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14.03.2014

10:47 Uhr

Krise bei Malaysia Airlines

„Unfähig, sich dem Wettbewerb zu stellen“

Durch die verschwundene Boeing 777 rückt Malaysia Airlines in den Fokus. Die Staats-Airline gilt eigentlich als sicher, ist aber seit Jahren wirtschaftlich angeschlagen. Der Billigflieger Air Asia macht Druck.

Flugzeug der Malaysia Airlines am Heimatflughafen Kuala Lumpur: Das Verschwinden des Jets „macht die Dinge noch schlimmer“. ap

Flugzeug der Malaysia Airlines am Heimatflughafen Kuala Lumpur: Das Verschwinden des Jets „macht die Dinge noch schlimmer“.

HongkongIn der notorisch unter Finanzproblemen leidenden Luftfahrtbranche stach Malaysia Airlines durch jahrelange Umstrukturierungen und Verluste hervor. Nach dem spurlosen Verschwinden eines ihrer Flugzeuge mit 239 Menschen an Bord wird der Fluggesellschaft nun weltweit noch deutlich unangenehmere Aufmerksamkeit zuteil.

Es gibt zwar keinen Hinweis darauf, dass der finanzielle Druck auf das Unternehmen und seine 19.000 Beschäftigten beim Verschwinden von Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking in der vergangenen Woche eine Rolle spielte. Doch die jüngste Enthüllung, dass der Copilot der Maschine vor zwei Jahren zwei weiblichen Passagieren erlaubte, den gesamten Flug im Cockpit zu verbringen, wirft Fragen über die Professionalität von führenden Mitarbeitern auf.

Unter asiatischen Fluggesellschaften erwarb sich Malaysia Airlines seit ihrer Gründung 1937 einen Ruf für hochklassigen Service und Sicherheit. In den vergangenen Jahren erhielt sie zahlreiche Preise für ihre Bordverpflegung, ihre Besatzungen und den allgemeinen Service. Der letzte tödliche Unfall ereignete sich vor fast zwei Jahrzehnten, als eines ihrer Flugzeuge in der Nähe der malaysischen Stadt Tawau verunglückte. Dabei kamen 34 Menschen ums Leben.

Verschollene Flugzeuge

Ganz seltener Fall

Ein Flugzeug verschwindet - das passiert in Zeiten von Radar, Funkverkehr und anderen technischen Errungenschaften nur ganz selten. Nach einem Absturz werden Wracks meist innerhalb weniger Stunden geortet. Doch manchmal kann es auch Tage oder Wochen dauern, bis man Hinweise auf den Verbleib der Maschinen und das Schicksal der Insassen findet - etwa wenn die Flugzeuge über abgelegenen Gebieten, unwegsamem Gelände oder dem offenen Meer abgestürzt sind.

Malaysia Airlines Flug 370

Im März 2014 verschwindet Flug 370 der Malaysia Airlines auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Bis heute fehlt von der Maschine mit 239 Menschen an Bord jede Spur.

Air France Flug 447

Nach dem Absturz des Airbus A330 im Jahr 2009 wurden Wrackteile innerhalb weniger Tage gefunden. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Rumpf der Maschine auf dem Grund des Atlantik entdeckt wurde. Die Maschine war auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in einen schweren Sturm geraten und abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord kamen um.

Adam Air

Eine Boeing 737 der indonesischen Fluggesellschaft mit 102 Menschen an Bord stürzte am 1. Januar 2007 ab. Teile des Hecks und andere Trümmer wurden einige wenige Tage später entdeckt. Bis zur Bergung der Blackbox und des Stimmrekorders dauerte es neun Monate. Der Rumpf liegt bis heute auf dem Grund des Ozeans.

Merpati Nusantara Airlines

1995 verschwand eine Maschine der indonesischen Airline auf dem Flug zwischen zwei Inseln des Archipels. Von der Havilland Twin Otter 300 mit 14 Insassen fehlt bis heute jede Spur.

Faucett Airlines

Eine Boeing 727 der peruanischen Fluggesellschaft mit Ziel Miami in den USA stürzte im Jahr 1990 über dem Nordatlantik ab, weil ihr der Treibstoff ausging. 18 Angestellte der Airline und ihre Angehörigen waren an Bord. Das Wrack wurde nie gefunden.

Luftwaffe Uruguays

Die Geschichte der Fairchild FH-227 und ihrer Insassen war Stoff für mehrere Bücher und Filme. Die Turboprop-Maschine stürzte 1972 in den Anden ab, mehr als ein Dutzend der Insassen kamen dabei ums Leben. Einige der Überlebenden machten sich auf die Suche nach Hilfe. Die anderen wurden später gerettet. In der Zeit bis zur Bergung hatten sie sich vom Fleisch der Toten ernährt.

Flying Tiger Line

Die Propellermaschine vom Typ Lockheed L-1049H Super Constellation sollte im Jahr 1962 US-Soldaten nach Vietnam bringen. Doch schon die Zwischenstation auf den Philippinen erreichte das Flugzeug mit 107 Insassen nie. Dutzende Flugzeuge und Schiffe suchten den Westpazifik ab - vergeblich.

Doch die Auszeichnungen in den vergangenen zehn Jahren reichten nicht aus, um die Abwanderung der Passagiere zur Billigkonkurrenz zu stoppen, insbesondere an die 2001 vom malaysischen Geschäftsmann Tony Fernandes gegründete Air Asia. Die Discount-Wettbewerber expandierten rasch, während Malaysia Airlines langsam wie ein Supertanker agierte. Die Tatsache, dass sich die Fluggesellschaft im Staatsbesitz befindet sowie der Widerstand einer mächtigen Gewerkschaft erschwerten die Umstrukturierungsbemühungen.

Als Reaktion auf „einen Vorfall solchen Ausmaßes“ wie das Verschwinden eines Passagierjets dürften Reisende die Fluggesellschaft künftig meiden, sagt Shukor Yusof, ein Luftfahrtexperte bei S&P Capital IQ, einer Abteilung von Standard & Poor's. „Es macht die Dinge noch schlimmer.“ Und das Unternehmen werde auch darunter leiden, dass sich das Management nun auf die Suche nach dem verschollenen Flugzeug und den Umgang mit den internationalen Medien konzentriere statt auf das Geschäft, sagt Yusof.

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