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24.01.2005

15:21 Uhr

Konzentration der Sponsoring-Gelder

T-Mobile setzt auf Radsport und Fußball

VonMarc Renner

Auch am Sportsponsoring-Budget von T-Mobile geht das erst in der vergangenen Woche vorgelegte Milliarden-Sparprogramm der Konzernmutter Deutsche Telekom nicht spurlos vorbei. Nach dem Motto „weniger ist mehr" konzentriert das Mobilfunkunternehmen seine bislang breiter gestreuten Zuwendungen und unterstützt in Zukunft nur noch zwei Sportarten: Radsport und Fußball.

Olaf Ludwig hat nach der Verlängerung des Sponsorenvertrags durch T-Mobile bis 2008 Planungssicherheit. Foto: dpa

Olaf Ludwig hat nach der Verlängerung des Sponsorenvertrags durch T-Mobile bis 2008 Planungssicherheit. Foto: dpa

BONN. Im Zuge dieser Entscheidung verlängerte T-Mobile sein bis 2006 datiertes Engagement als Hauptsponsor des gleichnamigen Radsportteams vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2008. Das gab das Unternehmen am Montag in Bonn bekannt.

Die Telekom-Tochter setzte damit Spekulationen um einen möglichen Ausstieg bei der derzeit erfolgreichsten deutschen Radsportmannschaft ein Ende. Was der neue Vertrag in Zahlen für die Pedalenritter bedeutet, wollte Martin Knauer, Marketing-Chef von T-Mobile Deutschland, im Gespräch mit Handelsblatt.com nicht sagen. Nur so viel: „Das Budget wird in etwa stabil bleiben: Wir investieren jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag in das Team.“ 2005 sind es Schätzungen von Branchenbeobachtern zufolge 11 Mill. Euro pro Jahr – und damit deutlich mehr als die umgerechnet 9,2 Mill. Euro, die etwa Discovery Channel dem Team von Tour-Seriensieger Lance Armstrong zur Verfügung stellt, oder die rund 4,5 Mill. Euro, die Gerolsteiner sich das zweitstärkste deutsche Radsportteam kosten lässt.

Auch der Sportliche Leiter und zukünftige Manager des Teams T-Mobile, Olaf Ludwig, wollte keine Details zu den Konditionen des neuen Vertrags mit dem Mobilfunkunternehmen nennen. „Gehen sie davon aus, dass das Budget den Anforderungen angepasst wurde“, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com mit Blick auf den wegen zusätzlicher Belastungen durch die Einführung der Premium-Rennserie „ProTour“ von 25 auf 27 Fahrer angewachsenen T-Mobile-Kader dann aber doch noch – und deutet damit im Gegensatz zu Knauer zumindest an, dass das Mobilfunkunternehmen noch einmal etwas drauf gelegt hat.

Was vom Team angesichts der neuen Planungssicherheit mit Erleichterung aufgenommen wurde, stand für T-Mobile-Manager Knauer nach eigener Aussage trotz der Sparbemühungen im Unternehmen eigentlich nie in Frage. „Das Team T-Mobile und seine Radfahrer stehen für Professionalität und Leidenschaft, für Individualität und Teamgeist – Attribute, mit denen wir uns bei T-Mobile identifizieren und die unsere Entscheidung für das Sportsponsoring bestätigen“, sagte Knauer im Gespräch mit Handelsblatt.com. Bekanntheit und Akzeptanz der Marke hätten nachprüfbar profitiert. Das Unternehmen sehe das Radsport-Engagement, das die Konzernmutter Deutsche Telekom 1991 unter dem Namen Team Telekom begann, sogar als Kern seiner Sportsponsoring-Aktivitäten.

Die Entscheidung für die Verlängerung des Vertrages darf – so wie es die Verantwortlichen auch wollen – getrost als Zeichen für ein langfristiges Engagement von T-Mobile im Radsport verstanden werden. Denn auch das Sportsponsoring muss den Sparzwängen im Konzern Tribut zollen. Dabei haben sich die Verantwortlichen gegen eine prozentuale Kürzung in allen Bereich und für eine Schwerpunktsetzung entschieden. „Wir werden uns in Zukunft auf die Themen Fußball und Radsport konzentrieren“, kündigte Knauer an. Während die Straßenradrennfahrer also Teil des erlauchten Zirkels bleiben, die auch weiterhin Sponsoringgelder aus Bonn bekommen, sind Leidtragende unter anderem die Mountain-Biker. „In diesem Bereich werden wir unser Engagement Ende 2005 auslaufen lassen.“ Aus dem Skisprung-Sport hatte sich T-Mobile bereits nach der vergangenen Saison zurückgezogen.

Auch wenn Knauer auch für den Fußball-Bereich keine Zahlen nennen wollte: Der Bärenanteil des Sponsoring-Budgets von T-Mobile fließt trotz der „Liebeserklärung“ des Marketingverantwortlichen an das Radsportteam weiterhin in den Fußball. Rund 3 Mill. Euro pro Jahr ist es T-Mobile nach Expertenangaben wert, dass sich Österreichs Fußball-Bundesliga als T-Mobile-Bundesliga präsentiert. Auf die Konten des Deutschen Fußball-Meisters FC Bayern überweisen die Bonner gemeinsam mit der Mutter Deutsche Telekom jährlich bis zu 20 Mill. Euro. Die Rolle als Fifa-Hauptsponsor bei der Fußball-WM 2006 lässt sich der Telekom-Konzern rund 40 Mill. Euro kosten – T-Mobile spielt bei beiden Engagements eine Hauptrolle.

Den Radsportlern dürfte es relativ gleichgültig sein, dass sie so gesehen nur die „zweite Geige“ spielen. Denn für sie ist vor allem wichtig: Die Vertragsverlängerung mit T-Mobile verschafft allen Beteiligten nun endgültig die erhoffte Planungssicherheit. „Bis 2006 laufen 21 von 27 Verträgen aus. Diese Fahrer wollen wissen, wie es weiter geht“, erklärte Olaf Ludwig erleichtert.

Nicht minder bedeutsam war die Zusage des Sponsors für Ludwig selbst: Weil der ehemalige Radprofi im kommenden Jahr Walter Godefroot als Chef des Teams T-Mobile beerben wird, ist er bei der Gründung der eigenen Olaf Ludwig Cycling (OLC) GmbH in Aachen, die zukünftige Trägergesellschaft für das Radsportteam, in finanzielle Vorleistung getreten. „Für uns ist das ein wichtiges Signal und ein Zeichen dafür, dass wir uns langfristig in der Weltspitze etablieren werden“, glaubt der Ex-Profi. Angesichts des Anfang 2006 bevorstehenden Wechsels im Teammanagement sieht er in der frühzeitigen Verlängerung des Vertrages auch einen Vertrauensvorschuss für sich persönlich. „Der aktuelle Vertrag lief noch bis 2006, grundsätzlich gab es also eigentlich gar keinen Handlungsbedarf.“ Die Gespräche seien nicht schwierig gewesen. „Wir waren uns schnell einig.“

Ludwig darf sich aber nicht nur über die Verlängerung des Vertrags mit dem Hauptsponsor, sondern auch über einen neuen Co-Sponsor freuen: In Zukunft wirbt Freemove, die Mobilfunkallianz von T-Mobile, Orange (Frankreich), TIM (Italien) und TEM (Spanien), auf Rennkleidung und Teamfahrzeugen des Teams T-Mobile. Mit dem Engagement will das Gemeinschaftsunternehmen vor allem seinen Bekanntheitsgrad erhöhen.

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