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19.02.2013

08:55 Uhr

Kritik an Leiharbeit

Amazon trennt sich vom nächsten Dienstleister

Das Online-Versandhaus Amazon steht weiterhin in der Kritik. Amazon hat deshalb die Zusammenarbeit mit einem weiteren Dienstleister beendet. Dieser könne die „hohen Standards“ nicht erfüllen.

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MünchenDer Internet-Versandhändler Amazon trennt sich angesichts der anhaltenden Kritik am Umgang mit Leiharbeitern von einem weiteren Dienstleister. Die Firma war unter anderem für die Unterbringung der in der Weihnachtszeit eingesetzten Zeitarbeiter verantwortlich.

„Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, zu gewährleisten“, teilte Amazon am späten Montagabend in München mit. Bereits am Montag hatte Amazon die Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst beendet.

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


In der vergangenen Woche hatte eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld für Kritik gesorgt. Unklare Lohnabrechnungen und harte Kontrollen durch Sicherheitsdienste gehörten zu den Vorwürfen, mit denen das Unternehmen konfrontiert wurde.

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Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert Konsequenzen aus dem Fall Amazon und will vor allem bei der Bezahlung von Leiharbeitern ansetzen. „Wir wollen erreichen, dass die Leiharbeit neu reguliert wird“, sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Dienstag). „Es muss der Grundsatz gelten: gleiches Geld für gleiche Arbeit.“

Von

dpa

Kommentare (10)

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Friede-den-Huetten

19.02.2013, 09:17 Uhr

Solange es keine Lohnuntergrenzen für alle gibt, werden die Firmen weiterhin die Mitarbeiter ausnutzen.

Selbst wenn einmal ein Anbieter mehr bezahlt und teurere Standards seinen Mitarbeitern bieten will, wird er doch sofort von den Lohndumpern der Branche aus dem Wettbewerb geworfen.

Und auch dem Verbraucher muß durch Mindestvorgaben geholfen werden. Denn teurer einkaufen heißt noch lange nicht, das das Geld dann auch bei den Mitarbeitern ankommt. Und dies gilt bei den Leiharbeitern ebenso wie in der Lebensmittelindustrie und anderen Branchen.

Nein. Wenn in unserer Marktwirtschaft der Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung das einzig steuernde Element ist, müssen allgemein verpflichtende Mindeststandards her, um Mißbräuche zu vermeiden und die soziale Marktwirtschaft zu erhalten.

Account gelöscht!

19.02.2013, 09:50 Uhr

Ich finde das zu drollig.
Nun sind die Subunternehmer an allem schuld,
so als wenn Amazon von all dem nichts gewusst hätte !

Was haben die den bitteschön von einem "Sicherheits"unternehmen erwartet bei dessen Abkürzung der Name HESS herauskommt ?
So naiv kann man doch gar nicht sein !!

Aber genau ist ja das Prinzip des Outsourcing:
Es geht ja nicht nur darum Kosten einzusparen,
sondern vor allem uch darum, dass man sich so oft wie nur möglich aus der Verantwortung stehlen stehlen kann !!!

Account gelöscht!

19.02.2013, 09:57 Uhr

Wie wäre es mit einer Art "fair trade"-Siegel,was es für Produkte aus Entwicklungsländern schon lange gibt?
Denn allem Anschein nach,sind wir in unserem Kapitalistischen System,wieder bei Frühkapitalistischen Verhaltensweisen angelangt.Das muss aufhören!Ähnliche Maßnahmen sollte man in Sachen Datenschutz unternehmen und Firmen zertifizieren,die ihrer Verantwortung nachkommen.

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