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03.07.2012

10:35 Uhr

Kooperation

Air France und Etihad planen neuen Luftfahrtriesen

VonLukas Bay

Air France und Etihad schmieden angeblich an einem Gemeinschaftsunternehmen, um die europäische Konkurrenz in die Zange zu nehmen. Die deutsche Air Berlin soll in den Plänen eine zentrale Rolle spielen.

Ready for takeoff: Air France und Etihad planen ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen. AFP

Ready for takeoff: Air France und Etihad planen ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen.

Düsseldorf/ParisSchlechte Nachrichten für die Lufthansa: Deutschlands größte Airline soll schon bald von zwei großen Konkurrenten in die Zange genommen werden. Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ meldet, dass Air France und Etihad aus Abu Dhabi bereits im Herbst ein Gemeinschaftsunternehmen nach dem Vorbild des Transatlantik-Joint-Ventures mit Delta Airlines an den Start bringen wollen.

Unter dem neuen Chef Alexander Juniac hatte Air France-KLM bereits im März den Widerstand gegen die Expansionspläne arabischer Fluggesellschaften in Europa aufgegeben und Verhandlungen über ein Codeshare-Abkommen mit Etihad vorangetrieben. Doch die Kooperation geht offenbar deutlich weiter.

„Ein minimale Zusammenarbeit zwischen Paris und Abu Dhabi wäre nicht wirklich interessant“, zitiert die Zeitung ein Vorstandsmitglied von Air France. Eine zentrale Rolle in den Plänen der beiden Branchenriesen sollen Air Berlin und die italienische Alitalia spielen. Vor einigen Monaten hatten die Araber 30 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft übernommen. Alitalia ist zu 25 Prozent im Besitz von Air France.

Beide Airlines könnten von dem Bündnis profitieren. Durch ihre Präsenz an verschiedenen Airports könnten sie einen „Luftkorridor“ schaffen, der als Drehkreuz für Anschlüsse nach Asien genutzt werden könnte. Air France nimmt damit Lufthansa und British Airways in die Zange. Etihad wiederum erhöht den Druck auf den großen Konkurrenten Emirates. Zusammen mit den Strecken und Ressourcen der Partnerunternehmen Air Berlin und Alitalia könnte ein mächtiger Luftfahrtriese entstehen.

Vor allem für Etihad rückt damit ein strategisches Ziel immer näher: Die Araber könnten die Präsenz an Europas großen Knotenpunkten wie Paris und Amsterdam ausbauen. Air France erhofft sich dagegen massive Einsparpotenziale. Und sparen müssen die Franzosen dringend: Im vergangenen Jahr hatte Air France einen Verlust von mehr als 800 Millionen Euro eingeflogen. Durch das neue Gemeinschaftsunternehmen könnten verlustbringende Ziele in Osteuropa künftig von Air Berlin angeflogen werden.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Doch ein Problem des neuen Bündnisses zeichnet sich bereits ab: Erst im März ist Air Berlin der Luftfahrt-Allianz Oneworld beigetreten, zu der auch British Airways zählt. Air France-KLM und Alitalia gehören dagegen dem konkurrierenden Bündnis Skyteam an. Eines der Bündnisse wird wichtige Partner verlieren, wenn das Gemeinschaftsunternehmen kommt.

Kommentare (4)

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Charly

03.07.2012, 11:02 Uhr

Gewisse Ähnlichkeiten mit der EUdSSR sind unverkennbar.
Die Pleiteairlines tun sich zusammen und bilden eine SuperPleiteAirline.

Harlemjump

03.07.2012, 11:10 Uhr


so ein Quatsch!

Ethihad geht es "gold", wie allen Airlines aus den Emiraten.

Sven

03.07.2012, 11:12 Uhr

eine Allianz der Schwachen und Siechenden... das ist ganz normaler Verdrängungswettbewerb.. ich schätze die Lufthansa ist solider aufgestellt und braucht daher gar nichts zu fürchten

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