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22.05.2012

14:43 Uhr

Lebensmittelhändler

Penny macht Rewe zu schaffen

Der Rewe-Konzern hat erstmals mehr als 40 Milliarden Euro umgesetzt. Obwohl 2011 der Gewinn durch den Discounter Penny belastet wurde und sank, peilt Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Übernahmen an.

Rewes Discounter Penny ist in Deutschland derzeit nicht profitabel. dpa

Rewes Discounter Penny ist in Deutschland derzeit nicht profitabel.

Düsseldorf/KölnDer Rewe-Konzern hat seinen Umsatz 2011 um 3,4 Prozent auf 40,3 Milliarden Euro gesteigert, ein Drittel davon wird im Ausland erzielt. Zu Jahresbeginn 2012 wuchs er von Januar bis März mit 5,1 Prozent noch schneller, wie das Unternehmen am Dienstag in Köln mitteilte. Zusammen mit selbstständigen Einzelhändlern näherte sich der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr mit 48,4 Milliarden Euro sogar der 50-Milliarden-Euro-Marke.

Der Konzerngewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings um fast elf Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Die Restrukturierung des Discounters Penny belastete Rewe mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Zum Netto-Gewinn äußerte sich Rewe nicht - Vorstand Norbert Fiebig signalisierte aber, dass Rewe auch unter dem Strich trotz der Belastungen noch schwarze Zahlen schrieb: Das Eigenkapital sei im vergangenen Jahr um rund 300 Millionen Euro auf 4,7 Milliarden Euro ausgebaut worden.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Das Sorgenkind des Konzerns, Penny, kommt Deutschlands zweitgrößten Lebensmittelhändler teuer zu stehen, obwohl die Discountsparte 2011 beim Umsatz um 3,6 Prozent zulegte. Rewe-Chef Alain Caparros sagte am Dienstag bei der Präsentation der Konzernzahlen nach einem vorab verbreiteten Manuskript: „Es liegt noch ein längerer Weg vor uns, bis Penny in Deutschland insgesamt wieder auf profitablem Kurs ist.“

Penny hat nach früheren Angaben 2011 rote Zahlen geschrieben und ist Deutschlands Nummer vier nach Aldi, Lidl und Netto. Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Erst 2015 werde die Tochter voraussichtlich wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte der zuständige Konzernvorstand Jan Kunath. Rewe hat aber laut Caparros die Kraft, „einen Turnaround wie Penny in Deutschland zu stemmen und zugleich die erfolgreiche Entwicklung unserer Wachstumssparten mit unverminderter Dynamik voranzutreiben“.

Er will Penny nicht zur Disposition stellen: „Es gibt keine Rewe Group ohne Penny in Deutschland.“ Rewe werde sich nicht aus einem Segment zurückziehen, dass 40 Prozent des deutschen Lebensmittelmarkts ausmache. Auch wenn dies vielleicht die härteste Branche im gesamten europäischen Lebensmitteleinzelhandel sei. National wuchs der Umsatz des Discounters allerdings nur um 1,9 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro, während er in den Auslandsmärkten Bulgarien, Italien, Österreich, Rumänien, Ungarn und Tschechien viel stärker um 6,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zulegte.

Kommentare (5)

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Tabu

22.05.2012, 13:58 Uhr

Nun machen sich die Groß-Discounter,gegenseitig
Konkurrenz.
Gut so..Ich hab noch in meiner Kindheit,die letzten Tante Emma Läden miterlebt.Was für eine heimelige Atmosphäre.
Bäcker in denen noch selber jeden morgen,Brot und Brötchen
gebacken wurden.Was heute im Industrieteig angerührt wird,
müßte eigentlich verboten werden.Aber es geht ja um Wachstum..milliardenschwer,auch wenn die Mesnschlichkeit
auf der Strecke bleibt.

wahlrecht

22.05.2012, 14:51 Uhr

Sie müssen es ja nicht essen! Dieses ganze Gebäckzeugs samt seinen zuckerhaltigen Aufstrichen wie Marmelade, Fett aus Butter, Käse, krebserregenden Wurstbestandteilen, die diese nur gleichm-rosa machen, sind absolut unnötig! Auch braucht der Mensch keine Teigwaren, eben kein Brot, keine Kartoffeln und kein Reis. Alles Dickmacher - Kalorien - Kohlehydtrate.

Account gelöscht!

22.05.2012, 16:39 Uhr

@ Tabu
Vielleicht hätten sie vor dem Kommentar den Artikel lesen sollen - Penny gehört zu Rewe.
Und die Tante-Emma-Läden sind verschwunden, weil die Konsumenten auf dem billich-willich Trip sind.

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