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28.06.2017

14:48 Uhr

Lazada und Delivery Hero

Rocket Internet macht Kasse

Rocket Internet verkauft seine Anteile am Online-Händler Lazada für etwa eine halbe Milliarde Euro an Alibaba. Zusätzlich dürfte der Börsengang von Delivery Hero viel Geld in die Kassen des Berliner Unternehmens bringen.

„Lazada war ein großer Erfolg für uns“ Reuters

Rocket-Chef Oliver Samwer

„Lazada war ein großer Erfolg für uns“

BerlinDer Startup-Investor Rocket Internet nimmt durch den Verkauf seiner Anteile am Online-Einzelhändler Lazada und den Börsengang seiner wichtigsten Beteiligung Delivery Hero etwa eine halbe Milliarde Euro ein. Die 8,8 Prozent an Lazada gehen für umgerechnet rund 243 Millionen Euro an den chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba. Rocket erwartet insgesamt eine Verzwanzigfachung des investierten Kapitals von 18 Millionen Euro, betonte die Berliner Start-up-Holding am Mittwoch. „Lazada war ein großer Erfolg für uns“, sagte Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer. An der Börse grenzte die Rocket-Aktie Verluste ein und lag 1,5 Prozent im Minus.

Finanzkreisen zufolge stoßen die Papiere des Essens-Lieferdienstes Delivery Hero auf hohe Nachfrage. Aufträge unter 25,50 Euro werden wahrscheinlich nicht zum Zuge kommen, wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Das Unternehmen hatte die Papiere ursprünglich zu 22,00 bis 25,50 Euro angeboten. Delivery Hero will mit dem für Freitag geplanten Börsengang bis zu 996 Millionen Euro einsammeln. Rocket hatte zu Wochenbeginn erklärt, dabei bis zu 264 Millionen Euro einzunehmen.

Zitate von Oliver Samwer

Über Investmentregeln

„Die alte Investorenregel, wonach acht von zehn Engagements in die Hose gehen dürfen, solange zwei das große Geld bringen, lehnen wir ab. Wir wollen, dass aus allen 20 Eiern, die wir bebrüten, ein Küken schlüpft und sich jedes Küken zu einem prachtvollen Vogel entwickelt. Mag sein, dass am Ende das eine Unternehmen am Ende eine Million Euro wert ist und das andere hundert Millionen. Aber wir geben keines unserer Engagements verloren. Notfalls ändern wir das Geschäftsmodell – und niemals lassen wir einen Entrepreneur fallen.“

Oliver Samwer im August 2007 über die Ambitionen des EFF

Über den Kopie-Vorwurf

„Ich verweise gerne auf das Beispiel der Banken. So ist Citibank eine Großbank, aber das Bankenwesen erfunden haben beispielsweise eher die Medici. [...] Es gibt ganz wenige 'Einstein-Unternehmer' wie den Erfinder der Glühbirne oder des Telefons. Aber zu 99 Prozent entscheidet die Umsetzung der Idee. Am Ende kommt es nicht darauf an, ob ich als Erster eine Idee gehabt habe, sondern darauf, ein Unternehmen aufzubauen, das langfristig existiert und Kunden zufriedenstellt. […] In der Internetindustrie gibt es Einsteins und Typen wie Bob, der Baumeister. Ich bin ein Bob, der Baumeister.“

Oliver Samwer zum Copycat-Vorwurf

Über die Beteiligung von Tengelmann

„Im Oktober 2009 habe ich beschlossen: Den Herrn Haub rufe ich an und frage ihn mal, ob er nicht ein Unternehmen für seine Kinder aufbauen möchte. Ich habe ihm gesagt: Ich denke, dass E-Commerce auf jeden Fall passieren wird. Und ich glaube nicht, dass Sie es mit Ihrem Unternehmen alleine schaffen werden. Wollen Sie nicht auf ein zweites Pferd setzen? […] [Andere klassische Händler] setzen nur auf ein Pferd, auf ihr eigenes Pferd. Sie denken: Ich bin Händler, ich kenne das Geschäft seit 30 Jahren, vielleicht schon in der dritten Generation. Das mit dem E-Commerce ist doch nichts anderes als ein Laden oder ein Versandhausgeschäft.“

Oliver Samwer über seine Beteiligungsehe mit Tengelmann

Aus seiner „Blitzkrieg“-Mail

In seiner Zeit bei Groupon schrieb Oliver Samwer eine Mail, die als „Blitzkrieg“-Mail bekannt wurde. Das sind einige Zitate aus dem Dokument:

„Wir müssen den Zeitpunkt für unsere Blitzkrieg weise wählen, also sagt mir jedes Land mit seinem Blut, wenn es soweit ist. Ich bin bereit – immer!“

„Ich gebe euch all mein Geld um zu gewinnen, ich gebe auch all mein Vertrauen, aber wehe, ihr kommt zurück und habt eure Erfolge nicht erreicht.“

„Ich bin der aggressivste Mann im Internet auf dem Planeten. Ich werde sterben, um zu gewinnen, und ich erwarte von euch dasselbe!“

Über die Internationalisierung

„[L]aufen eine Milliarde Inder nackt rum? Oder 240 Millionen Indonesier? Nein, die wollen was kaufen! Die Logik ist doch klar. Wir gehen dorthin, wo es nicht schon 100 Zalandos gibt. […] Am Ende des Tages sind wir Unternehmer, um zu sagen: Was immer dazu notwendig ist. Wenn es nötig ist, dass ich die letzte Meile selbst baue und im Prinzip eine Post entwickle, bin ich auch bereit, die pakistanische Post zu bauen. Warum nicht? Vor sieben Jahren hatten wir keine Ahnung von E-Commerce, vor 15 Jahren hatte ich keine Ahnung vom Internet. […] Wir machen alles, was notwendig ist. Und das kann der Bau von Warenhäusern, der Bau der letzten Meile oder das Mitbringen von Geld ins Land sein.“

Oliver Samwer über die weltweite Internationalisierung

Über Pragmatismus bei der Internationalisierung

„Wir gehen in ein Land immer mit Touristen-Visa. […] Google geht mit Business-Visa. Aber ein Business-Visum zu erhalten kann drei Monate dauern. Ich erinnere mich noch, als eine Art Polizei unsere Büros besucht hat und wir alle zu Hause gearbeitet haben an diesem Tag. Alles war leer, nur Einheimische waren da. […] Ich denke, man muss einfach ultra pragmatisch sein. Und keine Zeit darauf verwenden, was wäre wenn usw. Die Leute denken allgemein zu viel darüber nach, was das Problem ist, worin die Herausforderung besteht. Wirklich, für eine Internationalisierung ist es in jedem Land dasselbe. Nur bei China würde ich sagen, dass ich fernbleibe.“

Oliver Samwer über den Pragmatismus seiner weltweiten Internationalisierung

Über Ambitionen bei Gründungsvorhaben

„Wenn wir jetzt nur noch alle gestarteten Unternehmen möglichst schnell in die Gewinnzone führen würden, wären wir durchfinanziert. Dann bräuchten wir kein frisches Geld mehr. Aber das wäre völlig falsch. Ein Börsengang ist bei sehr vielen unserer Unternehmen das Ziel. In 40 Jahren soll im Wikipedia-Eintrag über uns zu lesen sein, dass niemand weltweit so viele Internet-Unternehmen so systematisch gebaut hat wie wir.“
Oliver Samwer über die Ambitionen seiner weltweiten Gründungsvorhaben

Quelle

Joel Kaczmarek, „Die Paten des Internets“, erschienen im Finanzbuchverlag FBV, ISBN: 978-3-89879-880-8

Es ist das erste Mal seit dem eigenen Börsengang im Herbst 2014, dass Rocket ein Unternehmen aus seinem Portfolio über die Börse zu Geld macht. Der Investor behält dabei allerdings einen Großteil seiner Aktien und hat zugesagt, diese für mindestens ein halbes Jahr zu halten. Rocket kann frisches Geld gebrauchen: Im ersten Quartal meldete das Unternehmen einen Verlust von 86 Millionen Euro. Die liquiden Mittel liegen bei 1,5 Milliarden Euro. Rockets Geschäft – das Gründen von Start-ups nach dem Fließbandprinzip – verschlingt viel Geld.

Alibaba hatte bereits im April 2016 die Mehrheit an dem Online-Händler Lazada übernommen, das inzwischen mit 3,15 Milliarden Dollar bewertet wird. Alibaba hält 83 Prozent der Anteile. Lazada gilt seit der Gründung 2012 in Südostasien als einer der führenden eCommerce-Anbieter in der Region.

Von

rtr

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