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14.07.2012

15:23 Uhr

Kreditkarten-Gebühren

Visa und Mastercard zahlen Milliarden an Händler

Seit Jahren werfen US-Händler den Kreditkartenfirmen vor, sie würden sich bei den Gebühren absprechen. Nun lassen sich Visa und Mastercard auf einen Vergleich von sechs Milliarden Dollar ein. Zu wenig, finden einige.

Die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa zahlen an US-Händler. dpa

Die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa zahlen an US-Händler.

Washington/New YorkMit einer Milliardenzahlung haben die beiden führenden Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard sowie mehrere Banken einen jahrelangen Gebührenstreit mit Händlern beigelegt. Die Kontrahenten einigten sich auf den wohl größten Kartellvergleich in der Geschichte der USA. Dabei zahlen Kreditkartenfirmen wie Mastercard und Visa sowie ein Dutzend großer US-Geldhäuser insgesamt sechs Milliarden Dollar an die Einzelhändler. Zudem erhalten diese künftig mehr Macht gegenüber den Kreditkartenfirmen, die für den Einsatz der Karten von den Händlern Gebühren kassieren. Die Händler warfen ihnen vor, sich bei der Festsetzung dieser Abgaben abzusprechen und so niedrigere Gebühren zu verhindern.

Branchenführer Visa willigte ein, rund vier Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) zu zahlen, Mastercard übernimmt gut zwei Milliarden Dollar, wie aus Gerichtsdokumenten des zuständigen Gerichts in New York hervorgeht. Die Anwaltskanzlei Robins, Kaplan, Miller & Cires teilte am Freitag mit, dass rund sieben Millionen Händler Geld aus einem 7,25 Milliarden Dollar umfassenden Fonds erhalten sollen.

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Mit dem am Freitag bei einem Bundesgericht in Brooklyn eingereichten Vergleich könnten Dutzende von Klagen beigelegt werden, mit denen die Einzelhändler 2005 vor Gericht gezogen waren. Die Einigung muss aber noch von einem Richter abgesegnet werden. Darin wird festgestellt, dass die Gebühren für die Abrechnung von Zahlungen mit Kreditkarten von den Finanzkonzernen festgelegt werden und die Kosten im Wesentlichen zulasten der Händler gehen.

Nach dem Vergleich werden die Gebühren vorübergehend gesenkt, was den Klägern weitere 1,2 Milliarden Dollar beschert. Zudem dürfen die Einzelhändler künftig kollektiv in die Verhandlungen mit den Kreditkartenunternehmen über die Konditionen der Geschäfte ziehen. Auch können sie zusätzliche Gebühren für den Kauf mit bestimmten Kreditkarten von ihren Kunden verlangen, die so auf den Geschmack günstigerer Zahlungsmethoden gebracht werden sollen.

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„Das ist eine historische Einigung“, sagte ein Vertreter der Kläger. Zu ihnen gehören große Supermarkt-, Drogerie- und Schuhketten wie Kroger, Rite-Aid und Payless ShoeSource genauso wie die Interessensverbände von Buchhändlern, Lebensmittelgeschäften und kleineren Läden mit Bedarfsartikeln. Der Vergleich verschiebe die Marktmacht von den bisher dominierenden Banken und Konzernen, die das Kartengeschäft kontrollieren, hin zu den Händlern und Verbrauchern. Die Änderungen, die durch den Vergleich erzielt worden seien, stärkten die Position der Händler und Verbraucher gegenüber den Banken, die bislang das Kreditkartensystem kontrolliert hätten, sagte ein Anwalt der Händler. Längerfristig würden dadurch die Gebühren für die Händler sinken, was sich letztlich „in niedrigeren Preisen für alle Verbraucher“ niederschlagen werde.

„Wir sind der Überzeugung, dass es im besten Interesse aller Parteien ist, diesen Fall mit einem Vergleich beizulegen“, erklärte Visa-Chef Joseph Saunders. Zu den Banken, die in den Vergleich einwilligten, gehören unter anderen JPMorgan Chase, Bank of America, Citibank, Wells Fargo und Capital One.

Doch einige Kläger - wie die Vereinigung der Bedarfsartikel-Läden - kritisierten die Vergleichssumme von gut sieben Milliarden Dollar. Dies sei nichts mit Blick auf die 50 Milliarden Dollar, die die Einzelhändler den Kreditkartenfirmen jährlich an Gebühren zahlen müssten.

Mastercard erklärte, eine einvernehmliche Lösung des Streits diene dem Konzern am meisten. Visa-Chef Joseph Saunders sagte, die Lösung sei für alle Beteiligten die beste. Der Vergleich werde die Geschäftsprognose von Visa nicht belasten, fügte er hinzu.

In Europa ist Mastercard in einen ähnlichen Streit verwickelt.

Kommentare (1)

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16.07.2012, 10:37 Uhr

"Längerfristig würden dadurch die Gebühren für die Händler sinken, was sich letztlich „in niedrigeren Preisen für alle Verbraucher“ niederschlagen werde."

Na da bin ich ja mal gespannt, ob dies wirklich so geschieht, wenn der Rechtsstreit in Europa ein ähnliches Ergebnis haben wird.

Geht es hier wirklich darum, für Kunden niedrigere Preise anbieten zu können oder nur darum, wer die Höhe der Gebühren bestimmen und damit die Milliarden letztlich einsacken darf?

Ich glaube, dieser Absatz beschreibt die Richtung, in die es in den USA nun gehen wird:

"Zudem dürfen die Einzelhändler künftig kollektiv in die Verhandlungen mit den Kreditkartenunternehmen über die Konditionen der Geschäfte ziehen. Auch können sie zusätzliche Gebühren für den Kauf mit bestimmten Kreditkarten von ihren Kunden verlangen, die so auf den Geschmack günstigerer Zahlungsmethoden gebracht werden sollen. "

Fazit: Für uns Kunden ändert sich nichts, es wird wohl eher im Gegenteil nur noch komplizierter und teurer. Bald wird man von jedem Supermarkt und Kaufhaus eine eigene Karte benötigen, damit man nicht draufzahlt.

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