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16.11.2012

14:14 Uhr

Kritik an Planungsbüro

Flughafenchef bezeichnet Planungsunterlagen als „Desaster“

Der Streit um den neuen Hauptstadtflughafen geht in die nächste Runde: Nach Kündigung des langjährigen Planungsbüros tritt Flughafenchef Schwarz nach. Die Unterlagen des Planungsbüros seien ein "Desaster" gewesen.

Der Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg BER, Rainer Schwarz. dpa

Der Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg BER, Rainer Schwarz.

BerlinDer Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz hat die Trennung vom langjährigen Planungsbüro für den Hauptstadtflughafen verteidigt. Bei Übergabe der Planungsunterlagen nach der Kündigung im Mai habe sich „erst das Desaster gezeigt“, sagte Schwarz am Freitag in Schönefeld. Die Unterlagen hätten „nicht ansatzweise die Qualität“ besessen, die für eine schnelle Fertigstellung des Flughafens nötig gewesen wäre. Kritiker sehen in der Kündigung der Planungsgesellschaft PG BBI einen Grund für die derzeitigen Schwierigkeiten beim Weiterbau.

„Der Aufsichtsrat und Schwarz waren schlecht beraten, als erstes das Planungsbüro herauszuwerfen“, sagte der Grünen-Bauexperte im Abgeordnetenhaus, Andreas Otto, bei derselben Veranstaltung des Luftfahrt-Presse-Clubs. Die Absage der Flughafeneröffnung nur vier Wochen vor dem Termin am 3. Juni sei „bis heute nicht richtig erklärt worden“. Die kritischen Themen wie die Installation der Brandschutzanlage, die schließlich zur Terminabsage führte, hätten dem Flughafen-Aufsichtsrat schon im Dezember 2011 auf dem Tisch gelegen. „Aber man hat nicht die richtigen Schlüsse gezogen“, sagte Otto.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Der Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld soll nach dreimaliger Verschiebung am 27. Oktober 2013 eröffnet werden. Auf die Frage, wie sicher das sei, verwies Schwarz auf jüngste Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters und Aufsichtsratschefs Klaus Wowereit (SPD), es gebe „keinen Grund, den Termin infrage zu stellen“.

„Trotzdem kann es nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben, in den nächsten Monaten weitere Irritationen und Indiskretionen geben“, sagte Wowereit der „Berliner Zeitung“ (Freitag). Von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erwarte er „ein konstruktives Verhalten“, das in der Vergangenheit nicht immer vorhanden gewesen sei. „Der Bund ist mit 26 Prozent beteiligt, keine Entscheidung wird ohne ihn getroffen. Insofern erwarte ich auch, dass Entscheidungen von allen getragen werden und parallel nichts anderes kommuniziert wird.“

Flughafen-Technikchef Horst Amman hatte am Dienstag nach einem Treffen mit den Gesellschaftern versichert: „Der Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer.“ Für die Bauprobleme mit der Brandschutzanlage gebe es Lösungen. Einige der notwendigen Umbauten müssten aber noch von der Baubehörde genehmigt werden.

Von

dpa

Kommentare (2)

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bernardo

16.11.2012, 15:40 Uhr

Wo ist der Projektsteuerer???
Bei allen bisherigen Berichten war nirgendwo etwas vom Projektsteuerer bzw. vom Projektmanagement zu lesen.
Üblicherweise kontrolliert der Projektsteuerer das magische Dreieck: Kosten - Termine - Qualitäten. Aus Sicht des Bauherrn ist dies die wichtigste Funktion.
Sollte etwa der Projektsteuerer unter dem Dach des Generalplaners bzw. der Planungsgesellschaft PG BBI angesiedelt gewesen sein? Dann war die Katastrophe komplett und das Desaster vorprogrammiert. Das Projektmanagement ist die Schaltstelle, angesiedelt zwischen Bauherr und Generalplaner und gehört in die Hände eines professionellen und unabhängigen Projektmanagementbüros, das ausschliesslich dem Bauherrn gegenüber verantwortlich ist und alle Defizite hinsichtlich Kosten, Terminen und Qualitäten rechtzeitig erkennt und dem Bauherrn Gegenmassnahmen empfiehlt.

Mike

16.11.2012, 17:38 Uhr

Alle anderen sind Schuld, nur nicht der Verantwortliche, in diesem Fall Schwarz.

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