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29.06.2012

15:17 Uhr

Kooperation

BMW und Toyota schmieden Zukunftsallianz

Deutschlands führender Premiumhersteller BMW verbündet sich mit Toyota, einem der weltweit führenden Massenhersteller. Die neue Allianz soll den Antrieb der Zukunft entwickeln - und einen neuen Sportwagen.

Toyota-Präsident Akio Toyoda (links) und BMW- Konzernchef Norbert Reithofer wollen enger kooperieren. dpa

Toyota-Präsident Akio Toyoda (links) und BMW- Konzernchef Norbert Reithofer wollen enger kooperieren.

MünchenSportwagen, Leichtbau, alternative Antriebe - die Autobauer BMW und Toyota wollen künftig noch enger zusammenarbeiten als erwartet. BMW-Chef Norbert Reithofer und Toyota-Präsident Akio Toyoda unterzeichneten am Freitag in München eine Absichtserklärung, wonach der kleine Oberklasse-Konzern und der große Massenhersteller langfristig auf vier Feldern zusammenarbeiten wollen: Gemeinsam wollen sie einen Öko-Sportwagen und weitere umweltfreundliche Fahrzeuge entwickeln, bei Brennstoffzellen und Elektroantrieben kooperieren sowie beim Leichtbau, der für das verbrauchs- und schadstoffarme Fahren der Zukunft wichtig ist, miteinander forschen. "Gemeinsam werden wir in unserer Branche Maßstäbe setzen", sagte Reithofer.

Weil die Entwicklung neuer Fahrzeuge und umweltverträglicher Technologien Milliarden verschlingt, sind Zweckbündnisse in der Autoindustrie rund um den Globus inzwischen an der Tagesordnung. So können vor allem kleine Hersteller wie BMW die schnell ausufernden Kosten im Griff behalten. Große Autoimperien wie etwa VW verschaffen sich diese Vorteile hausintern. Der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller Daimler hat sich mit Renault und Nissan verbündet. Beim bisher engsten BMW-Partner PSA Peugeot Citroen ist der US-Konzern GM eingestiegen und hat jetzt das Sagen.

Auf die Frage, ob das engere und längere Bündnis mit Toyota auch eine Reaktion darauf sei, antwortete BMW-Chef Reithofer: "Nein, wir hatten keinen Druck. Wir kommen beide aus einer Position der Stärke." Der Toyota-Präsident betonte: "Wir kommen nicht zusammen, um größer zu werden." Es gehe darum, noch bessere Autos zu produzieren. Mithilfe der Kooperation wollen beide Partner auch künftig in ihren jeweiligen Segmenten führend bei Innovationen bleiben, gerade beim Thema Umweltverträglichkeit.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

BMW ist weltweit der größte Hersteller von Oberklasse-Fahrzeugen und gilt als Vorreiter bei effizienten Verbrennungsmotoren. Der Toyota-Konzern, der sich nach dem vergangenen Katastrophenjahr in Japan zurück an die Weltspitze gekämpft hat, ist vor allem mit seinem Prius führend bei Hybridautos. Auf diesem Feld können die Münchner von den Japanern dazulernen, die wiederum bei der Leichtbautechnik profitieren können. Denn BMW ist am einzigen europäischen Carbonfaser-Hersteller SGL beteiligt und wird darum in der Branche beneidet. Bei den für 2013 und 2014 geplanten Elektroautos i3 und i8 setzt der Oberklasse-Hersteller auf das leichte, aber im Moment noch sehr teure Material. Toyota hat mit dem Lexus LFA den Prototypen eines Sportwagens am Start, dessen Karosserie weitgehend aus Carbonfasern besteht.
Eine Zusammenarbeit auf diesem Feld dürfte Toyoda auch aufgrund eigener Erfahrungen auf dem Nürburgring am Herzen liegen. Ein Auto überhole ihn dort immer, berichtete der Konzernlenker. "Es ist ein BMW." Er fügte hinzu: "Die Stärke von BMW liegt nach meiner Überzeugung in der Entwicklung von Sportwagen." Er erwarte voller Vorfreude, welche Autos gemeinsam entwickelt würden. Zunächst soll über einen Öko-Sportwagen gesprochen werden, der - einen Entwicklungsvorlauf von etwa sieben Jahren vorausgesetzt - gegen Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen könnte.

Kommentare (2)

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wfd

29.06.2012, 14:09 Uhr

Ich glaub nicht, dass es was gibt. Toyota-san hat ein Anspruchsdenken basierend auf japanischem Hierarchiedenken wie Dtl. vor 50 Jahren. Aber lassen wir uns ueberraschen. Ganbatte ne!!


Marktbeobachter

29.06.2012, 18:01 Uhr

Ist BMW mit zuletzt einem Umsatz von 68 Mrd. € (2011) wirklich ein kleiner Oberklasse-Konzern, wie es im Bericht heißt? VW schafft mit seinen Einkäufen und Konsolidierung und 8,3 Mio. Fahrzeugen ja auch nur ca. 150 Mrd. €. Masse ist doch nicht gleich Klasse.

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