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04.09.2013

13:53 Uhr

Konzernumbau

Karstadt ist noch nicht über dem Berg

Karstadt beginnt die Früchte des Umbaus zu ernten. Der Warenhauskonzern konnte seinen Umsatz im August um 5,6 Prozent steigern. Doch der scheidende Chef Andrew Jennings ist skeptisch.

Andrew Jennings, der Karstadt-Chef, wird das Warenhaus Ende des Jahres verlassen. Er sieht den Konzern auf einem guten Weg. Aber Karstadt sei noch lange nicht über dem Berg. dpa

Andrew Jennings, der Karstadt-Chef, wird das Warenhaus Ende des Jahres verlassen. Er sieht den Konzern auf einem guten Weg. Aber Karstadt sei noch lange nicht über dem Berg.

DüsseldorfDer Warenhausriese Karstadt ist nach Ansicht seines scheidenden Chefs Andrew Jennings noch nicht über den Berg. Die Wegstrecke, die Karstadt vor sich habe, sei „weiter herausfordernd“, bilanzierte Jennings, der den Konzern zum Jahresende verlässt, am Mittwoch. Karstadt beginne aber, erste Früchte des nach der Pleite und der Übernahme durch den Milliardär Nicolas Berggruen begonnenen Umbaus zu ernten. Der Konzern habe einen „starken Umsatztrend“ im August verzeichnet.

Karstadt habe im vergangenen Monat seinen bereinigten Umsatz um rund 5,6 Prozent gesteigert, hieß es dazu in Konzernkreisen. Das Geschäft müsse nun profitabel gemacht werden. Absolute Zahlen zu Umsatz und Ertrag wurden nicht bekannt. Karstadt liegt zudem mit einem Zuwachs im August im Trend – auch der Handelsverband HDE hatte für den vergangenen Monat von einer verbesserten Geschäftslage berichtet.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

„Wir starten mit leichtem Rückenwind in diesen Herbst, nachdem wir es zwölf Monate mit starkem Gegenwind zu tun hatten“, sagte Jennigs zum Start der Herbstkampange, mit der Karstadt neue Kunden anlocken will. Der Kaufhof -Konkurrent habe in die Modernisierung von Warenhäusern investiert. In diesem Jahr seien mehrere Millionen Euro in den Umbau von zwölf Filialen geflossen. Konkrete Summen nannte der Konzern aber auch hier nicht. Arbeitnehmervertreter hatten Karstadt-Eigner Berggruen in der Vergangenheit dazu aufgerufen, selbst in die Modernisierung des Konzerns zu investieren. Der aktuelle Umbau wird nach Karstadt-Angaben aus dem Cash-Flow finanziert, also aus eigenen Mitteln.

„Wir begrüßen jede Maßnahme, die zur Zukunftssicherung des Unternehmens beiträgt“, erklärte Rüdiger Wolff, Mitglied der ver.di-Verhandlungsführung der Karstadt-Bundestarifkommission. „Dies ändert jedoch nichts an unserer Position, dass der Eigentümer weiterhin gefordert ist, sich mit eigenen Mitteln an dringend nötigen Investitionen zu beteiligen.“

Der Umbau ist Teil der Strategie „Karstadt 2015“ die Wachstum bringen soll – doch beim Warenhausriesen kam es auch zum Abbau von 2000 Stellen. Zudem hatte Karstadt einen Ausstieg aus der Tarifbindung verkündet und die Gewerkschaft Verdi gegen sich aufgebracht.

Beide Seiten stehen nun aber wieder im Dialog. Für den 23. und 24. September seien Gespräche zwischen Verdi und Karstadt vereinbart worden, sagte eine Verdi-Sprecherin. Ziel der Gewerkschaft sei dabei eine Rückkehr des Warenhausriesen zum Flächentarifvertrag und die Sicherung der Standorte. Arbeitnehmer und Management hatten sich zuvor für „gemeinschaftlich erarbeitete Lösungen“ ausgesprochen.

Von

rtr

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