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16.06.2012

18:01 Uhr

Krankenhaus Rating Report

Viele Kliniken vor dem Aus

VonMaike Telgheder

Der neue Krankenhaus Rating Report zeigt: Jedes sechste Krankenhaus ist von Insolvenz bedroht, wobei die kleinen Häuser schlechter abschneiden als große. Allerdings bringt medizinische Qualität wirtschaftlichen Erfolg.

Die medizinische Versorgung steht an einem kritischen Wendepunkt. dapd

Die medizinische Versorgung steht an einem kritischen Wendepunkt.

FrankfurtIn Deutschland kämpfen immer mehr Kliniken ums wirtschaftliche Überleben. In diesem Jahr ist jedes sechste Krankenhaus erhöht insolvenzgefährdet, vor zwei Jahren war es noch nur jedes zehnte. Das zeigt der neue Krankenhaus Rating Report 2012 - ein Gemeinschaftswerk des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der Beratung Accenture und des Instituts für Healthcare Business.

"Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich seit 2010 deutlich verschlechtert", beschreibt Sebastian Krolop, Partner von Accenture, die Lage. "In vielen Häusern steigen die Kosten deutlich schneller als die Erlöse."

Der deutsche Krankenhausmarkt mit seinen rund 2 000 Kliniken gilt seit vielen Jahren als überbesetzt, was ein zentraler Grund für die schwierige Lage vieler Häuser ist. Zudem sind die Ausgaben in dem regulierten Markt gedeckelt. Deshalb können steigende Kosten für Energie und Löhne von vielen Häusern nicht mehr aufgefangen werden.

Durch die angespannte wirtschaftliche Situation ist es auch um die Investitionsfähigkeit der Krankenhäuser schlecht bestellt: "Nur rund die Hälfte der Kliniken erwirtschaftet ausreichend hohe Erträge, um ihre Unternehmenssubstanz zu erhalten", sagt RWI-Experte Boris Augurzky.

Eine Besserung der Situation in den nächsten Jahren ist nach Einschätzung der Experten nicht in Sicht: Daran ändert auch die von der Koalition in Berlin diskutierte Finanzspritze von 350 Millionen Euro für die Klinikbranche nichts. Auch langfristig werden die Kosten im 74 Milliarden Euro schweren Markt voraussichtlich stärker steigen als die Erlöse, so das Fazit der Autoren. Sie haben für den Report die Jahresabschlüsse von mehr als 1 000 Krankenhäusern analysiert. Bis 2020 werden demnach acht Prozent der Häuser geschlossen werden müssen.

Tendenziell stärker bedroht von einer Insolvenz sind kleine Häuser und solche in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft: Hier ist fast jedes fünfte Haus insolvenzgefährdet. Eine Ende Mai veröffentlichte Umfrage unter deutschen Klinikdirektoren zeichnet ein noch dramatischeres Bild: Danach haben 43 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser das vergangene Jahr mit einem Defizit abgeschlossen. Und nur neun Prozent der Häuser geben an, ihre Zukunft aus eigener Kraft meistern zu können.

Zu den Faktoren, die zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen können, gehört unter anderem der Grad der Spezialisierung. "Häuser mit einer Spezialisierung auf bestimmte Krankheitsbilder schneiden deutlich besser ab als solche, die versuchen, alle Bereiche abzudecken", sagt Accenture-Berater Krolop.

Einen klaren Zusammenhang gibt es laut Krolop auch zwischen der medizinischen Qualität einer Klinik und ihrem wirtschaftlichen Erfolg. Häuser, die wegen mangelnder medizinischer Qualität aufgefallen sind, weisen ebenfalls ein schlechteres Rating auf als solche mit geringer Patientenunzufriedenheit. Anhand bundesweit ausgewerteter Daten weisen die Experten auch erstmals nach, dass Kliniken, die auf eine höhere Fallzahl von Operationen kommen, in der Regel auch eine bessere medizinische Qualität haben.

Für RWI-Experte Augurzky steht die Krankenhausversorgung in Deutschland an einem Wendepunkt: "Ein ,Weiter so' kann es auf Dauer nicht geben", mahnt er. Die Überschüsse der Krankenkassen würden bald wieder aufgebraucht sein. "Es wäre schon viel gewonnen, wenn die knappen Ressourcen nicht auf alle Krankenhäuser verteilt würden, sondern nur auf die, die eine gute Qualität bieten und wirtschaftlich arbeiten", sagt der Branchenexperte.


Kommentare (5)

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MartinH

16.06.2012, 20:34 Uhr

Ich werde nie verstehen, warum wir Ärzte und Krankenhäuser wie eine wirtschafts Unternehmen sehen. Es ist eine Vorsorge für die Allgemeinheit. Das wäre so, als wenn die Feuerwehr und Polizei demnächst wirtschaflich arbeiten müssten.

Psychodoc

16.06.2012, 21:37 Uhr

In einem Ballungsraum ist eine Spezialisierung einfach zu realisieren. Die kleineren Krankenhäuser in ländlichen Gebieten wie Eifel, Münsterland, Westerwald, können dies kaum umsetzen, sind aber für eine medizischen Basisversorgung der Bevölkerung sehr wichtig. Hier lässt sich oft nicht kostendeckend arbeiten. Mit den kleineren Häusern fällt dann vor Ort oft auch noch der Notarztdienst. Es ist problematisch, Medizin vorwiegend unter wirtschaftlichen Aspekten zu sehen.

fdpBARGELD

17.06.2012, 05:13 Uhr

wunschdemken.

alle drei selbsternannte eingebildete analyse und beratungsunternehmen verdienen ihr geld in der branche.

was soll so ein artikel.

die schafherde macht sich zur gärtnerei und das handelblatt zum kostenlosen sprachrohr

dümmliche meinungsmache

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