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08.01.2011

10:23 Uhr

Lebensmittel

Ministerium bestätigt überhöhte Dioxin-Werte bei Hennen

Der Skandal um Dioxin in deutschen Lebensmitteln zieht weitere Kreise: Im Skandal um dioxinbelastetes Futter zeigen einzelne amtliche Analysen erstmals überhöhte Giftmengen in deutschen Legehennen. Britische Supermärkte nehmen deutsche Ei-Produkte aus den Regalen, Südkorea blockiert deutsches Schweinefleisch. Lebensmittelkontrolleure fordern einen Pranger für Unternehmen.

Legehennen in Deutschland. Das dioxinbelastete Fleisch der Hennen ist Regierungsangaben zufolge nicht in den Verkehr gekommen. ap

Legehennen in Deutschland. Das dioxinbelastete Fleisch der Hennen ist Regierungsangaben zufolge nicht in den Verkehr gekommen.

HB MÜNCHEN/BRÜSSEL/BERLIN/LONDON. Im Skandal um dioxinbelastetes Futter zeigen einzelne amtliche Analysen erstmals überhöhte Giftmengen in deutschen Legehennen. Das teilte der Sprecher des Landswirtschaftsministeriums Holger Eichele am Samstag in Berlin mit und bestätige damit einen Bericht des „Focus“. Eichele zufolge wiesen Proben aus dem Fettgewebe dreier Legehennen erhöhte Dioxin-Gehalte von 4,99 Pikogramm Dioxin je Gramm Fettgewebe auf. Der Grenzwert liegt bei zwei Pikogramm je Gramm (pg/g). Ein Pikogramm ist ein billionstel Gramm.

Die drei Tiere stammten aus einem nordrhein-westfälischen Betrieb, aus dem auch belastete Eier kamen. „Das Fleisch ist nicht in Verkehr gekommen. Die Tiere wurden getötet und die Tierkörper unschädlich vernichtet“, erklärte Eichele. „Alle Eier des Betriebs wurden von den Behörden zurückgerufen und die betreffenden Eiernummern im Internet veröffentlicht.“ Legehennen werden unter normalen Umständen unter anderem als Suppenhühner verkauft.

Dem Ministerium liegen weitere Analysen vor: Bei drei betrieblichen Eigenkontrollen von Hähnchen sei der Gehalt von zwei pg/g nicht überschritten. Für Mastputen gibt es drei Ergebnisse für drei Proben, auch hier sei der Höchstgehalt von zwei pg/g eingehalten. Sechs betriebliche Untersuchungen von Fleisch von Schweinen zeigten keine Überschreitungen des Höchstgehalts von 1 pg/g. „Sobald weitere aussagekräftige Daten vorliegen, werden diese veröffentlicht“, kündigte Eichele an.

Großbritannien nimmt deutsche Ei-Produkte aus dem Verkauf

Britische Supermärkte haben unterdessen Produkte, die von deutschen Dioxin-Eiern verseucht sein könnten, aus dem Regal genommen. Die meisten der Kuchen und Törtchen, die betroffen sein könnten, seien bereits verkauft und vermutlich schon gegessen, teilte die für Ernährung zuständige Behörde Food Standards Agency (FSA) mit. Vorsorglich sollten die Geschäfte auch die wenigen Reste aus dem Verkehr ziehen. Die FSA hatte in den vergangenen Tagen mehrfach darauf hingewiesen, dass von den Eiprodukten keine Gefahr für die Gesundheit ausgehe. Der Dioxin-Gehalt bei der Verarbeitung so weit verdünnt worden, dass kein Risiko bestehe. Rund 14 Tonnen der verseuchten Eier sollen nach Großbritannien gelangt sein.

Kommentare (12)

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la borsa

08.01.2011, 12:12 Uhr

[1] Wir könnten die Kontrolleure verdoppeln oder verdreifachen und würden damit nur die bestechungsvorgänge erhöhen. Wenn Prüfer der Markt- und Ordnungsämter der Städte mit leeren Taschen in die betriebe hineingehen, kommen viele mit vollen Taschen wieder heraus. Dieser Weg ist also teuer und bringt nicht die Sicherheit, die der Konsument haben will.

[2] Die Abnehmer von Futtermitteln haben ihre Lieferanten zu kontrollieren. Jeder Gärtner kann bei den Landwirtschaftskammern bodenproben machen lassen, bevor er seine Aussaat macht. Gleiches kann der Steuerzahler auch von den Landwirten und vor allem von den agrarischen Großbetrieben verlangen, wenn sie Milch, Eier oder Fleisch produzieren.

[3] Es ist deshalb der richtige Weg, betriebe still zu legen. Was den Schadenersatz anbelangt, so können die bauern gegen ihre Lieferanten Klage erheben. Was wichtig ist, ist die Maßnahme, die rechtlichen Möglichkeiten so zu verschärfen, dass die Geldstrafen etwa so fühlbar sind wie die in den USA. Dann kommen wir ohne eine Vielzahl von staatlichen Kontrolleuren aus.

Vom deutschen Land auf deutschen Tisch

08.01.2011, 12:29 Uhr

Jetzt verstehe ich warum die Sache erst nach den Feiertagen bekannt gemacht wurde.
"Die meisten der Kuchen und Törtchen, die betroffen sein könnten, seien bereits verkauft und vermutlich schon gegessen"

Mark Winter

08.01.2011, 12:32 Uhr

Es muß jedem blinden in unserem Land jetzt bewußt sein ,was für einen Stellenwert der Verbraucherschutz in unserm Land hat!Lauer Ankündigungen doch passieren wird nichts.Die Nahrungsmittellobby macht und diktiert die Gesetze.Diese behörden gehören dicht gemacht und Unabhängig von Umwelt und Verbraucherschutzverbänden eigenständig ausgeführt.

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