnländer verlagert:das ist aus meiner Sicht keine positive Meldung. Wo bleibt die Innovation? Streichen kann doch jeder, das ist nicht besonders clever.

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