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15.02.2016

19:34 Uhr

Kurfürstendamm

Karstadt macht Platz für Shopping Mall in Berlin

VonFlorian Kolf

Ein neues Benko-Projekt: Karstadt plant den Bau eines großen Shoppingcenters am Berliner Kurfürstendamm – in der eigenen Filiale. In der „Mall of Ku'damm“ ist das Warenhaus dann anschließend nur noch Ankermieter.

Was mit den Karstadt-Mitarbeitern in der Zeit des Umbaus geschehen soll, darüber macht das Unternehmen nur vage Angaben. dpa

Karstadt plant neues Shoppingcenter in Berlin

Was mit den Karstadt-Mitarbeitern in der Zeit des Umbaus geschehen soll, darüber macht das Unternehmen nur vage Angaben.

DüsseldorfDie Karstadt-Filiale am Berliner Kurfürstendamm wird ab März 2017 vorübergehend geschlossen. An ihrer Stelle soll ein Shoppingcenter mit rund 65.000 Quadratmetern Fläche mit 230 Geschäften entstehen. Karstadt soll in dieser geplanten „Mall of Ku'damm“ Ankermieter werden. Nach Angaben von Karstadt hängt die endgültige Entscheidung aber noch vom Votum des Karstadt-Aufsichtsrats und einer entsprechenden Vereinbarung mit den Projektpartnern ab.

Eigentümer des Gebäudes ist der österreichische Investor René Benko, dem auch das Unternehmen Karstadt gehört. Sein Partner ist der renommierte Einkaufscenter-Entwickler Harald Huth mit seiner HGHI Holding. Die Bauzeit wird auf etwa vier Jahre geschätzt. Rund 3500 Quadratmeter Fläche sind für Gastronomie eingeplant.

Karstadt: Kaufhaus-Zentrale vor dem Umzug

Karstadt

Kaufhaus-Zentrale vor dem Umzug

Die Karstadt-Zentrale in Essen ist zu alt – und zu groß. Die Warenhauskette sucht einen neuen Standort für ihre Verwaltung. Neben Essen balgen offenbar auch Oberhausen und Düsseldorf um das angeschlagene Unternehmen.

Die geplante „Mall of Ku'damm“ wird eins der größten Shoppingcenter in Berlin. Größer sind nur die Gropius-Passagen in Neukölln mit rund 85.000 Quadratmetern, der Boulevard Berlin mit rund 80.000 Quadratmetern und die ebenfalls von Huth entwickelte „Mall of Berlin“ mit 76.000 Quadratmetern. Zum Vergleich: Das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe kommt nur auf 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Die Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm hat heute eine Fläche von knapp 30.000 Quadratmetern. Wie viel Fläche das Kaufhaus nach dem Umbau und dem Wiedereinzug haben wird, ist noch nicht bekannt. Benko und Huth sollen weitere angrenzende Gebäude bereits aufgekauft haben, die in das neue Projekt einbezogen werden sollen.

Was mit den Karstadt-Mitarbeitern in der Zeit des Umbaus geschehen soll, darüber macht das Unternehmen nur vage Angaben. Es würden gemeinsam mit dem Betriebsrat sozialverträgliche Lösungen angestrebt, heißt es. So sei unter anderem „die Beschäftigung in einer anderen Filiale denkbar“, eine Wiedereinstellung in der neuen Filiale am Ku'damm werde angestrebt. Karstadt war für Nachfragen nicht erreichbar.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl zeigte sich optimistisch: „In der Summe ist die Chance eines Neubaus der Filiale Berlin Ku'damm vor einer neu entstehenden Mall wirtschaftlich sehr gut. Wir erwarten uns davon nicht nur mehr Frequenz, sondern auch eine erhebliche Aufwertung unserer Verkaufsfläche.“

René Benko hatte das angeschlagene Unternehmen Karstadt 2013 gemeinsam mit seinem israelischen Geschäftspartner Beni Steinmetz von dem Investor Nicolas Berggruen erworben. Knapp zwei Jahre später hatte Benko den größten Teil der Immobilien, die noch in ihrem Besitz waren, an Steinmetz abgegeben. Behalten hatte er nur die Immobilien der Premiumhäuser KaDewe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München, die er in der KaDeWe-Group bündelte. Außerdem behielt Benko die Karstadthäuser in der Stuttgarter Fußgängerzone und am Kurfürstendamm in Berlin.

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