Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2014

16:17 Uhr

Kritik an Rügenwalder

„Fressig ist prollig“

„Deftig, lecker, fressig“, so beschrieb der Wurstfabrikant Rügenwalder Mühle seine Pommersche Wurst. Für „fressig“ musste sich das Unternehmen im Netz herbe Kritik anhören – und legt den Spot nun neu auf.

Nach Protest: Rügenwalder schneidet das Ende eines Werbespots raus.

Nach Protest: Rügenwalder schneidet das Ende eines Werbespots raus.

Düsseldorf„Nussig“ oder „herzhaft“ – das sind Worte mit denen Werber gerne mal Wurst beschreiben. „Fressig“ gehörte bislang nicht in die Werbesprech-Palette. Die Rügenwalder Mühle verwendete das Wort jedoch im Werbespot für ihre Pommersche Wurst. Darin schwärmt Fleischermeister Jörg Albers „deftig, lecker, fressig“. Doch die Begeisterung des Angestellten für die Streichwurst können Fans im Netz so gar nicht teilen. Dabei geht es gar nicht um das Produkt, sondern die Beschreibung. Im Fokus: das Wort „fressig“. Neben Beschwerdebriefen, hagelt es auch auf der Facebook-Seite des Unternehmens Kritik für diese Wortneuschöpfung.

Fakten zur Rügenwalder Mühle

Gründungsjahr

1834 in Rügenwalde, dem heutigen Darłowo im polnischen Westpommern.

Geschichte

Die Familie wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben und siedelte um ins Ammerland nahe Oldenburg. Aus der Metzgerei wurde eine Wurstfabrik mit Ladenlokalen, später gab das Unternehmen die Filialen auf und konzentrierte sich auf die Produktion. Ein Urteil des Bundesgerichtshof sicherte aus Pommern vertriebenen Unternehmern in den 1950er-Jahren zu, weiter „Rügenwalder Wurst“ zu produzieren.

Eigner und Führung

Geschäftsführer in der sechsten Generation ist Christian Rauffus. Die Firma befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz, darunter die beiden Schwestern Rauffus' und sein einziges Kind, Gunnar Rauffus. Die Übergabe an die nächste Generation ist in Vorbereitung.

Produkte

Zu den bekanntesten Produkten zählt die Teewurst. In ihr ist kein Tee verarbeitet, die Streichwurst aus Schweinefleisch trägt den Namen, da sie historisch gerne zu Tee gegessen wurde. „Lachsschinken hat auch nichts mit Fisch zu tun“, sagt Rügenwalder-Chef Christian Rauffus. Auch Leberwurst ist eines der klassischen Produkte, in den vergangenen Jahren sind Kochschinken, Wiener Würstchen und Frikadellen hinzugekommen. In Zukunft könnten auch fleischlose Produkte zum Sortiment hinzukommen.

Geschäftsentwicklung

Das Unternehmen verkauft fast ausschließlich in Deutschland. Ein Grund: Teewurst ist jenseits der Landesgrenzen schlicht unbekannt. Mit Hilfe moderner Verpackungen, offensiver Werbung und regelmäßigen Produktneuerungen wächst das Unternehmen langsam aber stetig. Im Jahr 2007 hatte der Umsatz 146 Millionen Euro betragen, im Jahr 2012 waren es 174 Millionen Euro (plus ein Prozent gegenüber 2011).

Beschäftigte und Standorte

Die Rügenwalder Mühle hat etwa 400 Mitarbeiter, die ausschließlich am Standort der Zentrale in Bad Zwischenahn nahe Oldenburg arbeiten. Ein Vorteil des Standorts sei die relative Nähe zu großen Schweinefleisch-Produzenten in Niedersachsen.

Das sagt der Bürgermeister

Die Rügenwalder Mühle ist der größte Arbeitgeber im Ammerland und damit von großer Bedeutung für die Region. „Das Unternehmen spendet regelmäßig für öffentliche und soziale Zwecke“, sagt der Bad Zwischenahner Bürgermeister Arno Schilling (SPD). „Die Familie ist der Gemeinde eng verbunden, aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund.“

Nutzer Alexander No findet: „Welches Werbegenie hat sich den dieses Wortgebilde einfallen lassen oder besser gesagt welcher Werbeabteilungschef lässt sowas im TV laufen? Alles aber auch nichts ist vermöglichbar?“. Auch Nutzer Hardy S. meint:  „Fressig ist ein echter Griff daneben, passt absolut nicht zum bisherigen Image, das ich von euch hatte. thumbs down für dieses Unwort. Oder soll das `Fress ich` heissen?“ Auch auf Twitter macht das Wort die Runde. HaarFestTiger meint: „Jedes Mal zucke ich zusammen, wenn der Leberwurstmann das im Fernsehen sagt“. Auch der Blogger und Ernährungswissenschaftler Dr. Friedhelm Mühleib findet „fressig“ so gar nicht zum Anbeißen. Auf seinem Blog „Tellerrand“ schreibt Mühleib: „Fressig klingt nach fressen, vollgefressen, überfressen, gefrässig“ und „es klingt einfach nur prollig“. Er schließt mit den Worten: „Schneidet das letzte Wort aus Eurem Spot“.

 

Diesem Wunsch ist Rügenwalder jetzt nachgekommen und hat „fressig“ aus dem Spot geschnitten, der mittlerweile auch im Fernsehen läuft. Anstelle des ungeliebten Wortes sagt Fleischermeister Albers jetzt: „Die mögen einfach alle.“ Bei Facebook kommentierte das Unternehmen diesen Schritt so: „Liebe Fans, wir nehmen eure Kritik ernst und haben uns deshalb dazu entschieden, das Ende des neuen Pommersche-Werbespots abzuändern.“ Rügenwalder steht damit in einer Reihe von Unternehmen, die Kundenprotest aus dem Netz nachgegeben haben. Henkel veränderte die Farbgestaltung seines Toilettenreinigers Bref, Bahlsen verwarf die Idee, keine Weihnachtsplätzchen mehr zu backen. Und so endet die Karriere von „fressig“ als Werbewort schon kurz nach seiner Erfindung.

Von

jos

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.01.2014, 20:03 Uhr

////Henkel veränderte die Farbgestaltung seines Toilettenreinigers Bref***

Naja, der sah ja auch aus wie die Nationalflagge der Ukraine.

Aber alles kann man nicht überprüfen. So kann schonmal das Design eines WC-Reinigers der Nationalfarbe des neuen Absatzmarktes gleichen. Griff ins Klo halt. Wie man so sagt.

Mit der Wurstwerbung sieht das anders aus.
Geschmacklos, wie auch das beworbene Produkt.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×