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25.02.2013

14:41 Uhr

Lebensmittelbranche

Falsche Eier-Kennzeichnung wohl „flächendeckende Praxis“

Die bewusste Täuschung von Verbrauchern bei der Deklarierung von Eiern schreckt die Politik auf. Der zweite große Etiketten-Schwindel nach dem Pferdefleisch-Skandal lässt am Erfolg von Lebensmittelprüfungen zweifeln.

Eier aus Freilandhaltung einem Behälter auf einem Bauernhof in Seefeld (Bayern). dpa

Eier aus Freilandhaltung einem Behälter auf einem Bauernhof in Seefeld (Bayern).

BerlinIm Skandal um Millionen falsch deklarierte Bio-Eier fordern Politiker und Verbände Konsequenzen für betrügerische Betriebe und das staatliche Kontrollsystem. Hier sieht Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) besonders die Länder in der Verantwortung. „Es geht auch immer um die Kontrollen und hier muss ich auch eindeutig sagen: Die Kontrollen, für die die Länder ja zuständig sind, können nicht nur vom Schreibtisch aus durchgeführt werden, sondern man muss sich natürlich die Betriebe auch mal vor Ort anschauen“, sagte Aigner am Montag in Brüssel.

Auch FDP und Grüne forderten schärfere Kontrollen von landwirtschaftlichen Betrieben und ein Zählen der Tiere. Der Tierschutzbund verlangte eine Sonderkommission von Bund und Ländern. „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, geht es hier um Betrug im großen Stil: Betrug an den Verbrauchern, aber auch Betrug an den vielen Bio-Landwirten in Deutschland, die ehrlich arbeiten“, erklärte Aigner. Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben vor allem aus Niedersachsen sollen als angebliche Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Die Legehennen sollen in überfüllten Ställen nicht so gehalten und gefüttert worden sein, wie es für Bio-Eier vorgeschrieben ist.

Ermittlungen: Millionen falsch deklarierte Bio-Eier verkauft

Ermittlungen

Millionen falsch deklarierte Bio-Eier verkauft

Hühnerställe sollen in vielen Fällen überbelegt gewesen sein.

Betrügereien bei der Hühnerhaltung und der Eier-Kennzeichnung sind nach Angaben der Ermittler weit verbreitet. „Es scheint relativ flächendeckend Praxis gewesen zu sein“, sagte der Leiter der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Roland Herrmann. Seine Behörde ermittelt gegen rund 100 Betriebe in Niedersachsen. Diese seien alle durchsucht worden. Gegen einige stehe das Verfahren kurz vor dem Abschluss. Die Ermittlungen werden insgesamt aber noch längere Zeit dauern, sagte Herrmann

Die Behörde hatte etwa 50 weitere Verfahren an Ermittler in anderen Bundesländern abgegeben, so nach Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Betroffen sein sollen auch Betriebe in den Niederlanden und Belgien. Erste Verfahren seien bereits im Herbst 2011 eingeleitet worden, schreibt der „Spiegel“, der den Skandal bekanntgemacht hatte. Keine falsch deklarierten Eier wurden bislang in Baden-Württemberg und Brandenburg entdeckt, dagegen besteht ein erster Verdacht gegen zwei Betriebe in Thüringen.

Die Kosten für ein Frühstücksei

Ei aus Biohaltung

Angesichts der unterschiedlichen Arten der Haltung variieren die Kosten für die Erzeugung eines Eis deutlich. Nach Auskunft der niedersächsischen Landwirtschaftskammer in Oldenburg schlagen die Direktkosten für ein Ei aus Biohaltung mit 13,6 Cent zu Buche. Werden auch die Abschreibung auf den Stall und andere Festkosten angesetzt, liegt der Vollpreis bei 16,5 Cent.

Ei aus Freilandhaltung

Hier nennt die Kammer 9,02 Cent an Direkt- und 11,4 Cent an Vollkosten.

Ei aus Bodenhaltung

Bei der Bodenhaltung, sitzen ebenfalls maximal 18 Tiere in einer Volière, haben aber keinen angeschlossenen Auslauf. Durch den geringeren Energieverbrauch der Legehennen - die ja auf engem Raum zusammenhocken - ist auch der Futterverbrauch geringer. Das schlägt sich wiederum in den Kosten nieder: Ein so produziertes Ei kommt auf Direktkosten von 7,8 Cent und Vollkosten von 9,4 Cent.

Aigner verwies darauf, dass Vorgaben an Bio-Betriebe sehr streng seien und strikt eingehalten werden müssten. Für die Freilandhaltung von Hühnern sind mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche pro Huhn vorgeschrieben. Freilandeier dürfen nur dann als „Bio“ in den Handel, wenn auch bestimmte Futtermittel-Auflagen erfüllt werden.

Kommentare (19)

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25.02.2013, 15:07 Uhr

Ein Saustall ohne Ende. Ergebnis der Lobbypolitik in Deutschland. Die Regierung agiert nur im Interesse der Wirtschaft.
All dies zu Lasten der Verbraucher und vor allem auch der Produzenten, die ehrlich arbeiten. Die sind in diesem Preiskampf dann die Unterlegenen.

Ohne ein grundsetzliches Umdenken tut sich hier nicht. Aber dies ist von dieser wirtschaft- und profitnahen schwarz-geld Regierung nicht zu erwarten. Zusehr steht die Gier nach Geld im Mittelpunkt ihres Handelns.
Die Interessen der Verbraucher haben da keinen Stellenwert.

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25.02.2013, 15:09 Uhr

"Hier sieht Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) besonders die Länder in der Verantwortung."

Auch wieder ein Ergebnis des Versagens des förderalen Systems! Jeder Kleinstaat kocht sein Süppchen. Hauptsache unzählige unfähige Politikmarionetten werden bezahlt.

Leser

25.02.2013, 15:28 Uhr

Wer glaubt denn wirklich, dass nur bei Bio-Eiern betrogen wird???

Wenn ich an die Schwemme von Bio-Waren in allen Supermärkten denke - zweifle ich schon lang daran. Über Bio-Produkte aus "armen" Ländern, Südamerika, dem Armenhaus Europas... kann ich nur lachen. Sicher gibt es Betriebe die okay sind aber alle? Never ever! Und keiner prüft es und niemand will das auch wirklich. Wie kann es sein, dass Produzenten in Spanien keine Fernsehteams ohne Voranmeldung Produktionsstätten besichtigen lassen? Sollte man über so ein Gebaren nicht mal nachdenken?

Zum Eierskandal: ich erinnere mich, dass schon vor Jahren an Ostern jemand darauf aufmerksam gemacht hat, dass es soviele Bio-Ostereier gar nicht geben könne. Demnach hätte dies schon vor Jahren auffliegen können - besser müssen!

Wer betrügt - geht in den Knast - fertig. Wer in Sachen Nahrungsmittel und Nahrungsmittelerzeugung betrügt - begeht für mich schwersten Betrug, da er mit dem Leben von Menschen spielt! Solche Leute gehören für immer in den Bau. Schei... Profitgier!

Und die Politiker in Berlin - denken sie eig. überhaupt nicht nach???

Mal nochwas... ob landwirtschafliche Flächen auf denen bis vor ein- oder zwei jahren noch gedüngt wurde wirklich Bioland sind? Ich habe in meiner Kindheit live miterlebt, wie landwirtschaftl. Kleinbetriebe zumindest gedüngt haben - das langt bestimmt für die nächsten 10 Jahre - nach dem Motto - da kann man ruhig mehr nehmen...

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