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11.12.2016

11:37 Uhr

Landwirtschaft

Wie Spaniens Bauern gegen die Orangen-Krise kämpfen

Spanische Landwirte in traditionsreichen Anbaugebieten im Osten des Landes leiden unter dem Preisdruck bei orangen. Oft werfen sie das Handtuch und verlassen ganze Plantagen. Aber es gibt auch neue Ideen und Versuche.

Orangen sind zu Beginn der neuen Saison in Deutschland wieder zum Teil spottbillig zu bekommen. Der Verbraucher freut sich, aber die Landwirte in traditionsreichen Anbaugebieten im Osten Spaniens leiden unter dem Preisdruck immer mehr. dpa

Marktstand in Valencia

Orangen sind zu Beginn der neuen Saison in Deutschland wieder zum Teil spottbillig zu bekommen. Der Verbraucher freut sich, aber die Landwirte in traditionsreichen Anbaugebieten im Osten Spaniens leiden unter dem Preisdruck immer mehr.

ValenciaSeit kurzem sind sie in den deutschen Läden und Supermärkten wieder da, die spanischen Orangen. Von Kiel bis runter nach München feiert der klassische Vitamin-C-Lieferant im Winter Hochkonjunktur – zumal ein Kilo mitunter für weniger als einen Euro zu haben ist.

Gonzalo Úrculo würde allerdings niemals (mehr) zugreifen. Der Spanier, der auch in Berlin studiert hat, erinnert sich naserümpfend: „Vor allem die ganz billigen Dinger schmecken überhaupt nicht, sie haben weder Süße noch Saft.“

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„Crowdfarming“ nennen sie ihr Projekt: Zwei spanische Brüder verkaufen Bio-Orangen über das Internet direkt an den Endkunden – und machen ihre Plantage zum Obstgarten der vornehmlich deutschen Kunden. Mit Erfolg.

Der 30-Jährige ist kein gewöhnlicher Orangen-Konsument. Er kennt sich mit der Frucht aus dem immergrünen Baum inzwischen sehr gut aus. Zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Gabriel übernahm der gelernte Volkswirt nämlich vor sechs Jahren die seit dem Jahr 2000 stillgelegte Orangen-Finca seines Großvaters.

„Die große Mehrheit der Orangen, die man jetzt in Deutschland bekommt (und die vorwiegend aus der Autonomen Gemeinschaft Valencia stammen), wurden mit dem Pflanzenhormon Ethylen entgrünt, was aber den Alterungsprozess beschleunigt“, weiß Gonzalo. Dabei werden diese Orangen wegen komplizierter Vertriebsstrukturen lange gelagert und sind erst einen Monat nach der Ernte im Laden.

Bétera, rund 25 Kilometer nordwestlich der Stadt Valencia. Wohin man blickt, nur Zitrusfrüchte. Vorwiegend Orangen, aber auch Clementinen, Zitronen, Pampelmusen. Aber nicht alle Plantagen sehen gleich aus. Während fast überall die Bäume sehr, sehr eng nebeneinander stehen, sind die Rautengewächse auf dem 25 Hektar-Besitz von Gonzalo zum Teil bis zu sechs Meter auseinander. „Nur so bekommen sie genug Sonne“, erklärt der junge Landwirt stolz.

Gonzalos deutlich ältere Nachbarn machen unterdessen keinen Hehl daraus, dass sie nicht auf Qualität, sondern auf Quantität schauen. Schauen müssen. „Wir bekommen pro Kilo nur 13 bis 16 Cent, das reicht vorne und hinten nicht“, klagt ein Landwirt.

Seit Jahren geht es runter mit den Preisen, die vor allem die großen Vertriebsketten durchsetzen. Der Landwirte-Verband in Valencia „Unió de Llauradors“ beklagte vor wenigen Tagen, dass die Preise diese Saison erneut um rund 30 Prozent gefallen seien.

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