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26.02.2013

07:27 Uhr

Lebensmittelskandal

Bio-Bauern fürchten um ihren Ruf

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst ungebrochen, doch der neue Skandal um falsche Bio-Eier schürt alte Vorbehalte: Ist wirklich überall Bio drin, wo Bio draufsteht? Öko-Bauern fürchten um ihren Ruf.

Bio-Bauern fürchten um ihren guten Ruf. dpa

Bio-Bauern fürchten um ihren guten Ruf.

BienenbüttelIm neuen Skandal um falsch deklarierte Eier fürchten Bio-Bauern um ihren guten Ruf. „Unsere Sorge ist, dass es jetzt wieder heißt: Bio kann man auch nicht trauen“, sagt der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, der Nachrichtenagentur dpa. In der Arbeitsgemeinschaft haben sich vor allem kleine und mittlere Betriebe zusammengeschlossen, die sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaften.

„Jetzt müssen sich die Verbände deutlich von der Agrarindustrie distanzieren und entsprechende Betriebe ausschließen“, forderte Niemann. „Auch muss die viel zu lasche Bioverordnung der Europäischen Union auf den Stand der Bioverbände angehoben werden.“

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Der AbL-Sprecher erläuterte, bei der Kontrolle von Legehennenbetrieben gebe es auch technische Schwierigkeiten. So sei noch kein Mittel gefunden, die Tiere zuverlässig zu zählen. „Außerdem kann man sich seine Kontrollstelle im Bio-Bereich aussuchen. Bei manchen Bio-Verbänden gibt es mir eine zu große Nähe der Verbände zu den Kontrollstellen“, sagte Niemann.

Angemeldete Überprüfungen der Bio-Kontrollstellen gebe es einmal im Jahr. Hinzu kämen unangemeldete, bei Betrieben mit mehr als 10 000 Hühnern zum Beispiel drei im Jahr. Das sei prinzipiell ausreichend. „Bei Bioland und Demeter ist man auf der sicheren Seite“, sagte Niemann. Auch Naturkostläden oder der Hofverkauf entsprechender Betriebe böten zuverlässige Einkaufsmöglichkeiten.

Skandal um falsch deklarierte Bio-Eier

Video: Skandal um falsch deklarierte Bio-Eier

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Die Kosten für ein Frühstücksei

Ei aus Biohaltung

Angesichts der unterschiedlichen Arten der Haltung variieren die Kosten für die Erzeugung eines Eis deutlich. Nach Auskunft der niedersächsischen Landwirtschaftskammer in Oldenburg schlagen die Direktkosten für ein Ei aus Biohaltung mit 13,6 Cent zu Buche. Werden auch die Abschreibung auf den Stall und andere Festkosten angesetzt, liegt der Vollpreis bei 16,5 Cent.

Ei aus Freilandhaltung

Hier nennt die Kammer 9,02 Cent an Direkt- und 11,4 Cent an Vollkosten.

Ei aus Bodenhaltung

Bei der Bodenhaltung, sitzen ebenfalls maximal 18 Tiere in einer Volière, haben aber keinen angeschlossenen Auslauf. Durch den geringeren Energieverbrauch der Legehennen - die ja auf engem Raum zusammenhocken - ist auch der Futterverbrauch geringer. Das schlägt sich wiederum in den Kosten nieder: Ein so produziertes Ei kommt auf Direktkosten von 7,8 Cent und Vollkosten von 9,4 Cent.


Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

26.02.2013, 08:19 Uhr

Eine sehr interessante Meinung, die man zweimal lesen muss, um Bio zu verstehen.
Bio ist nicht gleich Bio – Etikettenschwindel bei Lebensmittel
Langsam weiß man ja gar nicht mehr was man essen kann und was nicht.
Dioxin Skandal, Gammelfleisch und jeden Tag neue Erkenntnisse was schädlich ist oder sein kann!
Was darf man essen und was nicht. Und ist Bio immer gleich Bio?
Was sind Bio Lebensmittel?
Mal eine Definition:
“In der EU dürfen als Bio-Lebensmittel nur solche Produkte bezeichnet und gekennzeichnet werden, die entsprechend der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 zum Ökologischen Landbau (EG-Öko-Verordnung) produziert und kontrolliert sind.
Die EG-Öko-Verordnung verbietet unter anderem die Bestrahlung von Öko- Lebensmitteln und den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen und schreibt vor, auf Pflanzenschutz mit chemisch-synthetischen Mitteln und auf leicht lösliche mineralische Dünger zu verzichten.
Zudem verlangt die Verordnung abwechslungsreiche, weite Fruchtfolgen, eine flächengebundene (von der Betriebsfläche abhängige), artgerechte Tierhaltung und die Fütterung mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderer (seit 2006 sind Antibiotika als Leistungsförderern in Futtermitteln auch in der konventionellen Landwirtschaft EU-weit verboten).
Öko-Lebensmittel, die nicht aus Deutschland oder der EU stammen, müssen die Anforderungen der EG-Öko-Verordnung erfüllen, wenn sie auf den EU-Markt gelangen.” (Quelle: Greenpeace )

Michael

26.02.2013, 08:24 Uhr

"Ist wirklich überall Bio drin, wo Bio draufsteht?"
Nein. Nicht überall.

"Öko-Bauern fürchten um ihren Ruf."
Daran sind sie ja nunmal selbst Schuld. Man kann es ihnen aber auch kaum vorwerfen, schliesslich nutzen sie nur die Gegebenheiten (Auflagen, Gesetze, etc..) um dem ersten Gebot Angela Merkels zu huldigen. Wachstum. Der Markt geht vor.

walter_drews

26.02.2013, 08:25 Uhr

In den meisten Nachrichten, ob TV oder Zeitungen, wird immer nur von "Bio" gesprochen.
Dabei liegen zwischen dem unsäglichen EURO-EU-Bio (auch hier werden die Regeln genauso scharf und unnachgiebig überwacht wie beim EURO-Geld) und ernsthaften Bio-Vereinigungen wie Demeter, Naturland, und Bioland, etc. Dort herrschen wirklich strenge Regeln und die Betrieb werden nicht industriell betrieben sondern von Überzeugungstätern.
EU-BIO ist eigentlich nur eine Minimalanforderung. Das ist REWE, REAL, LIDL ALDI-Bio. Entwickelt von der EU um der Lebensmittelindustrie zu helfen.
Beim Eierskandal kann man meiner Meinung nach davon ausgehen, daß der Skandal nur EU-BIO Unternehmen betrifft. Das sind einfach Großindustrielle die nun ein billiges Label gefunden haben.

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