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25.09.2014

06:16 Uhr

Konsumgüterhersteller

Henkel, Nestlé & Co. sind bedroht

VonLisa Hegemann

ExklusivEine Studie zeigt: Noch sind die etablierten Konsumgüterhersteller ihren Konkurrenten aus Asien und Lateinamerika überlegen. Doch ihr Wachstum stagniert nahezu. Die Konkurrenz holt rasant auf.

Der Dax-Konzern Henkel ist der einzige deutsche Vertreter unter den 50 umsatzstärksten Konsumgüterherstellern der Welt. dpa

Der Dax-Konzern Henkel ist der einzige deutsche Vertreter unter den 50 umsatzstärksten Konsumgüterherstellern der Welt.

DüsseldorfAuf den ersten Blick bleibt der Konsum in westlicher Hand: Mit Coca Cola, Unilever oder AB Inbev stellen Europa und die USA weiterhin die umsatzstärksten Unternehmen in der Konsumgüterbranche. Allein die Nummer Eins, der Schweizer Lebensmittelhersteller Nestlé, machte mit seinen Produkten einen Umsatz von fast 100 Milliarden US-Dollar. Auch der gesamte Umsatz in der Konsumgüterindustrie steigt weiter. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens OC&C Strategy, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Doch das hilft der Branche wenig. Denn wer das Umsatzwachstum mit den Zahlen des vergangenen Jahres vergleicht, stellt fest: Mit 2,9 Prozent hat sich das Plus binnen zwölf Monate fast halbiert. Und für die internationalen Großkonzerne kommt noch ein weiterer negativer Aspekt hinzu: die Konkurrenz aus den aufstrebenden Märkten.

Noch kommt keiner an den USA vorbei: Insgesamt 20 der 50 Top-Unternehmen – also fast die Hälfte – kommen aus den Vereinigten Staaten. Auch die Europäer sind mit Größen wie der Brauerei AB Inbev, dem Kosmetikgigant L’Oréal oder dem Tabakkonzern British American Tobacco gut vertreten. Deutschland stellt mit dem Dax-Konzern Henkel immerhin einen der 50 umsatzstärksten Konsumgüterhersteller.

Die zehn umsatzstärksten Konsumgüterhersteller

Hintergrund

Die Unternehmensberatung OC&C hat die Top-50-Konsumgüterhersteller untersucht. Nur ein deutsches Unternehmen schaffte es in das Ranking.

Platz 42 – Henkel

Heimatland: Deutschland
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 10.7 Milliarden US-Dollar (8,34 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 14,0 Prozent

Platz 10 – Tyson Foods

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 34.4 Milliarden US-Dollar (26,81 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 3,9 Prozent

Platz 9 – Archer Daniels Midland

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 34.9 Milliarden US-Dollar (27,2 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 2,6 Prozent

Platz 8 – Mondelez

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 35.3 Milliarden US-Dollar (27,52 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,8 Prozent

Platz 7 – JBS

Heimatland: Brasilien
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 41.2 Milliarden US-Dollar (32,12 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 4,3 Prozent

Platz 6 – AB InBev

Heimatland: Belgien
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 43.2 Milliarden US-Dollar (33,67 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 48,0 Prozent

Platz 5 – Coca Cola

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 46.9 Milliarden US-Dollar (36,56 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 24,3 Prozent

Platz 4 – Unilever

Heimatland: Grobritannien/Niederlande
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 66.1 Milliarden US-Dollar (51,52 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,1 Prozent

Platz 3 – Pepsi

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 66.4 Milliarden US-Dollar (51,76 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 14,6 Prozent

Platz 2 – Procter & Gamble

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel2013: 84.2 Milliarden US-Dollar (65,63 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 18,3 Prozent

Platz 1 – Nestlé

.Heimatland: Schweiz
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 99.5 Milliarden US-Dollar (77,56 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,6 Prozent

Doch im Gegensatz zu der Konkurrenz aus Brasilien oder China wachsen die etablierten Namen nur noch geringfügig. Während die US-Konzerne 2012 ein Plus von rund sieben Prozent erzielten, waren es 2013 gerade einmal 2,8 Prozent. Europa stagnierte bei einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Der Grund: Die Unternehmen setzen klarere Schwerpunkte. „Wir sehen durch die Bank weg den Trend zur Fokussierung auf Kernprodukte und Kernleistungen“, sagt Ludwig Voll, OC&C-Partner und Mitautor der Studie. Als Beispiel dafür nennt er den US-Riesen Procter & Gamble. Das Unternehmen will sein Markenportfolio deutlich reduzieren. Das stärke zwar das Kerngeschäft, senke aber das gesamte Wachstum, sagt Voll.

Trotz der niedrigen Zinsen investieren die Unternehmen auch weniger in Übernahmen. Gerade einmal 20 Milliarden US-Dollar haben sie in den Kauf anderer Firmen gesteckt – so wenig wie zuletzt vor zehn Jahren. Lediglich Coca Cola stemmt sich gegen diesen Trend und war an fünf der 20 größten Übernahmen im vergangenen Jahr beteiligt. Auch 2014 war der US-Konzern bereits aktiv und hat im Februar für rund zwei Milliarden Dollar Anteile am Konkurrenten Monster Beverage erworben.

Dabei ist es nicht so, dass sich die Unternehmen gegen Übernahmen stellen. Ganz im Gegenteil: Der Dax-Konzern Henkel suchte 2013 beispielsweise konkret nach möglichen Akquise-Möglichkeiten. Doch: „Henkel geht es nicht darum, irgendeine neue Marke oder irgendeine neue Aktivität zu generieren, sondern eine Firma, die zu dem Fokus auf Kosmetik, Waschmittel und Klebstoffe passt“, so Voll. Damit fokussiere man sich auf die Bereiche, die nachhaltig seien. Dieser Trend zeige sich auch daran, dass Gewinnmargen wichtiger geworden seien als der Umsatz.

Immerhin verbucht Henkel mittlerweile erste Erfolge: Erst im September gab der Dax-Konzern bekannt, den US-Konkurrenten Bergquist zu übernehmen. Bis 2016 soll der Umsatz des Konzerns durch die neuen Akquisitionen auf rund 20 Milliarden Euro steigen.

Kommentare (5)

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Klaus Denk

25.09.2014, 08:47 Uhr

Nestle Umsatz eine Billion Dollar ? Scheint ganz schön hoch...über welchen Zeitraum denn ?

Herr Heinz Klein

25.09.2014, 09:00 Uhr

2013 waren es wohl 92 Milliarden CHF. Selbst bei Umrechnung in Dollar wird da nicht eine Billion draus...

Herr wulff baer

25.09.2014, 09:02 Uhr

Auslaufmodell Europa.
Kein Wunder bei dem zu teuren Euro und den nicht wettbewerbsfähigen ClubMed-Staaten.
Industriearbeiterstunde in China 1,50 € und bei uns 30 €.

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