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10.09.2013

14:38 Uhr

Konzernumbau

Siemens plant Stellenabbau in der Bahnsparte

Siemens will jetzt auch in der kriselnden Bahnsparte massiv Stellen streichen. Der Abbau der Arbeitsplätze ist Teil eines langgeplanten Umbauprogramms. Mehr als zehn Prozent der Jobs sollen wegfallen.

Der Stellenabbau war bereits lange geplant und noch von Ex-Siemens-Chef Peter Löscher auf den Weg gebracht worden. dpa

Der Stellenabbau war bereits lange geplant und noch von Ex-Siemens-Chef Peter Löscher auf den Weg gebracht worden.

MünchenSiemens will in seiner kriselnden Bahnsparte mehr als zehn Prozent der rund 6000 Arbeitsplätze abbauen. Bundesweit sei der Wegfall von 700 Arbeitsplätzen geplant, sagte der Sprecher der IG Metall Bayern Hagen Reimer am Dienstag. Am Standort Erlangen sei die Streichung von 340 Stellen bereits mit dem Betriebsrat vereinbart, an anderen Standorten werde noch verhandelt.

Reimer bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstag). Reimer zufolge ist der Stellenabbau Teil des Umbauprogramms, das noch von Ex-Siemens-Chef Peter Löscher auf den Weg gebracht worden war. „Deshalb war uns der Stellenabbau seit etlichen Monaten bekannt, trotzdem ist er natürlich unerfreulich“, äußerte sich Reimer. Ein Siemens-Sprecher wollte den Bericht zwar nicht kommentieren, sagte aber, er gehe in die richtige Richtung. Die Informationen seien gut recherchiert und stammten aus internen Unterlagen.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Bislang ist lediglich bekannt, dass der Dax-Konzern bis 2014 Kosten von 6,3 Milliarden Euro einsparen will, um wieder zurück in die Spur zu kommen. Bereits seit längerem wird darüber spekuliert, dass über 10.000 Stellen bedroht sein könnten. Der neue Vorstandschef Joe Kaeser hatte zuletzt angekündigt, dass er sich das Programm „Siemens 2014“ anschauen und im Herbst präzisieren werde.

Die Bahnsparte war unter anderem wegen Lieferproblemen bei Hochgeschwindigkeitszügen in die Verlustzone gerutscht. Nach Angaben des Gewerkschafts-Sprechers hat Siemens den jetzt vom Jobabbau betroffenen Mitarbeitern attraktive Bedingungen für Vertragsauflösungen geboten. Ein Teil der Stellenstreichungen werde über natürliche Fluktuation erfolgen. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden.

Von

dpa

Kommentare (5)

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WOODWOOD

10.09.2013, 15:42 Uhr

sehr kreativ! vielleicht sollte Siemens die Leute lieber einsetzen, um die ICE's fertig zu kriegen???

Boris

10.09.2013, 15:50 Uhr

Hier müssen die kleinen Angestellten wieder mal die Suppe auslöffeln, die die oberen Herren eingebrockt haben.
Wenn man sich um Aufträge bemüht sollte man auch realistisch planen. Dann zahlt man nicht drauf und muss Sparprogramme auflegen.

Account gelöscht!

10.09.2013, 16:26 Uhr

Siemens wird die Mitarbeiter entlassen und dann die Stellen durch Leiharbeiter besetzen. Bei der Fa. Alstom in Salzgitter z.B. beträgt die Stammbelegschaft nur 50%. Die andere Hälfte sind Leiharbeiter! So viel zum Thema Beschäftigungs- und Arbeitspolitik in Deutschland.

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