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24.05.2016

11:55 Uhr

Küchengeräte

Moulinex-Eigentümer kauft WMF

WMF wird bald französisch. Die schwäbische Traditionsfirma geht in die Hände des SEB-Konzerns, Eigentümer von Moulinex, Tefal und Krups. Die Aktie der Franzosen steigt daraufhin auf ein Rekordhoch.

Eine Flagge weht am Stammsitz des Haushaltswarenherstellers WMF in Geislingen (Baden-Württemberg). dpa

WMF

Eine Flagge weht am Stammsitz des Haushaltswarenherstellers WMF in Geislingen (Baden-Württemberg).

Frankfurt/BrüsselDer französische Konzern SEB will den Küchengerätehersteller WMF übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte das französische Unternehmen am Montagabend mit. Man habe sich mit den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) geeinigt. Der Wert der Transaktion belaufe sich auf insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. SEB rechnet mit einer Zustimmung im zweiten Halbjahr 2016.

„Wir ergänzen uns in unseren Markensegmenten und sind uns als europäische Traditionsunternehmen sehr ähnlich“, teilte WMF-Sprecher Kai Hummel mit. „Wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit, da wir unsere eingeschlagene internationale Wachstumsstrategie zusammen mit der Groupe SEB erheblich beschleunigen können.“ Mit der Bündelung der Expertise könne man künftig noch stärker am Markt auftreten.

SEB bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer für die kleine Haushalts-Ausstattung. Das französische Unternehmen - dessen Vorläufer 1857 im Burgund gegründet wurde - ist in fast 150 Ländern präsent. Zum Konzern gehören Marken wie Krups, Tefal und Moulinex. Erst in der vergangenen Woche hatte SEB den Thermoskannen-Hersteller Emsa geschluckt. Mit der Übernahme von WMF wollen die Franzosen nach eigenen Angaben unter anderem Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeemaschinen werden.

Der WMF-Deal - die Firmen im Profil

WMF

Die Württembergische Metallfabrik - kurz WMF - ist ein deutsches Traditionsunternehmen. Die Firma wurde 1853 im schwäbischen Geislingen gegründet. Neben Bestecken, Kochtöpfen und Kleingeräten für die Küche hat sich WMF auf Kaffeemaschinen vor allem für die Gastronomie spezialisiert. Zuletzt hatte WMF rund 200 Fachgeschäfte in Fußgängerzonen und Einkaufszentren im deutschsprachigen Raum betrieben und beschäftigte weltweit rund 5700 Mitarbeiter, davon 3800 in Deutschland. Hergestellt werden die Produkte in Deutschland, China, Indien, Tschechien und der Schweiz.

Quelle: dpa

KKR

Als Henry Kravis and George Roberts 1976 ihre erste Firma schluckten, war das Geschäft 26 Millionen Dollar schwer. Heute stemmt KKR - Kurzform für Kohlberg Kravis Roberts - milliardenschwere Zukäufe. Der New Yorker Finanzinvestor gehört zu den ältesten, größten und umtriebigsten Firmenjägern der Welt. 1989 kaufte KKR den US-amerikanischen Lebensmittel- und Zigarettenhersteller RJR Nabisco für 25 Milliarden Dollar. Auch in Deutschland schlug KKR mehrfach zu, unter anderem beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und der Werkstatt-Kette ATU. Sogenannte Private-Equity-Gesellschaften finanzieren ihre Käufe zum überwiegenden Teil durch Kredite – diese Schulden lasten sie den übernommenen Firmen auf, die oft kräftig sparen müssen.

SEB

Der französische Konzern bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer für kleine Haushalts-Ausstattung. SEB produziert wie WMF auch Kochgeschirr und Elektrokleingeräte - von der Fritteuse zum Waffeleisen. Die Groupe SEB verkauft nach eigenen Angaben 200 Millionen Produkte pro Jahr. Der Konzern – dessen Vorläufer 1857 im Burgund gegründet wurde – ist in knapp 150 Ländern präsent. SEB vereint bekannte Marken wie Krups, Tefal, Rowenta und Moulinex unter einem Dach. Im vergangenen Jahr machte SEB nach eigenen Angaben mit 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro, der Gewinn unterm Strich lag bei 206 Millionen Euro.

Was die Übernahme für die weltweit rund 5.800 Beschäftigten bedeutet und insbesondere für die etwa 4.500 in Deutschland, ist noch offen. „Wir sind erst mal froh, dass die WMF-Gruppe insgesamt verkauft wurde“, sagte Frank Schnötzinger, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der WMG Group, dem Handelsblatt. Er meint damit, dass nicht etwa die Besteck- oder die wichtige Gastronomie-Sparte einzeln verkauft werden. „Für uns ist es jetzt wichtig, dass der neue Eigentümer für die Beschäftigten eine Arbeitsplatzsicherung zusagt, und dass unsere Tarifbindung in der IG Metall beibehalten wird“, sagte Schnötzinger.

Er wird deshalb aufmerksam verfolgen, wie sich die bei solchen Übernahmen üblichen Synergieeffekte auf die Marken und die WMF-Werke in Deutschland auswirken. „Wir hoffen natürlich, dass alle unsere Marken wie WMF, Silit; Kaiser oder Hepp für den Gastronomieservice erhalten bleiben“, hofft der Betriebsratsvorsitzende. Am Mittwoch führt er erste Gespräche mit der Geschäftsleitung von WMF zur neuen Situation.

Denn das 1853 als Metallwarenfabrik Straub & Schweizer in Geislingen gegründete Traditionsunternehmen hat seit 2012 eine bewegende Zeit hinter sich. Der US-Finanzinvestor KKR war 2012 zusammen mit dem österreichischen Investor Fiba eingestiegen. Die Investoren zogen ein hartes Sparprogramm durch und dünnten das Produktsortiment aus. Sie nahmen die älteste Aktiengesellschaft Baden-Württembergs von der Börse und fanden die Aktionäre ab. Viele Verwaltungsfunktionen konzentrierten die neuen Eigentümer am Konzernsitz in Geislingen.

Die WMF-Übernahme kommt bei den SEB-Aktionären gut an. Die Papiere sprangen an der Börse in Paris um gut 15 Prozent auf ein Rekordhoch von 108,00 Euro. Analyst Cedric Rossi von der Investmentbank Bryan Garnier bezeichnete den Deal als zweite gute Nachricht innerhalb weniger Tage. Die bislang größte Übernahme für SEB bringe den Franzosen erhebliche Wettbewerbsvorteile, der Konzern überhole dadurch seinen größten Rivalen Philips. Positiv sei, dass die Akquisition ohne eine Kapitalerhöhung gestemmt werde.

Wegen der Übernahme durch die Finanzinvestoren KKR und Fiba hatte sich WMF im März 2015 von der Börse verabschiedet. Der schwäbische Kaffeemaschinen-, Topf- Besteck- und Küchengerätehersteller war zuvor in Turbulenzen geraten und hatte sich ein striktes Sparprogramm auferlegt. Insgesamt 400 Stellen wurden abgebaut, das Sortiment gestrafft, einzelne Marken abgestoßen, wenn sie sich gegenseitig Konkurrenz machten.

Im vergangenen Jahr machte SEB nach eigenen Angaben mit 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro, der Gewinn unterm Strich lag bei 206 Millionen Euro. Der Umsatz von WMF stieg 2015 nach vorläufigen Zahlen um 4 Prozent auf 1,061 Milliarden Euro. Angaben zum Gewinn macht WMF nicht.

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