Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2011

20:25 Uhr

Lebensmittel im Müll

Haltbarkeitsdatum verlängern - weniger wegschmeißen

Die Deutschen schmeißen 21 Prozent ihrer gekauften Lebensmittel in den Müll - oft noch original verpackt. Die Politik will das mit einer eigenwilligen Maßnahmen ändern: das Haltbarkeitsdatum soll verlängert werden.

Lebensmittel im Müll - keine Seltenheit in Deutschland. dpa

Lebensmittel im Müll - keine Seltenheit in Deutschland.

Es sind unglaubliche Zahlen: 6,6 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland im Jahr weggeworfen. Ihr Wert liegt bei 25 Milliarden Euro. Noch schlimmer ist der weltweite Vergleich: rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel landet auf dem Müll.

Die Schuldigen an dieser unglaublichen Verschwendung sind in vielen Bereichen zu suchen. In deutschen Haushalten wandern etwa 21 Prozent aller Lebensmittel in den Müll, weil Verbraucher ihre Einkäufe schlecht planen. .

In der schwarz-gelben Koalition haben einige Verbraucherexperten nun das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) als eine Ursache dafür ausgemacht, dass jährlich 6,5 bis 20 Millionen Tonnen noch essbarer Lebensmittel in Deutschland weggeworfen werden und wollen es im Bundestag auf die Tagesordnung des Ernährungsausschusses setzen. Denn viele Bürger denken, zum Stichtag seien der Feta-Käse, die Milch oder die Marmelade nicht mehr zu essen und werfen die Lebensmittel weg. Teilweise landen sie sogar schon vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums in der Tonne.

Die Ergebnisse Studie im Detail

Mehr als 20 Prozent der erworbenen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll. Die Studie "Save Food" geht der Wegwerf-Mentalität der Verbraucher auf die Spur.

Wie viele Lebensmittel werden weggeworfen?

Mehr als 20 Prozent aller von Privathaushalten erworbenen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll. Das sind 80 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Insgesamt kommen so 6,6 Millionen Tonnen zusammen.

Wo werden die meisten Lebensmittel weggeworfen?

Bei den drei untersuchten Ländern gab es Unterschiede: In Deutschland und Frankreich landen 21 Prozent der Lebensmittel in der Tonne. In Spanien sind es dagegen nur 18 Prozent..

Wie sieht der weltweite Vergleich aus?

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat das Phänomen der Lebensmittelabfälle auf globaler Ebene untersucht und deutliche Unterschiede festgestellt: Nordamerika und Europa belegen unrühmliche Spitzenplätze (280-300 Kilogramm pro Kopf und Jahr), gefolgt von Asien und Lateinamerika. Die wenigsten Lebensmittel werden in der Sub-Sahara-Region und in Südostasien weggeworfen (120-170 Kilogramm pro Kopf und Jahr). Allerdings hat die FAO die Gesamtmenge der verschwendeten Lebensmittel bei Produzenten, Verarbeitern und Konsumenten summiert - die Werte sind also nicht unmittelbar mit denen der vorgestellten Studie vergleichbar.

Welche Lebensmittel werden weggeworfen?

Obst und Gemüse machen mit 48 Prozent den größten Anteil aus. An zweiter Stelle liegen die Reste von selbstgekochten Mahlzeiten und Fertiggerichten (15 Prozent) und Backwaren (14 Prozent). Fleisch und Fisch sowie Milchprodukte machen jeweils etwa 11 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel aus.

Wieso werden so viele Lebensmittel weggeworfen?

Die Marktforscher vermuten, dass mangelnde Planung und falsche Aufbewahrung die Hauptgründe für die Verschwendung sind. Sie schätzen, dass 59 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland vermieden werden könnten.

Wie lässt sich die Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden?

Durch bessere Planung: Die Studie zeigt dass Menschen, die einen Einkaufszettel führen, weniger wegwerfen. Wer die Mahlzeiten der kommenden Woche im Voraus plant und gezielt einkauft, verschwendet weniger Lebensmittel. Außerdem lagern viele Konsumenten ihre Lebensmittel falsch, so dass sie schon vor dem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatum verderben.

Gibt es Unterschiede beim Konsumentenverhalten?

Ja, denn nicht alle Verbraucher verhalten sich gleich verschwenderisch: Besonders ausgeprägt war die Wegwerf-Mentalität bei jüngeren Altersgruppen (bis 39 Jahre) und Menschen mit höherer Bildung: Wer mehr verdient, verschwendet auch mehr Lebensmittel.

Der im September angelaufene Dokumentarfilm „Taste the Waste“ greift diese Missstände auf - Filmemacher Valentin Thurn betont: „Der Wettbewerb zwischen den Einzelhandelsketten ist nirgendwo so scharf wie bei uns, was dazu führt, dass die Regale bis Ladenschluss perfekt gefüllt sein müssen.“ Viele Produkte werden bereits lange vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums aus den Regalen entfernt.

Der Vorsitzende des Bundestags-Ernährungsausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), nennt als Alternative zum Mindesthaltbarkeitsdatum nun den englischen Verzehr-Hinweis „best before...“, was so viel bedeutet wie „am besten vor dem...“ zu verzehren. Doch würde dieses eher kosmetische Wortspiel etwas am grundsätzlichen Problem ändern?

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DeepenvolkDe

19.10.2011, 09:21 Uhr

Toller Bericht,

Der Verbraucher hat doch auch Verantwortung zu tragen. Wer zuviel käuft ist selbst schuld. Die Aussage der SPD-Politikerin zunächst von Verbraucherforschern prüfen zu lassen ob das Wort Mindesthaltbarkeitsdatum überhaupt
verstanden wird, zeigt doch nur für wie blöd das Volk
gehalten wird und wie die Politik in der Lage ist, daß
nicht vorhandene Geld sinnlos auszugeben. Mit einer guten
Schulausbildung sollte das Wort Mindesthaltbarkeitsdatum
von jeden verstanden werden. Allerdings ist ja die Politik
nur in der Lage eine unterdurchschittliche Schulbildung zu gewährleisten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×