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17.09.2014

08:20 Uhr

Küchenmaschine

Vorwerk überrumpelt seine Thermomix-Fans

VonJörg Hackhausen

Der Thermomix ist eine sehr spezielle Küchenmaschine – mit weltweit treuen Fans. Doch jetzt hat Hersteller Vorwerk viele Kunden verärgert. Ein Beispiel, was bei Einführung eines neuen Produkts schiefgehen kann.

Der neue Thermomix: Kochen mit Touchscreen. PR

Der neue Thermomix: Kochen mit Touchscreen.

DüsseldorfMan stelle sich vor, Apple würde still und leise ein neues iPhone auf den Markt werfen, ohne vorherige Ankündigung, ohne große Show, über Nacht. Von einem Tag auf den anderen gäbe es nur noch das neue Modell zu kaufen. Wer aber kurz vorher gekauft hätte, sähe alt aus. Es fällt nicht schwer, sich die Empörung vorzustellen, die durch die Fangemeinde gehen würde.

Bei einem deutschen Konzern ist genau das passiert: Ein neues Produkt von Vorwerk hinterlässt die Kunden überrascht bis verärgert. Der Hersteller von Haushaltsgeräten aus Wuppertal ist zwar nicht Apple. Die Zielgruppe ist eine etwas andere, vermutlich ist die Fangemeinde nicht minder eingeschworen. Besonders treu sind die Anhänger des Thermomix, einer Küchenmaschine.

Das familiengeführte Unternehmen hat sich Anfang September erlaubt, das zehn Jahre alte Modell TM31 durch die neue Variante TM5 zu ersetzen – und zwar von einem Tag auf den anderen. Im Internet brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los.

Dazu muss man wissen: Beim Thermomix handelt es sich nicht einfach um eine Küchenmaschine, sondern um eine Haushaltshilfe, die rühren, mixen, dünsten, garen oder kochen kann – einfach alles eben. Man muss nur die Zutaten einfüllen, das richtige Knöpfchen drücken, die Zubereitung übernimmt der Thermomix. Laut Werbung soll dieses eine Gerät zwölf andere ersetzen. So erklärt dann auch der Preis: etwas mehr als 1000 Euro.

Vorwerk im Porträt

Gründung

Die Brüder Carl und Adolf Vorwerk gründeten die Firma 1883 als „Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co.“ in Wuppertal. Ein Jahr später trennten sich die Brüder wieder. Carl führte das Unternehmen alleine.

Geschichte

Das Unternehmen stellte zunächst Teppiche und Möbel her. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm 1907 dessen Schwiegersohn August Mittelsten Scheid. Er begann, die Firma breiter aufzustellen.

Ende der 1920er Jahre entwickelte das Unternehmen einen elektrischen Handstaubsauger. Am 25. Mai 1930 wurde das Patent für den Kobold „Modell 30“ erteilt. Der Durchbruch gelang mit der Einführung des Direktvertriebes im selben Jahr. Beides - die Staubsauger wie der Direktvertrieb durch Vertreter - haben das Unternehmen bis heute geprägt.

Geschäftsentwicklung

Im Laufe seiner 130-jährigem Geschichte hat sich Vorwerk zu einer weltweit agierenden Unternehmensgruppe entwickelt. Die Vorwerk Gruppe erzielte 2013 einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro. Gewinne veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Eigner und Führung

Vorwerk ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben. Die Unternehmerfamilie Mittelsten Scheid bestimmt nach wie vor die Geschicke bei Vorwerk. Der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter Jörg Mittelsten Scheid ist heute Ehrenvorsitzender des Beirats. Das operative Geschäft leiten die drei persönlich haftenden Gesellschafter Reiner Strecker und Frank van Oers und Reiner Christian Genes.

Beschäftigte und Standorte

Weltweit sind über 622.000 Menschen für Vorwerk tätig, davon mehr als 40.000 als Beraterinnen und Berater im Bereich Haushaltsgeräte und rund 570.000 Beraterinnen und Berater bei Jafra Cosmetics sowie über 12.000 angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in über 70 Ländern aktiv. Die Zentrale ist in Wuppertal.

Produkte

Kerngeschäft ist seit 1930 der Direktvertrieb von Haushaltsgeräten und Konsumgütern. Das Produktportfolio umfasst die Staubsauger Kobold und die Küchenmaschine Thermomix ebenso wie Kosmetika von Jafra. Seit der Gründung durchgehend im Sortiment sind Teppichböden.

Im Vorwerk-Forum „Rezepwelt.de“ tauscht man sich normalerweise über Rezepte oder Tricks zum Thermomix aus. Jetzt laufen Beschwerden ein. Kunden, die das alte Gerät erst vor kurzem gekauft haben, fürchten, man hätte ihnen ein Auslaufmodell angedreht. Aus den Beiträgen spricht enttäuschte Liebe.

„Wir fühlen uns als Kunden getäuscht. Bei vielen anderen Produkten gibt es eine angemessene Zeit der Vorankündigung. Wollte Vorwerk erst die Ladenhüter an den Mann bringen?“, fragt der Nutzer mit Namen „Ancyra“. Und weiter „Da wir die Firmenpolitik von Vorwerk nicht nachvollziehen können, werden wir Thermomix im Freundes- und Bekanntenkreis auch nicht mehr weiterempfehlen und vom Kauf weiterer Vorwerk-Produkte Abstand nehmen.“

„Unfassbar wie man es sich bei Kunden versch... kann. Ich hab Mitte August noch einen TM31 extra per Express bestellt weil ich sofort einen wollte. Jetzt habe ich quasi Aufpreis für ein Altes Gerät bezahlt“, schreibt „amantido“.

Kommentare (7)

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Herr Frank Klenner

17.09.2014, 10:43 Uhr

Leider ist auch mein Haushalt betroffen. Kurz vorher bestellt, noch 2 befreundete Familien geworben, die auch noch bestellt haben, plötzlich ist das neue Gerät da, ohne jede Info. Am Markt werden nun neuwertige Geräte mit 300 EUR oder mehr Rabatt gehandelt. Wir sind alle stinksauer, haben Vorwerk angeschrieben, aber nicht einmal eine Antwort erhalten. Das war für uns Alle das letzte Vorwerk-Produkt, diese Firmenpolitik unterstützen wir nicht mehr.

Herr Heinz Klein

17.09.2014, 10:51 Uhr

Schönes Aufreger-Thema, ich kenne auch Menschen, die betroffen sind. Aber leider ist die Geschichte ne Woche alt...

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kuechenmaschine-von-vorwerk-neuer-thermomix-veraergert-kunden-1.2125127

Frau Baur- Warendorf

17.09.2014, 11:44 Uhr

Wer über 1.000 Euro für eine Mixmaschine ausgibt, scheint sich auch sonst leicht überrumpeln zu lassen.

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