Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.05.2017

17:17 Uhr

Kosmetikindustrie

Make-Up-Boom dank Selfie-Wahn

VonKatharina Kort

Kosmetik boomt wie noch nie. Lippenstifte, Lidschatten & Co. bewegen jährlich 58 Milliarden Dollar. Vor allem die neue Generation will immer bereit für Selfies sein. Doch der Hype kann schnell zum Bumerang werden.

New York„Ich bin so aufgeregt”, kreischt die junge Frau mit dunklem Pferdeschwanz in die Kamera. Sie ist kurz davor, die Tricks für gold-bronzene rauchige Augen zu erklären. Die Dame heißt Jaclyn Hill und mehr als eine Millionen Menschen haben ihr jüngstes Video bereits auf Youtube gesehen. Hill gehört zu den vielen Online-Tutoren, die anderen Frauen zeigen, wie sie sich schminken sollen. Und sie sind voll im Trend.

Der Markt für Make-Up boomt. Vor allem die sozialen Medien treiben das Geschäft mit Grundierung, Lippenstiften und Maskara. Nach einer Studie der Marktforschung Euromonitor ist der Markt für so genannte Cover-Up-Kosmetik – also alle Produkte rund um die Augen, Make-Up, Lippenstifte und Nagellack – zwischen 2011 und 2016 um ein Drittel auf 58 Milliarden Dollar (53 Milliarden Euro) gestiegen.

„Das ist die Selfie Generation: Sie müssen immer bereit sein fürs nächste Selfie“, erklärt Fabrizio Freda, der Vorstandsvorsitzende des US-Kosmetikkonzerns Estee Lauder den Erfolg seiner Branche – und seines Unternehmens. Sie können sich heute „keinen schlechten Tag mehr leisten“, stellt Freda zu seiner Freude fest.

Das spiegelt sich auch in den Quartalszahlen wider, die Estee Lauder am Mittwoch veröffentlicht hat: Der Umsatz stieg fast zweistellig auf 2,9 Milliarden Dollar. Im vergangenen Geschäftsjahr hat das New Yorker Traditionsunternehmen mehr als elf Milliarden Dollar umgesetzt. Der Aktienkurs von Estee Lauder hat sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht.

„Ein Mädchen hat heute an einem Tag mehr Fotos von sich als ihre Mutter in ihrem Alter in einem Jahr hatte“, beschreibt er die Welt, in der er sich bewegt. Die jungen Frauen von heute wollten nicht in sechs Monaten sexy sein, wenn die Creme ihr Hautbild verbessert hat. „Sie wollen jetzt und sofort sexy sein“. In Produkten übersetzt heißt das: Sie müssen sofort wirken. Also mehr Make-Up, um Schwächen zu vertuschen als langfristige Hautpflege.

„Aussehen spielt heute eine absolut zentrale Rolle“, beobachtet auch die Fondmanagerin Scilla Huang Sun vom Julius Bär Luxury Brands Fund. Vor allem die jungen Menschen kauften viel Kosmetik, weil das ein erschwinglicher Luxus sei. Der Boom ist nach Ansicht der Luxus-Expertin noch nicht vorbei. „Es ist ein struktureller Trend, der noch anhalten wird“, ist die Sun überzeugt.

Estée Lauder: US-Kosmetikkonzern kauft hippe Make-up-Marke

Estée Lauder

US-Kosmetikkonzern kauft hippe Make-up-Marke

Der traditionsreiche US-Kosmetikkonzern Estée Lauder will junge Frauen erreichen und kauft die hippe Make-up-Marke Too Faced. Die Marke hat Millionen Nutzer auf Instagram und ist mit Make-up-Videos auf YouTube vertreten.

Vor allem in den USA und Großbritannien, aber auch in Deutschland und Frankreich wächst der Markt rasant. Welche Produkte besonders gut gehen, das bestimmen auch die sogenannten Filter, die die Menschen für ihre Bilder auf der Foto-Plattform Instagram benutzen, beobachtet Hannah Symons, Beauty and Personal Care Analyst von Euromonitor. „Die Filter heben starke Farben besonders hervor. Deshalb sind Lippenstifte und buschige Augenbrauen derzeit so angesagt“, erklärt Symons.

Lippenstifte waren im letzten Jahrzehnt eigentlich etwas aus der Mode gekommen. Stattdessen trugen Frauen wenn überhaupt eher Lip-Gloss, der die Lippen in natürlicheren Farben glänzen ließ. Jetzt sind Lippenstifte wieder in, weil sie gut auf Instagram-Bildern wirken. Allein der Markt für Lippenstifte ist innerhalb von fünf Jahren weltweit um 42 Prozent gestiegen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×