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22.09.2016

15:50 Uhr

Krisengipfel zum Verkauf der Supermarktkette

Wird Kaiser’s Tengelmann jetzt zerschlagen?

VonFlorian Kolf

Am Abend treffen sich die Chefs von Edeka, Tengelmann und Rewe. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft der Kette Kaiser’s Tengelmann – und Tausende Jobs. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Gipfeltreffen.

Tengelmann-Edeka-Fusion

Mitarbeiter ratlos: „Was sollen wir als kleine Verkäuferinnen tun?“

Tengelmann-Edeka-Fusion: Mitarbeiter ratlos: „Was sollen wir als kleine Verkäuferinnen tun?“

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DüsseldorfZwei Jahre lang dauert nun schon der Konflikt um Kaiser’s Tengelmann. Auslöser war der geplante Verkauf der angeschlagenen Supermarktkette an den Edeka. Seitdem geht es hin und her: Das Bundeskartellamt hat den Verkauf verboten, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel dagegen eine Ministererlaubnis ausgesprochen, die wiederum von einem Gericht kassiert wurde. Jetzt starten die Beteiligten einen letzten Versuch, eine Lösung zu finden.

Warum soll Kaiser’s Tengelmann verkauft werden?

Die Supermarktkette macht seit mindestens 15 Jahren durchgehend Verluste, die das Familienunternehmen Tengelmann bisher aus den Gewinnen anderer Töchter wie Obi oder Kik ausgeglichen hat. Insgesamt sollen sich die Verluste auf mehr als 500 Millionen Euro summieren. Dazu war Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub jetzt nicht mehr bereit. Außerdem sah er keine Chance für Kaiser’s Tengelmann gegen die übermächtige Konkurrenz von Edeka und Rewe und der Discounter mittelfristig wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Warum hat sich die Politik eingemischt?

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Kaiser‘s Tengelmann droht die Insolvenz, und die Beteiligten wollen sich gegenseitig die Schuld dafür zuschieben. Am Ende könnte der Übernahmekampf einen großen Gewinner haben, egal wie es ausgeht: Edeka.

Das Bundeskartellamt hat den geplanten Verkauf an den Marktführer Edeka aus Wettbewerbsgründen verboten. Daraufhin haben Tengelmann und Edeka eine Ministererlaubnis beantragt. Die hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erteilt, obwohl auch die von ihm beauftragte Monopolkommission keine Gemeinwohlgründe gesehen hat, die die Wettbewerbsnachteile überwiegen. Gabriel sieht die Chance, sich als Retter der Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann politisch zu profilieren.

Die Gewerkschaft Verdi hat das heutige Spitzentreffen initiiert. Welches Interesse hat sie an der Fusion?

Ihr geht es um die Arbeitsplätze – aber nicht nur: Für die Ministererlaubnis hat Gabriel zur Auflage gemacht, dass über Tarifverträge nicht nur die Jobs bei Kaiser’s Tengelmann für fünf Jahre gesichert werden, sondern auch die Mitbestimmung mit den Betriebsratsstrukturen. Das gibt der Gewerkschaft Verdi eine sehr starke Stellung im Fusionsprozess. Außerdem hofft Verdi, über die Fusion beim bisher noch tarifvertragsfreien Unternehmen Edeka einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Was stört Rewe an einer Fusion von Edeka und Kaiser’s Tengelmann?

Rewe hat Angst, dass durch die Übernahme der Hauptkonkurrent Edeka noch stärker wird – gerade in wichtigen Märkten wie Berlin und München. Deswegen will Rewe-Chef Alain Caparros die Fusion mit aller Macht verhindern. Er hofft, bei einer Zerschlagung des Unternehmens auch noch eine größere Zahl attraktiver Märkte abzubekommen.

Welchen Sinn hat das Spitzentreffen?

Beim Treffen von Edeka-Chef Markus Mosa, Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Rewe-Chef Alain Caparros soll versucht werden, eine Lösung zu finden, mit der in letzter Minute eine Insolvenz und eine unkontrollierte Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann verhindert werden könnte. Sicher werden Haub und Mosa noch einmal versuchen, Rewe zu überzeugen, ihre Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzuziehen. Dazu wird Caparros aber nicht bereit sein. Auch der Discounter Norma hat bereits erklärt, dass er seine Klage nicht zurückziehen will.

Gibt es noch eine andere Lösung?

Alternativ könnte über eine Aufteilung von Kaiser’s Tengelmann gesprochen werden. Dann aber muss das Kartellamt wieder mitentscheiden, was Monate dauern kann. Denn auch zahlreiche weitere Handelsunternehmen lauern auf gute Standorte, so zum Beispiel der Schweizer Handelskonzern Migros mit seiner deutschen Tochter Tegut.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.09.2016, 16:11 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

22.09.2016, 16:18 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Holger Narrog

22.09.2016, 16:25 Uhr

Solange die Menschen im stationären Handel einkaufen bedarf es Mitarbeiter. Wenn in Deutschland eine Supermarktkette verschwindet werden die meisten Standorte übernommen und die Mitarbeiter bekommen einen anderen Kittel. Die Standorte die verwaist bleiben wären vermutlich ohnehin irgendwann aufgegeben worden. Insofern ist das Arbeitsplatzargument kurzsichtig und vorgeschoben.

Vom Wettbewerbsgedanken wäre es grossartig wenn es neben Edeka, REWE, ALDI (NORD, Süd), Lidl und METRO noch einen weiteren Wettbewerber gäbe. Ideal wäre ein richtiger Harddiscounter (500 Artikel, braune Kartons, enge Gänge) der den ziemlich eingeschlafenen Preiswettbewerb wieder in Gang bringt.

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