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17.06.2014

19:01 Uhr

Kooperation gescheitert

China verhindert Allianz der Containerriesen

Sie wollten gemeinsam durch die Krise steuern, doch diesen Plan müssen große Containerschiff-Reedereien nun begraben. Maersk-Aktien brechen ein. Das Verbot aus China trifft auch den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven.

Gemeinsame Kapazitäten nutzen? Nein, sagen die Chinesen und verweigern den großen Reedereien wie Maersk, hier mit Containerschiff Mary Maersk im Hafen von Qingdao, eine Allianz. dpa

Gemeinsame Kapazitäten nutzen? Nein, sagen die Chinesen und verweigern den großen Reedereien wie Maersk, hier mit Containerschiff Mary Maersk im Hafen von Qingdao, eine Allianz.

KopenhagenChina hat den drei weltgrößten Containerschiff-Reedereien überraschend die Bildung einer Allianz untersagt. Der dänische Weltmarktführer Maersk erklärte am Dienstag, das chinesische Handelsministerium habe seine Zustimmung zu der geplanten Kooperation verweigert. Maersk wollte mit der in der Schweiz ansässigen MSC Mediterranean Shipping Company und CMA CGM aus Frankreich Ladekapazitäten gemeinsam nutzen, um erfolgreich durch die Branchenkrise mit sinkenden Frachtpreisen und hohen Überkapazitäten zu kommen. Dies bekam auch die Reederei des Mischkonzerns Oetker zu spüren.

Die geplante Allianz der drei weltweit führenden Schifffahrtsunternehmen ist überraschend geplatzt. Das chinesische Handelsministerium habe seine Zustimmung zu dem geplanten Netzwerk verweigert, teilte die Reederei Maersk am Dienstag in Kopenhagen mit. Es entspreche nicht den Regeln der chinesischen Fusionskontrolle. Damit würden die Partner das Projekt nicht weiterverfolgen; die Vorbereitungsarbeiten seien gestoppt.

Neben Maersk wollten sich die französische Linie CMA CGM und die schweizerische MSC an der P3-Allianz beteiligen. Sie hatten vor einem Jahr ihre Absicht verkündet, Containertransporte in der Ost-West Richtung aufeinander abzustimmen. Das ist unterhalb der Schwelle einer Fusion; es ging um die gemeinsame Planung von Schiffen und Linien. Ziel des Plans war es, ein effizienteres Netzwerk zu bilden und damit Kosten zu sparen.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Den Widerstand der chinesischen Seite führen Hamburger Schifffahrtsexperten auf eigene Interessen zurück. Die chinesischen Reedereien Cosco und China Shipping haben in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingefahren. Auf den Routen zwischen Europa und Asien hätten die P3-Partner einen Marktanteil von rund 40 Prozent erreicht und zusätzlichen Wettbewerbsdruck aufbauen können. Von dem Scheitern der Allianz könnte auch die deutsche Linienreederei Hapag-Lloyd profitieren, die nach der laufenden Fusion mit der chilenischen CSAV die Nummer vier unter den globalen Containerreedereien sein wird.

Erst vor zwei Wochen hatte die EU ihre Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert. „Die Entscheidung ist für uns eine Überraschung“, sagte Maersk-Chef Nils S. Andersen. Sein Unternehmen werde die angestrebten Verbesserungen für die Kunden nun ohne das P3-Netzwerk erreichen. Das Scheitern des Projektes habe keine Auswirkungen auf das Ergebnis der Reederei für 2014.

Der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven hofft nun auf eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. „Wir bedauern diese Entscheidung und werden daran arbeiten, andere Reedereien zu überzeugen“, sagte Geschäftsführer Andreas Bullwinkel. Es sei nun auch eine Zusammenarbeit mit den drei Reedereien einzeln denkbar. Deutschlands einziger Tiefwasserhafen hatte sich von dem Verbund eine deutliche Umschlagssteigerung erhofft. Dort blieben die Umschlagzahlen bislang deutlich unter den Erwartungen.

Die geschäftliche Bedeutung des „P3“ getauften Bündnisses signalisierte der Aktienkurs: Maersk-Titel fielen an der Kopenhagener Börse um mehr als fünf Prozent. „Das ist sehr negativ für Maersk. Sie können nun nicht mehr die geplanten Ersparnisse von rund eine Milliarde Dollar erzielen“, erklärte Analyst Jacob Pedersen von der Sydbank. Zusammen kontrollieren die Reedereien mit rund 250 Schiffen knapp 40 Prozent des weltweiten Containergeschäfts. Im März hatten die USA der Allianz grünes Licht gegeben, und auch die EU-Kommission sah keine Probleme.

Von

rtr

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