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04.01.2008

10:36 Uhr

Kostensteigerungen

Logistiker werden teurer

VonAxel Granzow

Die deutsche Wirtschaft wird für Logistik künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen: Der Transport- und Logistikbranche laufen die Kosten davon. Sie will daher die Preise erhöhen. Damit endet für die Kunden der Logistikbranche eine lange Phase nahezu stabiler Preise.

Die Unternehmen des Straßengüterverkehrs beklagen eine Kostenlawine. Foto: ap

Die Unternehmen des Straßengüterverkehrs beklagen eine Kostenlawine. Foto: ap

DÜSSELDORF. Zwei Drittel der von dem Hamburger Beratungsunternehmen SCI Verkehr befragten 200 Logistik-Manager erwarten bis Ende 2010 jährliche Kostensteigerungen zwischen fünf und zehn Prozent und wollen ihre Preise erhöhen. Erleichtert wird dies durch die im Zuge der guten konjunkturellen Entwicklung immer knapper werdenden Kapazitäten, sagt SCI-Chefin Maria Leenen. Damit endet für die Kunden der Logistikbranche eine lange Phase nahezu stabiler Preise.

Claus Korschinsky von der IKB Bank hält 2008 eine Preissteigerung für den Endkunden allein im Straßengüterverkehr von gut drei Prozent für wahrscheinlich. Dies wäre die höchste Steigerung seit 1990. Zwischen 1990 und 2008 lag sie bei 1,4 Prozent im Jahr. Korschinsky bestätigt in einem Branchenbericht der IKB, dass sich der Anstieg der Transportkosten im Straßengüterverkehr in den nächsten Jahren fortsetzen werde. Steigende Transportkosten würden den Konzentrationsprozess der Branche forcieren. Trotzdem bleibe die Branche aufgrund ihrer Struktur mittelständisch geprägt. Künftig würden verstärkt Finanzinvestoren und asiatische Unternehmen als Käufer auftreten.

Insbesondere die Unternehmen des Straßengüterverkehrs beklagten eine Kostenlawine, sagte SCI-Chefin Leenen. Sie hätten dabei nicht nur die vor kurzem beschlossene Erhöhung der Lkw-Maut in Deutschland und das neue europäische Fahrpersonalrecht im Auge, durch das mehr Personal für die Transporte benötigt werde. Auch die anziehende Konjunktur habe den Arbeitsmarkt für Fahrer über Nacht fast leergefegt. Gerechnet werde daher mit Lohnkostensteigerungen zwischen zwei und vier Prozent. Der Spediteursverband DSLV beziffert die Kosten durch die neuen EU-Sozialvorschriften auf 4,7 Mrd. Euro. Sie sehen eine Verkürzung des Arbeitszeitrahmens und die Veränderung der Lenk- und Ruhezeiten vor. So wird das Be- und Entladen den Fahrerlenkzeiten zugerechnet. Analysten schätzen, dass allein in Deutschland 50 000 neue Fahrer eingestellt werden müssen.

Auch bei den Bahnunternehmen sei angesichts der Tarifverhandlungen der Lokführer mit einer spürbaren Erhöhung der Personalkosten zu rechnen, sagte Leenen. Der Bahnstreik habe nach Auffassung der Logistikmanager der Schiene insgesamt geschadet. Immerhin wollen 20 Prozent der Befragten wegen des Streiks Ladung von der Schiene auf die Straße verlagern.

Einen weiteren Preistreiber sehen die Manager in den Energiekosten. Steigende Dieselpreise machen sich sofort in der Kostenrechnung der Transportunternehmen bemerkbar. Viele hätten sich zwar über spezielle Klauseln in den Transportverträgen abgesichert, die die Transportpreise an die Entwicklung des Dieselpreises koppeln. Ob dies aber ausreiche, sei fraglich, meinte Leenen.

Das Umsatzwachstum der Transport- und Logistikbranche werde sich 2008 auf fünf Prozent verlangsamen, erwartet die IKB. 2007 lag das Plus bei 5,5 Prozent. Dadurch stieg der Branchenumsatz auf 85 Mrd. Euro. Damit hat Deutschland den größten Logistikmarkt in Europa. Bis 2011 werde sich das Wachstum auf drei Prozent abschwächen, erwartet die IKB.

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