Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2015

19:09 Uhr

Krisen-Airline

Air Berlin verschafft sich frisches Geld

Großaktionär Etihad sei Dank: Air Berlin kann sich frisches Geld besorgen. Die Verwendungszwecke könnten zahlreich sein. Vor allem aber muss die kriselnde Airline eine Anleihe über 200 Millionen Euro ablösen.

Die kriselnde Airline hat sich über ihren arabischen Großaktionär Etihad frisches Geld besorgen können. Reuters

Air Berlin

Die kriselnde Airline hat sich über ihren arabischen Großaktionär Etihad frisches Geld besorgen können.

Berlin/MünchenDie angeschlagene Fluglinie Air Berlin ist bei der Suche nach Geld für die Rückzahlung einer Anleihe vorangekommen. Über eine vom Großaktionär Etihad organisierte Plattform konnten 140 Millionen US-Dollar (rund 123 Millionen Euro) an Bord geholt werden, wie die arabische Fluglinie am Freitag in München mitteilte.

Die Araber, die 29 Prozent an Air Berlin halten, nannten Kapitalerhöhungen, Investitionen in die Flotte sowie Refinanzierungszwecke als mögliche Wege, das Geld zu verwenden. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu der Transaktion und zum möglichen Verwendungszweck äußern.

Bei Air Berlin wird im November eine Anleihe über insgesamt 200 Millionen Euro fällig. Die defizitäre und finanziell angeschlagene Fluglinie hatte bisher immer offen gelassen, woher das Geld für die Rückzahlung der Anleihe kommen soll.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Air-Berlin-Chef Stefan Pichler hatte vor kurzem der „Wirtschaftswoche“ gesagt: „Wir planen unsere Liquidität so, dass wir unseren gegenwärtigen und künftigen Verpflichtungen nachkommen können. Das beinhaltet unsere gegenwärtigen Kreditlinien genauso wie auch zukünftige Initiativen, die wir zu gegebener Zeit bekanntgeben.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×