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18.12.2012

14:08 Uhr

Krisenstimmung

Osteuropa droht ein Airline-Sterben

Nach jahrelangem Missmanagement stehen viele Staatsairlines in Osteuropa vor dem Aus. Nun muss die polnische LOT Staatshilfe beantragen. Andere brauchen dringend Investoren, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Die polnische Staatsairline LOT hat finanzielle Schwierigkeiten. Reuters

Die polnische Staatsairline LOT hat finanzielle Schwierigkeiten.

Budapest/Warschau/TallinnDas Katastrophenjahr der osteuropäischen Luftfahrt begann mit einem Todesstoß aus Brüssel. Am 3. Februar entschied die EU-Kommission, dass Malev, die ungarische Staatsairline, ihre Staatshilfe zurückzahlen muss. Nach 66 Jahren musste die Fluggesellschaft darum ihren Betrieb einstellen – Insolvenz. Es war der Auftakt für eine Krise, die Osteuropas Airlines bis heute nicht losgelassen hat - und die sich im kommenden Jahr noch verschärfen könnte.

Vom Balkan bis ins Baltikum leiden die Airlines unter den Folgen der Schuldenkrise und den staatlichen Sparprogrammen. Zusätzlich belasten die hohen Spritpreise die Bilanzen. Nirgendwo ist die Krise so sichtbar wie in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Nach der Pleite von Malev sanken die Passagierzahlen in der ungarischen Hauptstadt um 36 Prozent.

Bis heute sind immer noch ein Dutzend Routen - von Belgrad bis Damaskus - unbesetzt, „Derzeit können wir uns nicht als Knotenpunkt bezeichnen“, sagt selbst Mihaly Hardy, ein Sprecher des Flughafens. Die irische Billigairline Ryanair, die sich nach der Malev-Pleite mit einer neuen Basis zum Retter für Budapest aufgeschwungen hatte, verkündete zuletzt, den Flugplan in der ungarischen Hauptstadt um 40 Prozent zu kürzen.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Anderen Airlines geht es noch schlechter: „Unter normalen Marktbedingungen würde keine der staatlichen Airlines heute noch fliegen”, sagt Jozsef Varadi, Chef der Airline Wizz Air. Osteuropas größte Billigairline hält die staatlichen Fluggesellschaften für “sehr verletzlich”. Ihnen fehle es an Größe und Marktmacht. „Bisher wurden sie durch die Regierungen gerettet. Die Frage ist, wie lange das noch funktioniert.”

Auch die polnische LOT kann nur noch durch staatliche Hilfe überleben. Die EU-Kommission bestätigte am Dienstag, dass Polen eine staatliche Beihilfe in Brüssel zur Genehmigung angemeldet habe. Um welchen Betrag es geht, ist noch offen.

„Die Fluggesellschaften zahlen nun den Preis für ihr finanzielles Missmanagement”, sagt auch Tomas Mencik, Airline-Analyst bei Cyrrus AS. „Die Regierungen, die bisher aus Prestigegründen Geld in die Airlines gepumpt haben, sind nun selber klamm und keine private Fluggesellschaft ist bereit einzuspringen, solange das Geschäftsmodell keinen Sinn macht”.  

Auch in Tschechien wachsen die Probleme. Die Staatsairline CSA strich zuletzt die Flüge von Prag nach Belgrad, Zagreb und Ljubljana. Und auch die Verkaufsgerüchte reißen nicht ab. Die tschechische Regierung hatte zuletzt erneut beteuert, nach einem Käufer für die Staatsairline zu suchen. 2009 war ein Verkauf gescheitert.

Neben einer stärkeren Fokussierung auf den russischen Markt will die Airline auch ihr Angebot in Asien ausbauen. In den Sommerflugplan wurde auch Seoul aufgenommen. Auch ihr Code-Sharing-Programm mit der arabischen Airline Etihad wollen die Tschechen fortsetzen. “Unser Ziel ist es, mehr Flüge in Asien anzubieten, aber dafür brauchen wir einen Partner”, sagt CSA-Chef Moreels. Zuletzt hatte Korean Air über ein Angebot für CSA nachgedacht. Konkret ist aber noch nichts.

Kommentare (6)

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Lutherschule

18.12.2012, 11:09 Uhr

Es ist einfach eine, den einzelnen Staaten schadende, europäische Gleichstellung, wenn ureigene staatliche Belange nicht mehr von den einzelnen Regierungen entschieden werden dürfen.
Hier hat de facto der Sozialismus, die Gleichschaltung auf politischen, wirtschaftlichen Gebieten schon Fuß gefasst, u. wie im Fall Deutschland, Merkels Sozialisierung bereits unbezahlbar geworden ist. Siehe ständig steigende Schuldenberge über drei Billionen, zurzeit 180 Millionen täglich!!! Die Zahlen werden nie von Schäuble genannt!!!

Friede-den-Huetten

18.12.2012, 12:25 Uhr

Eigene Air-Lines aus Prestige-Gründen zu betreiben, ist Unsinn. Wenn kein tragfähiges Geschäftsmodell dahinter steht, und letztlich der europäische Steuerzahler für die Verluste aufkommen soll, ist dieser Unsinn so schnell wie möglich zu beenden.

"Always look at the bright side of life!" Auch wenn damit kein Geld für sinnvolleres zur Verfügung steht, hört doch die Verschwendung von Steuergeldern auf - und verbessert die CO2 Bilanz Europas.

Account gelöscht!

18.12.2012, 13:57 Uhr

Dort drohen noch ganz andere Sachen dank EU....ich rate mal jedem nach Ungarn, Polen, Rumänien in einen MEdiaMArkt oder C&A, Lidl, Aldi zu gehen und all die anderen Konsumtempel die mit EU Geldern reingestampft wurden und wer drinnen war, schreibe hier mal bitte was er beobachten konnte......

Das wird noch lustig werden.

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