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18.01.2008

15:52 Uhr

Lebensmittelhandel

Metro verkauft Extra-Märkte

VonChristoph Schlautmann

Der Düsseldorfer Metro-Konzern trennt sich Anfang Juli von seinen verlustreichen "Extra"-Verbrauchermärkten. Wie der Vorstand am Donnerstag mitteilte, wird der Kölner Wettbewerber Rewe die 245 konzerneigenen Standorte sowie 61 Franchisemärkte übernehmen, die teilweise unter den Marken "Comet" und "Bolle" firmieren.

DÜSSELDORF. Einen Kaufpreis nannten die beiden Handelskonzerne nicht. In Verhandlungskreisen war von knapp 500 Mill. Euro Ablösesumme die Rede. Metro selbst berichtet, durch den Verkauf reduziere sich die bilanzielle Nettoverschuldung um rund 350 Mill. Euro. Den Differenzbetrag erklären Insider unter anderem mit der zusätzlichen Übernahme von Warenbeständen durch Rewe.

Gleichzeitig teilte der Düsseldorfer Dax-Konzern mit, die "rating-relevante Nettoverschuldung" gehe durch den Verkauf sogar um 670 Mill. Euro zurück. Üblicherweise rechnen Ratingagenturen, die über die Bonität von Unternehmen befinden, langfristige Mietbindungen bei der Nettoverschuldung mit ein.

Schon vor dem Wechsel an der Vorstandsspitze von Metro hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Körber angekündigt, für die verlustreiche Tochter "verschiedene strategische Optionen" zu prüfen und einen Verkauf ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Analysten hatten jedoch kaum damit gerechnet, dass Metro für Extra noch eine wesentliche Ablösesumme erzielen könnte. Schließlich hatte auch der US-Konzern Wal-Mart beim Verkauf seiner verlustreichen Deutschlandtochter dem Käufer Metro noch zusätzlich Geld in die Hand drücken müssen.

"Mit dem Verkauf von Extra konzentrieren wir uns im Lebensmitteleinzelhandel klar auf das Real-SB -Warenhaus und können unsere Kräfte für die erfolgreiche Repositionierung in Deutschland noch wirkungsvoller bündeln", kommentierte Metro-Chef Eckhard Cordes das Verhandlungsergebnis.

Im Geschäftsjahr 2007 erzielte Extra mit 9 700 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 1,6 Mrd. Euro. Alle Mitarbeiter der betroffenen Standorte und Vertriebscenter werden von Rewe übernommen. Die Transaktion steht aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Gremien und der Kartellbehörden.

Schon im November 2004 hatte Metro-Chef Hans-Joachim Körber insgesamt 137 Supermärkte der Vertriebslinie Extra mit einem Umsatzvolumen von 550 Mill. Euro an Rewe verkauft. Zuvor hatte der Metro-Konzern letztmalig gesondert Zahlen für diese Vertriebsschiene genannt und den Betriebsverlust mit 23 Mill. Euro beziffert.

In der Folgezeit wurde Extra in die SB-Warenhaustochter Real integriert, die inzwischen selbst zu einem Sanierungsfall geworden ist. Unternehmenskenner berichten, die Ertragslage von Extra habe sich seither nicht wesentlich verbessert.

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