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25.06.2014

06:24 Uhr

Langfinger-Studie

Diebe machen im Einzelhandel fette Beute

VonCarina Kontio

Ladendiebe, unehrliche Mitarbeiter, kleptomanische Lieferanten: In Deutschland wird geklaut. Dem Handel geht jährlich Ware für fast vier Milliarden Euro verloren. In Drogerien ist ein Produkt besonders begehrt.

Viele Diebe werden nicht erwischt. Die Dunkelziffer liegt laut Experten bei 98 Prozent. Schuld daran sollen auch verlängerte Öffnungszeiten bei geringerer Personalbesetzung sein. Getty Images

Viele Diebe werden nicht erwischt. Die Dunkelziffer liegt laut Experten bei 98 Prozent. Schuld daran sollen auch verlängerte Öffnungszeiten bei geringerer Personalbesetzung sein.

DüsseldorfHier einen Lippenstift in der Handtasche versenkt, da ein paar Rasierklingen in den Schirm rutschen lassen und noch Batterien im Kinderwagen versteckt: Im deutschen Einzelhandel sind im vergangenen Jahr Waren im Wert von 3,9 Milliarden Euro verschwunden – über 1 Prozent des Gesamtumsatzes.

Rechnet man noch die Kosten dazu, die durch teure High-Tech-Überwachung und Detektive dazu kommen, entgehen dem Handel rund 1,3 Prozent seines Umsatzes. In Summe also jährlich rund 5,2 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Handelsforschungsinstituts EHI in Köln. Für die Studie wurden 104 Unternehmen mit insgesamt fast 18.000 Verkaufsstellen befragt, die einen Gesamtumsatz von gut 69 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Die Tricks der Ladendiebe

Diebstahl mit Taschen

Diese Methode wird in über 90 Prozent aller aufgedeckten Fälle angewendet. Dabei verschwindet die Ware direkt in der Einkaufstasche, in Rucksäcken, Handtaschen oder in großen Manteltaschen.

(Quelle: Lemke-Training.de)

Tipp 1 für Verkäufer

Achten Sie besonders auf offene Reißverschlüsse und offene Taschen. Wenn Schließfächer vorhanden sind, den Kunden höflich bitten, seine Taschen abzugeben.

Zeitschrift-Einroll-Trick

Dabei wird häufig in einer Zeitschrift ein Artikel eingerollt. Besonders beliebter Trick in Parfümerien und Drogerien, wo es häufig eine kostenlose Kundenzeitschrift gibt, die meistens frei aus liegt.

Tipp 2 für Verkäufer

Am besten ist es, dass kostenlose Magazine persönlich an der Kasse dem Kunden übergeben werden. Neben der Vorbeugung gegen Diebstahl hat die Übergabe auch eine höhere Wertigkeit gegenüber dem Kunden.

Helm-Trick

Der "Kunde" kommt mit einem Motorrad- oder Schutzhelm in das Geschäft und steckt, wenn er nicht beobachtet wird, Waren in den Helm. Ein beliebter Trick für Kleinartikel aller Art.

Tipp 3 für Verkäufer

Aufmerksam bleiben und beobachten, wenn es nicht möglich ist, dass der Kunde seinen Helm im Geschäft zur Aufbewahrung abgeben kann.

Alt gegen Neu

Das Geschäft wird mit neuen Schuhen oder Textilien verlassen, während die "alten Treter" oder die "alte Jacke" zurückgelassen werden.

Tipp 4 für Verkäufer

Sie bieten nur einen Schuh an, der andere wird erst während des Beratungsgesprächs aus dem Lager geholt. Für Textilien haben sich elektronische Warensicherungssysteme bewährt. Umkleidekabinen werden nach Benutzung immer sofort von Restware geräumt.

Der Kinderwagentrick

Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl gestohlener Waren zu entwenden. Die Ausreden des Ladendiebs bei Überführung: "Das muss der Kleine wohl eingesteckt haben", erschwert die Beweislage, da Minderjährige nicht strafbar sind.

Tipp 5 für Verkäufer

Hier gilt es, die ertappte Mutter oder den ertappten Vater deutlich auf die Folgen eines Diebstahls oder dessen Versuch aufmerksam zu machen. Die Personalien sollten auf jeden Fall vermerkt werden.

Der Kisten-Trick

Der Trick wird häufig bei Getränkekisten angewendet. Teure Spirituosen werden in der Mitte der Kiste "versteckt" und eine Originalkiste darüber gestellt. Strafrechtlich handelt es sich um ein Betrugsdelikt, wenn es zur Strafanzeige kommt.

Tipp 6 für Verkäufer

Dieser Diebstahl kann durch genaue Kontrolle an der Kasse entdeckt werden. Das Personal soll die Kisten immer anheben lassen.

Der Regenschirm-Trick

Der Regenschirm bietet den Vorteil für den Dieb, dass er nicht geöffnet werden muss. Hier lassen sich schnell viele Kleinartikel verstecken.

Tipp 7 für Verkäufer

Schirmständer für die Kunden am Eingang. Ansonsten hilft nur, den Kunden mit dem Schirm sehr genau zu beobachten.

Der Einkaufswagen-Trick

Oft werden vom Kassenmitarbeiter die Waren, die unter andere, meist schwerere Artikel gepackt worden sind, "übersehen". Ein beliebter Trick bei unaufmerksamem Personal.

Tipp 8 für Verkäufer

Auch hier besonders aufmerksam sein und den Kunden höflich bitten, seine Waren alle auf das Kassenband zu legen. Bei besonders schweren Artikeln müssen Sie ihm helfen oder vom Kassenplatz aus kontrollieren.

Immerhin wurde im Jahresvergleich 2013 nicht mehr geklaut als 2012; die Differenzen (zu Einkaufspreisen bewertet) sind aber mit 0,64 Prozent vom Nettoumsatz „unverändert hoch geblieben“, wie das EHI betont. Am heftigsten trifft es Drogeriemärkte, die mit viel kleinteiliger Kosmetik, Parfums, Batterien und CDs im Regal ein traditionell diebstahlanfälliges Sortiment haben. Ihnen gehen durch Langfinger rund 0,78 Prozent des Nettoumsatzes verloren. Beliebte Beute sind elektrische Zahnbürsten und die dazugehörigen Aufsätze, heißt es auf Nachfrage bei der Drogerie Rossmann.

Aber auch im Lebensmittel- und Textilhandel wandern hochwertige Spirituosen, Delikatessen oder Dessous unbezahlt an der Ladenkasse vorbei: Der Warenschwund liegt hier bei 0,59 Prozent. Nicht wirklich besser ergeht es der Baumarkt-Branche, die im vergangen Jahr mit 0,57 Prozent leicht erhöhte Differenzen registriert hat. Nur im Möbelhaus will keiner so richtig klauen; hier liegen die Differenzen nur bei 0,32 Prozent des Nettoumsatzes. Wer schleppt schon einen Einbauschrank oder eine Couch unbemerkt am Kassierer vorbei.

Kommentare (3)

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25.06.2014, 11:34 Uhr

Meine Schwester arbeitet bei Apollo und regt sich immer darüber auf, das sie von der Geschäftführung verpflichtet wird, die Sonnenbrillen so an den Eingang zu stellen, das jeder der möchte - die einfach mitnehmen kann.
Gleichtzeitig fehlt natürlich das Personal, die zu bewachen.

So kann man natürlich auch Umsatz generieren...

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25.06.2014, 12:32 Uhr

Danke für den Tipp!

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25.06.2014, 13:10 Uhr

In ein paar Jahren wird jeder größere Laden ein Hochsicherheitsbereich sein mit der Zukunftstechnologie RFID, das sind hauchdünne und biegsame Funkchips die jedem Artikel direkt nach der Produktion auf die Verpackung geschweißt oder geklebt werden, mit allen relevanten Daten des Produktes. Das heißt jedes Produkt wird im Kassenbereich automatisch per Funk gescannt und löst einen Rechnungs- und Bezahlvorgang im Bereich von ca. drei Metern aus. Verlässt ein Produkt unbezahlt den Verkaufsraum kommt es zu einem Alarm und Türen könnten sich automatisch verschießen bzw. sich nicht mehr öffnen lassen bis ein Code diesen Zustand wieder aufhebt. An den Hintertüren des Verkaufsraum sind natürlich ebenfalls Sensoren die jedes unautorisierte Verbringen von Artikeln durch das Personal registrieren. Im Bereich für die Lieferanten und an jeder Personalaußentür natürlich ebenfalls. Gescannt und automatisch bezahlt wird direkt elektronisch in dem man im ehemaligen Kassenbereich langsam mit dem Einkaufswagen vorbeifährt und am Schluss nur mit einem Stck. Hardware (Karte, Smartphone etc.) und einer PIN oder Passwort bestätigt. Mindestens eine Kasse mit Bargeld wird es aber auch weiterhin geben.
Klauen so gut wie unmöglich, es sei denn man findet eine Möglichkeit den Funkchip zu isolieren bzw. seiner Funktion zu berauben. - Das mitführen einer mobilen Mikrowelle wäre vielleicht eine Idee, für Kunden allerdings nicht praktikabel. Die Diebe müssen sich dann was einfallen lassen oder es sein Lassen.

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